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19.02.2003

08:00 Uhr

Auch südkoreanische und australische Aktien profitieren

China lockt Anleger mit rosigen Aussichten

VonOliver Müller

Das hört sich doch einfach gut an: Die chinesische Konjunktur boomt. Die Aktien der Volksrepublik sind in den vergangenen Monaten rasant gestiegen. Die wirtschaftlichen Aussichten gelten als gut. Was will der Anleger mehr? Gleichwohl gibt es Skeptiker, deren Rat lautet: Jetzt lieber Kasse machen.

HONGKONG. Die Weltwirtschaft lahmt. Rund um den Globus herrscht Flaute an den Börsen. Rund um den Globus? Bei genauem Hinsehen gilt dies nicht für chinesische Aktien. Baisse-geplagte Fondsmanager jagen seit Monaten China-Aktien hinterher. In Hongkong notierte Werte von Unternehmen mit Sitz in der Volksrepublik ("H-Aktien") haben im vergangenen Herbst zu einem Höhenflug angesetzt und allein in diesem Jahr gut 10 % zugelegt.

Viele Analysten erwarten, dass die goldenen Zeiten für China-Anleger auch den Rest des Jahres anhalten; sie argumentieren, trotz der Kursgewinne könne man noch getrost einsteigen. Die Fachleute verweisen auf die volkswirtschaftlichen Daten: Eine schwache Weltkonjunktur könnte Chinas Wachstum zwar leicht verlangsamen. Mit einem Plus von 7 % oder mehr dürfte das Land dieses Jahr aber erneut weltweit vorne liegen. Die Volksrepublik zieht inzwischen mehr ausländische Direktinvestitionen an als die USA, erwirtschaftet einen größeren Handelsüberschuss mit Amerika als mit Japan, und der Exportboom bereichert entlang der Ostküste eine neue Mittelschicht, die willig konsumiert.

"Diese Rally hat Beine für ein paar Quartale," prognostiziert deshalb Shawn Darby, Asienstratege beim Wertpapierhaus Nomura. Höhere Gewinnschätzungen und starker Cashflow der Unternehmen stützen seiner Ansicht nach die gestiegenen Bewertungen. Die ABN - Analystin Kalina Ip sieht die Basis für eine anhaltende Hausse in einer positiven strukturellen Entwicklung, die China schnell zu einem wichtigen Pfeiler der Weltwirtschaft mache.

Allerdings haben China-Rallys in der Vergangenheit oft abrupt geendet. Und es gibt genügend Skeptiker, die trotz rosiger Wirtschaftsaussichten davor warnen, dem Herdentrieb zu folgen und sich mit dem China-Fieber anzustecken. "Ab März droht eine Korrektur", sagt Lawrence Ang von der Deutschen Bank in Hongkong. Er rät dazu, jetzt Gewinne mitzunehmen und in defensive Werte mit hoher Dividendenrendite umzuschichten wie die Autobahnbetreiber Zhejiang-, Jiangsu- und Shenzhen-Expressway. Ang glaubt, dass in vielen Kursen zu hohe Gewinn- und Wachstumshoffnungen enthalten sind, zum Beispiel bei Autowerten wie Denway. Diese profitieren zwar von einem Absatzboom; ihre Profitabilität werde dieses Jahr aber unter Preiskämpfen leiden. "Es gibt im Moment keinen neuen fundamentalen Grund, China-Aktien zu kaufen", sagt Ang. Außerdem warnt er: "Je schneller die Irak-Krise beendet wird, desto eher wird die Rally in sich zusammenfallen." Dann werde China seinen Status als "sicheren Hafen" verlieren und andere Anlageregionen würden wieder interessant.

Denn trotz Konjunkturboom leiden China-Werte unter einem Problem, das Merrill-Lynch-Volkswirt TJ Bond auf den Punkt bringt: "Wirtschaftswachstum führt in China nicht unbedingt zu Profitabilität," warnt er. Schuld daran seien neben Ineffizienz, Korruption und Managementfehlern vor allem Überkapazitäten. Bonds Schluss: "Die besten China-Investments dürften außerhalb der Volksrepublik zu finden sein." Dem stimmt selbst der "China-Bulle" Darby von Nomura zu. Auf seiner Kaufliste finden sich viele asiatische Unternehmen, die vom Roh- und Grundstoffmangel der Volksrepublik profitieren - zum Beispiel der Holzproduzent WTK Holdings sowie die Palmölhersteller Kuala Lumpur Kepong und IOI in Malaysia oder Honam Petrochemical in Südkorea.

Frust über Qualität und Leistungsfähigkeit chinesischer Unternehmen lässt Anleger vermehrt nach Möglichkeiten suchen, sich außerhalb des Landes in die China-Story einzukaufen. ABN-Analystin Ip empfiehlt etwa Transportwerte in den Nachbarländern, die vom boomenden Handel mit China genauso profitierten wie einheimische Unternehmen. Neben China Shipping steht deshalb auch die Reederei Neptune Orient Lines aus Singapur ganz oben auf ihrer Liste. Chinas Bedarf an Roh- und Grundstoffen macht die Chemiewerte Formosa Plastics in Taiwan sowie LG Chemical und Honam in Südkorea für Ip interessant. Wegen der steigenden Reiselust der Chinesen empfiehlt sie außerdem die Tourismuswerte Beijing Capital Airport (China) und Resorts World (Malaysia). Ajay Kapur, Salomon Smith Barneys Asienstratege, setzt auf die australischen Rohstoffproduzenten BHP, Rio Tinto und Alumina als "China-Plays". Denn massiv steigende Nachfrage aus der Volksrepublik werde deren Fördervolumen und Margen auf Jahre hin steigern.

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