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24.01.2003

16:41 Uhr

Auch technisch keine Aufwärtsdynamik

Dax-Ausblick: Die Kriegsrhetorik überlagert alles

Die kommende Woche könnte für die Börse mit einem Paukenschlag beginnen. Am Montag wird Hans Blix, Chef der UN-Waffeninspektoren im Irak, den Vereinten Nationen seinen Bericht darüber vorlegen, ob und wenn ja in welchem Umfang der Irak über Massenvernichtungswaffen verfügt. Wie auch immer Blix' Aussagen und die Reaktionen darauf ausfallen werden - die Märkte dürften auf die kleinste negative Nachricht übernervös und voraussichtlich mit Verlusten reagieren. Positive Signale, egal ob von der Konjunktur- oder von Unternehmensseite, könnten dagegen immer weiter in den Hintergrund treten.

vwd FRANKFURT. Ein Blick zurück verdeutlicht die gespannte Lage: Am Donnerstag brachte es der zuvor arg gebeutelte Dax nach guten Zahlen von US-Technologiekonzernen sowie von Siemens und SAP bis zum Nachmittag immerhin auf ein Plus von zwei Prozent. Dazu gesellten sich Makrodaten, die auf eine leichte Erholung der Ökonomie jenseits des Atlantiks hindeuteten.

Doch dann sagte der Präsident der Dallas Federal Reserve Bank, Robert D. McTeer, dass die Folgen eines Krieges im Irak für die US-Wirtschaft nicht abschätzbar seien. Keine wirklich neue Botschaft - doch sie reichte aus, die Wall Street erneut zu verunsichern und in der Folge auch die Gewinne des Dax abschmelzen zu lassen.

Das Szenario lässt die berichtenden Unternehmen immer vorsichtiger werden. Um Abwärtsrevisionen zu vermeiden, überwiegen die konservativen Schätzungen. Das dürfte sich in der kommenden Woche fortsetzen, wenn Altana, Adidas-Salomon und Schering Zahlen präsentieren. Aus der zweiten Reihe stehen unter anderem Jenoptik, Buderus und Software AG an, bei den Stoxx-Werten sind es Ericsson, Santander, BBVA, AstraZeneca sowie Enel.

Dabei gibt es durchaus positive Aspekte: So macht sich nicht nur das rigorose Kostensparen immer mehr bezahlt; auch aus einzelnen Branchen verdichten sich die Anzeichen für eine Stabilisierung oder gar eine leichte Erholung.

Diese Signale geraten aber zunehmend aus dem Blick des Marktes. Auch die deutschen Konjunkturdaten waren zuletzt nicht ohne Hoffnungsschimmer, werden von der psychologischen Wirkung der Kriegsängste aber ebenfalls überdeckt.

Nach dem überraschend starken Anstieg des ZEW-Konjunkturbarometers erwarten die Analysten von UBS am Dienstag nun auch eine leichte Verbesserung des Ifo-Geschäftsklimaindex. Sie verweisen aber gleichzeitig auf das gestiegene Währungsrisiko. Der starke Anstieg des Euro könnte die exportabhängigen Werte wie Automobilhersteller und den Maschinenbau sowie die Chemie- und Pharmabranche belasten. Auch die Luftfahrt- und Reisebranche - und damit Tui und Lufthansa - dürften weiter unter dem Menetekel eines Krieges leiden.

Auch aus technischer Sicht deutet die fehlende Aufwärtsdynamik einem Beobachter zufolge auf weiter fallende Kurse: "Sollte der Dax die wichtige Marke von 2 836 Punkten nicht schnellstens überschreiten, so ist die weitere Erholung äußerst fraglich". Mit dem Widerstand tue sich der Index aber ausgesprochen schwer. Eher sei mit einem Sinken der Kurse bis auf 2 765 Punkte und sogar bis auf das Intraday-Tief vom Oktober bei 2 519 Punkten zu rechnen. Einziger Hoffnungsschimmer sei die stark überverkaufte Situation, heißt es. Diese wurde auch in der Herbst-Baisse oftmals beschworen, konnte die problematische technische Lage aber auch nicht auflösen.

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