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26.01.2005

15:21 Uhr

Auch in Davos steht eine gerechte Weltordnung auf der Tagesordnung

Weltsozialforum erwartet 120 000 Teilnehmer am Gegengipfel

VonAlexander Busch und Joachim Dorfs (Handelsblatt)

Parallel zum World Economic Forum in Davos findet das Weltsozialforum im südbrasilianischen Porto Alegre statt. Europäische und brasilianische Globalisierungskritiker haben das Forum vor fünf Jahren als Gegengipfel zum Weltwirtschaftsforum ins Leben gerufen.

PORTO ALEGRE/DAVOS. Angewachsen auf rund 120 000 Teilnehmer und fast 2 000 Seminare, Konferenzen und Workshops ist das Weltsozialforum zu einem "verlässlichen Seismographen der Dynamik und Widersprüche der globalisierungskritischen Bewegungen geworden", sagt Jürgen Stetten, Globalisierungsexperte von der Friedrich-Ebert-Stiftung aus Berlin.

In Porto Alegre muss die Bewegung erneut den schwierigen Balanceakt vollbringen, Kritik und Aktionen gegen die Globalisierung aus einem fast unendlichen Angebot der weltweiten Teilbewegungen zu filtern und das Forum nicht zur kritiklosen Jubelveranstaltung zu werden. Doch das ist schwierig: "Porto Alegre soll keine Bühne für intellektuelle Stars sein", fordert der Brasilianer Oded Grajew, Mitgründer des Sozialgipfels. Anders als bei den vorherigen Gipfeln sind diesmal nur wenige prominente Globalisierungskritiker oder Linkspolitiker angekündigt. Die Zeiten, in denen das halbe französische Kabinett in Porto Alegre antrat, sind vorbei. "Wir wollen keinen Medienrummel um einzelne Anti-Globalisierer", fordern die Organisatoren in einem Memorandum. "Das fundamentale Arbeitsprinzip des Weltsozialforums ist die offene politische Kultur", so Stetten.

Schon im Vorfeld hat der internationale Rat des Forums beschlossen, dass die Veranstaltung künftig an mehreren Orten parallel weltweit stattfinden soll. Aber weiterhin soll es zum gleichen Zeitpunkt stattfinden wie das Weltwirtschaftsforum in Davos.

Parallel zur Entwicklung in Porto Alegre hat das World Economic Forum immer mehr Globalisierungsgegner in das Programm einbezogen. Darüber hinaus stellen sich immer mehr Konzernchefs den Diskussionen mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen. Die Diskussionsrunde "Gerechte Globalisierung" machte am Mittwoch gleichwohl die Unterschiede in den Positionen deutlich. Während etwa John M. Allan, Chef des britischen Logistikdienstleisters Exel, unter anderem auf höhere Lebenserwartung und Bildungsniveau in Asien in Folge der Globalisierung verwies, bemängelte die Buchautorin und Globalisierungsgegnerin Noreena Hertz die niedrigen Sozialstandards in diesen Ländern und forderte einen globalen Schuldenerlass für Dritte-Welt-Länder.

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