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12.03.2003

06:34 Uhr

Auch große Märkte bieten dem Anleger keine perfekte Information

Aktives Management lohnt sich nur, wenn man mehr weiß als der Markt

VonFrank Wiebe

Aktiv oder passiv? Die Wahl zwischen diesen Anlagekonzepten ist eine Glaubensfrage - wenn man den Glauben an die Börsen nicht ohnehin schon verloren hat.

DÜSSELDORF. Bei nüchterner Betrachtung dürfte sich ein aktives Management in der Regel nur dann lohnen, wenn die jeweiligen Manager mehr wissen als der Markt. In allen anderen Fällen kosten sie Geld, ohne zusätzlichen Ertrag zu bringen. Aber wo gibt es dieses Mehrwissen?

Es gilt als ausgemacht, dass bei großen Märkten das Wissen weit gestreut und damit letztlich immer schon in den Kursen eingearbeitet sei. Möglicherweise ist diese These aber zum Teil falsch. Denn die Börse wird sehr stark von Stimmungen und Mitläufereffekten beeinflusst. Deswegen war es auch falsch zu glauben, dass die Börse "immer Recht" habe und Unternehmen sich konsequent an deren Anforderungen auszurichten hätten. Ein konsequent an der Bewertung der Aktien orientierter "Value-Ansatz" versucht, diese Verzerrungen herauszufiltern.

Wer ein bisschen auf der Value-Welle mitschwimmt, wird damit zwar nicht weit kommen. Wer den Ansatz konsequent verfolgt, schafft sich aber möglicherweise einen Vorsprung. Er blendet Stimmungen und Mitläufereffekte bewusst aus, kümmert sich nicht um gängiges Analyse-Material und sieht sich alle Branchen an. Bei einer mittleren Börsenentwicklung ist er damit nicht schlauer als der Markt, im Boom vorsichtiger und in der Baisse eher bereit zum Kauf als der Durchschnitt. Selbst wenn dabei langfristig nur eine leicht unterdurchschnittliche Entwicklung herauskommt, wird ein Teil des Risikos abgefangen und damit für den Anleger - wenn es gut funktioniert - echter Mehrwert geschaffen.

Der "Growth-Ansatz" bietet auch Chancen, schlauer zu sein als der Markt. Doch ist dies schwierig. Auf bekannte Namen zu setzen, verschafft natürlich keinerlei Vorsprung. Die Gefahr besteht, durch die Bildung von Schwerpunkten in einzelnen Branchen unter dem Strich nur die Schwankung, also das Risiko zu erhöhen. Möglichkeiten bestehen aber, wenn sich ein Fonds auf ein einzelnes Gebiet, zum Beispiel Biotech, spezialisiert und mit intensivem Research nach künftigen Stars sucht. Allerdings dürften sich echte Chancen nur dann ergeben, wenn der jeweilige Sektor nicht schon durch den Modetrend hoffnungslos überteuert ist. Zurzeit müssten die Bedingungen also gut sein, weil es wenig Modetrends gibt. Ähnlich lässt sich Wissensvorsprung in anderen Marktnischen aufbauen, etwa bei kleinen, von Analysten wenig beobachteten Unternehmen, Sanierungsfällen oder nicht notierten Gesellschaften.

Bei der Charttechnik stellt sich ebenfalls die Frage, ob sie einen Wissensvorsprung verschafft. Wenn es sich darum handelt, allseits bekannte Widerstände oder Unterstützungen zu benennen, ist das sicherlich nicht der Fall. Aber die Weiterentwicklung dieses Ansatzes zu Computer gestützten Trendfolgesystemen, möglicherweise unter Einbeziehung fundamentaler Daten, kann Bewegungsmuster offenbaren, die der breite Markt nicht kennt. Doch müssen solche Muster nicht stabil sein.

Es lohnt sich also, genau hinzuschauen: Ist bei einem strategischen Ansatz ein Mehrwissen zumindest möglich? Auf diese Frage sind auch Hedge-Funds abzuklopfen. Manche schließen Wetten in Märkten mit großer Informationsstreuung ab, andere erschließen durch intensive Analysen interessante Nischen.

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