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29.01.2002

19:01 Uhr

Auch Merrill Lynch gerät in die Kritik

Neue Führungsriege soll Enron wieder aufbauen

VonDIRK COHAUSZ

Der unter Gläubigerschutz stehende Energiekonzern Enron hat seit gestern eine neue Führungsriege. Stephen Cooper folgt Kenneth Lay als Vorstandsvorsitzender.

WASHINGTON. Er soll das Unternehmen grundlegend umstrukturieren. Lay war vergangenen Woche zurückgetreten. Gleichzeitig gab Lawrence Whalley seinen Rücktritt als Präsident und Vorstand für das operative Geschäft bekannt. Er wechselt zu UBS Warburg, die von Enron die Trading-Sparte übernommen haben. An seine Stelle rückt James McMahon, der bisher als Finanzvorstand bei Enron arbeitete. Dorthin rückt jetzt Vize-Präsident Ray Bowen auf.

Derweil hat der Kongress seine Anhörungen fortgesetzt. Zuvor hatte sich Arthur Andersen-Chef Joe Berardino zu Wort gemeldet und über den Schaden für seine Firma und die 85 000 Mitarbeiter gesprochen: "Kunden, die uns gut kennen, geben uns weiterhin Aufträge und unterstützen uns", sagte Berardino. Durch den Skandal entstünden Andersen zwar Einbussen, doch werde man überleben. Über die Höhe der Verluste wollte sich der Andersen-Chef nicht äußern.

Der Kongress will nun wissen, in wie weit Andersen nachlässig beziehungsweise vorsätzlich gehandelt hat. Bereits in der vergangenen Woche begannen daher die Anhörungen. Doch einer der Hauptbeschuldigten, der Andersen-Prüfer David Duncan, verweigerte mit Hinweis auf ein laufendes Gerichtsverfahren die Aussage. Berardino sagte, es sei aus seiner Sicht unklar, wann Andersen von den Vermögenswerten außerhalb der Bilanz erfahren habe. Das Problem sei aber letztlich, dass sie weniger wert waren, als Enron dafür bezahlt habe.

Kongress will alle Investoren überprüfen

Über 1 Mrd. $ Schulden hat Enron in Transaktionen mit ausländischen Partnern versteckt. Zum Teil gehörten diese Firmen, wie etwa LJM2, dem Ex-Finanzvorstand Andrew Fastow. Wie gestern bekannt wurde, sollen auch Manager der Investmentbank Merrill Lynch in LJM2 investiert haben. Zuvor hatte Merrill Lynch der Firma geholfen 349 Mill. $ aufzunehmen. Dabei sollen die Investmentbanker nach Informationen von Bloomberg als Argument für die Investoren hervorgehoben haben, dass "die Doppelrolle von Fastow Vorteile bringt". Merrill Lynch wollte sich dazu nicht äußern. Der Kongress kündigte indes an, alle Investoren der Enron-Partner zu überprüfen.

Die Anleger versuchen derweil ihren Schaden zu begrenzen. In Houston, Texas, wurde eine weitere Sammelklage von Anlegern, darunter viele Enron-Angestellte, erhoben. Ihre Träume sind zerplatzt: Die Rentenbeiträge hatten sie, wie in den USA oft üblich, fast ausschließlich in die eigenen Firmenaktien investiert. Neben den Enron-Managern ist eben auch Arthur Andersen angeklagt. Zudem soll sich Northern Trust, die den Rentenplan ausgearbeitet hatten, verantworten.

Ungeklärt ist nimmer noch der Grund für den Selbstmord des früheren Enron-Managers Clifford Baxter. Sein Abschiedsbrief wurde bisher nicht veröffentlicht.

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