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01.04.2003

08:55 Uhr

Auch Marktführer Telia Sonera beantragt Fristverlängerung

UMTS-Ausbau in Schweden stockt

VonHelmut Steuer

Furcht vor hoher Strahlung und Fehler in den Bauanträgen blockieren in Schweden den Ausbau des Mobilfunkstandards UMTS. Mittlerweile haben alle vier Lizenzinhaber um eine Fristverlängerung gebeten.

STOCKHOLM. Das einstige Vorreiterland in Sachen Telekommunikation, Schweden, gerät beim beim Ausbau des UMTS-Netzes ins Hintertreffen. Gestern beantragte auch Telia Sonera als größter Telekomkonzern der Region einen Aufschub für den Ausbau des neuen Mobilfunknetzes. Es ist der letzte der vier schwedischen UMTS-Lizenzinhaber, der sich zu diesem Schritt entscheidet.

Zuvor hatten bereits Vodafone, Orange und das Konsortium um Hutchison-Whampoa um eine Fristverlängerung gebeten. Die schwedische Regulierungsbehörde PTS wies im vergangenen Jahr die ersten zwei Verlängerungsanträge zurück und drohte den Lizenzinhabern bei Nichterfüllung der Auflagen mit Strafen oder Lizenzentzug. Ein Behördensprecher wollte gestern den Telia Sonera-Vorstoß nicht kommentieren.

Telia Sonera begründete den Antrag auf Fristverlängerung mit der schleppenden Bearbeitung von Baugenehmigungen für Sendemasten sowie dem Fehlen von UMTS-Handys in ausreichender Zahl. Der Konzern, der im vergangenen Jahr aus der Fusion der schwedischen Telia und der finnischen Sonera entstand, sicherte jedoch zu, bis Anfang nächsten Jahres eine UMTS-Netzabdeckung von rund 70 % in Schweden zu erreichen. Die ursprünglich geforderte Abdeckung 99,9 % der Bevölkerung werde nicht vor Ende des Jahres 2005 erreicht, sagte ein Telia-Sprecher.

In Schweden waren Ende 2000 vier UMTS-Lizenzen vergeben worden. Sie wurden nicht über eine Auktion ausgegeben, allerdings mussten alle interessierten Konsortien zusichern, bis Ende 2003 eine vollständige Netzabdeckung in dem mit nur neun Millionen Einwohnern dünn besiedelten Land zu erreichen.

Ein Hauptgrund für die Verzögerung beim UMTS-Ausbau ist die Angst vieler Gemeinden und Städte vor zu hohen Strahlungswerten durch die Mobilfunkmasten der dritten Generation. Vergangene Woche lehnte der Stadtrat von Trelleborg den Bau von UMTS- Masten in einer der größten Städte Südschwedens unter Hinweis auf mögliche Strahlungsrisiken ab. "Trelleborg wird kein weißer Fleck auf der schwedischen UMTS-Karte sein, sondern eine Stadt mit klarem Himmel", sagte Kjell Nilsson, Vorsitzender des örtlichen Bauamtes.

Trelleborg bildet keine Ausnahme: Nach der Untersuchung des schwedischen Gemeindeverbandes waren bis Dezember vergangenen Jahres nur rund ein Viertel der insgesamt 4 300 Anträge auf Baugenehmigungen für Sendemasten bewilligt worden. Neben dem unbekannten Strahlungsrisiko nennen viele Städte und Gemeinden fehlerhafte Baugenehmigungsanträge als Grund für die Verzögerungen. Außerdem müssten bei Masthöhen von über 20 Metern auf die Flugsicherheitsbehörde sowie die schwedische Luftwaffe angehört werden.

Eine Beschleunigung des UMTS- Ausbaus könnte allenfalls eine politische Entscheidung bringen: Ende dieser Woche legt die Regierung ein neues Telekommunikationsgesetz vor. Es ermächtigt die Regulierungsbehörde, eine gemeinsame Nutzung von UMTS-Sendemasten von den Mobilfunkbetreibern zu fordern. Dadurch, so Experten, könne eine breite Netzabdeckung schneller erreicht werden.

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