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21.06.2000

02:01 Uhr

Auch reiche Länder haben Sozialausgaben gekürzt

ILO prangert unzureichende Arbeitslosenversicherung an

Von den schätzungsweise rund 150 Mill. arbeitslosen Menschen weltweit bekommt nur jeder vierte Unterstützung vom Staat.

ap GENF. Von den schätzungsweise rund 150 Mill. arbeitslosen Menschen weltweit bekommt nur jeder vierte Unterstützung vom Staat. Das geht aus einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hervor, der am Mittwoch in Genf veröffentlicht wurde. Selbst reiche Länder hätten in den letzten Jahren Einschnitte im sozialen Netz vorgenommen, obwohl es keinerlei Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Sozialausgaben und Wirtschaftswachstum gebe, kritisiert die ILO.

"Es ist absurd zu glauben, dass die Länder, die viel Geld für ihr Sozialsystem ausgeben, deshalb ökonomisch weniger erfolgreich sind", sagte Roger Beattie, der Autor des "World Labor Report 2000". Die großzügigsten Arbeitslosenversicherungen haben der Studie zufolge Deutschland, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Island, Portugal und Spanien. Die USA, Australien und Japan geben verhältnismäßig wenig für Sozialleistungen aus. In den 90-er Jahren haben fast alle OECD-Länder die Arbeitslosenunterstützung eingeschränkt, berichtet die ILO, etwa durch strengere Kriterien, wer bezugsberechtigt ist, oder durch eine kürzere Dauer der Zahlungen.

Rund 850 Millionen Menschen weltweit sind der Studie zufolge unterbeschäftigt oder verdienen weniger, als sie zum Leben brauchen. Außerdem müssen etwa 250 Millionen Kinder arbeiten, schätzt die ILO. Die UN-Organisation forderte besonders Entwicklungsländer auf, ihre Sozialsysteme auszubauen und auf den informellen Sektor, etwa auf Straßenverkäufer, auszudehnen.

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