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25.04.2003

16:53 Uhr

Auch Gespräche zwischen USA und China zu Ende

Washington spielt Nordkoreas Atom-Eingeständnis herunter

Nordkorea hat nach Angaben amerikanischer Regierungsbeamter erstmals den Besitz von Atomwaffen zugegeben. Die US-Regierung spielte dieses Eingeständnis in Washington herunter. Präsident George W. Bush warf Nordkorea vor, in "das alte Erpressungsspiel" zurückzuverfallen. Über das weitere Vorgehen werde die US-Regierung nach Konsultationen mit Verbündeten entscheiden, teilte das Weiße Haus mit. Das Treffen war der erste direkte Kontakt seit Ausbruch der Krise um die Wiederaufnahme des nordkoreanischen Atomprogramms vor einem halben Jahr.

HB/dpa WASHINGTON/PEKING/SEOUL. Der südkoreanische Außenminister Yoon Young Kwan warnte vor einer ernsthaften Bedrohung für den Frieden in der Region, falls Nordkorea tatsächlich im Besitz von Atomwaffen sei. Dann wäre das auch eine Verletzung der innerkoreanischen Erklärung über eine atomwaffenfreie Halbinsel, sagte Yoon am Freitag nach Gesprächen mit dem US-Gesandten James Kelly. Der Abteilungsleiter im US-Außenministerium war zuvor nach Seoul gekommen, um die südkoreanische Regierung von seinen dreitägigen Gesprächen in Peking über den Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm zu informieren.

"Sie haben zugegeben, was wir immer wussten - dass sie Atomwaffen haben. Das schockiert uns nicht", sagte ein ranghoher US-Vertreter in Washington. Nach Angaben von Außenminister Colin Powell hält Bush die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Konflikts aufrecht, es würden aber alle Optionen geprüft. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte in einem internen Denkanstoß schon vor den Gesprächen in Peking für einen "Regimewechsel" in Pjöngjang plädiert. Regimewechsel war auch die Politik der US-Regierung in Bezug auf den Irak. In Regierungskreisen soll ein "Plan B" kursieren, der drakonische Wirtschaftssanktionen gegen Pjöngjang vorsieht, um das stalinistische Regime von Kim Jong Il in die Knie zu zwingen.

Die USA ließen sich nicht durch Drohungen einschüchtern, sagte Präsident Bush am Donnerstagabend in einen Interview mit dem Fernsehsender NBC. Nordkorea spiele "das alte Erpressungsspiel". "Das gibt uns Gelegenheit, den Nordkoreanern und der Welt klarzumachen, dass wir uns nicht bedrohen lassen", sagte Bush.

Unterdessen gingen die Dreier-Gespräche in Peking am Freitag nach drei Tagen zu Ende. Nach Angaben des Außenamtssprechers in Washington waren allerdings nur am ersten Tag formelle Gespräche mit allen drei Parteien an einem Tisch geführt worden. Danach hätten die Vertreter Pekings bilateral mit Nordkorea und den USA konferiert. Offenbar auf Initiative des Gastgebers China empfing Außenminister Li Zhaoxing am Freitagmorgen die Delegationen der USA und Nordkoreas zu getrennten Gesprächen. Danach gab es noch ein "informelles Dreiertreffen", wie ein Sprecher der US-Botschaft sagte.

Trotz unverändert gegensätzlicher Positionen sprach der chinesische Außenminister Li Zhaoxing von einem "guten Anfang", berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Beteiligten seien übereingekommen, wegen weiterer Gespräche über diplomatische Kanäle "in Kontakt zu bleiben", sagte der chinesische Außenminister.

Die USA hielten sich mit einer Einschätzung zunächst zurück. Die Gesprächsprotokolle müssten zunächst gründlich analysiert werden, sagte Außenamtssprecher Boucher. Außenminister Powell gab vor dem Asiatisch-Pazifischen Rat der USA in Washington zu verstehen, die Vertreter Pjöngjangs hätten ihren Standpunkt "sehr energisch" vorgetragen. Die Nordkoreaner sollten nicht dem Trugschluss verfallen, "dass sich die USA und ihre Partner und die Länder in der Region durch feindselige Erklärungen oder Drohungen oder Aktionen" zu Zugeständnissen bewegen ließen.

Pjöngjang hat nach eigenen Angaben bei den Gesprächen einen "neuen mutigen" Vorschlag zur Lösung des Konfliktes um sein Atomprogramm vorgelegt. Dieser Vorschlag sei gemacht worden, um die "bilateralen Besorgnisse der Volksrepublik und der USA sowie der von der Nuklearfrage betroffenen Parteien" zu zerstreuen, zitierte die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA einen Sprecher des Außenministeriums. Einzelheiten wurden nicht genannt. Die USA hätten dagegen nur auf alten Forderungen bestanden.

Nach seinem Besuch in Seoul hatte US-Verhandlungsführer Kelly noch eine Zwischenlandung in Tokio geplant, bevor er in die USA zurückreist. Im Mai werden der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun und der japanische Premierminister Junichiro Koizumi in Washington erwartet.

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