Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2003

08:59 Uhr

Auch wenn die Voraussetzungen dieses Mal anders sind, hilft ein Vergleich

Bei Kriegsbeginn dürften Öl- und Goldpreise einbrechen

VonGerhard Mauerer (Handelsblatt)

Die Logik spricht für steigende Preise: Gold gilt als sicherer Hafen. Also wird der Goldpreis weiter steigen, wenn es zum Krieg im Irak kommt. Weil dem Weltmarkt dann das Öl aus dem Irak fehlt, wird auch das schwarze Gold teurer werden. Irak ist der achtgrößte Ölproduzent.

FRANKFURT/M. Nicht nur die Geschichte spricht aber gegen diese Logik und vielmehr dafür, dass genau das Gegenteil passiert. Kommt es zum Krieg, werden Öl- und Goldpreise einbrechen und in der Folgezeit weiter sinken - aber nur, wenn es ein kurzer und siegreicher Feldzug wird. Anleger, die an dieses Szenario glauben, können mit Short-Zertifikaten und Put-Warrants oder, wenn sie über ein US-Konto verfügen, Optionen und Futures auf fallende Preise setzen.

Selten gab es vor einem militärischen Konflikt eine so lange Hängepartie. Der Markt wartet geradezu darauf, dass ein Ende der Unsicherheit absehbar wird, die die Preise für Öl und Gold in den vergangenen Monaten steil ansteigen ließ. Thomas Mayer, Chefökonom der Deutschen Bank für Europa ist sich deshalb sicher: "Bei einem kurzen und erfolgreichen Krieg im Irak wird der Ölpreis auf 20 $ je Barrel (159 Liter) sinken." Aktuell kostet ein Fass des Nordseeöls Brent über 31 $. Die Ölreserven des Irak, die zweitgrößten der Welt, würden nach dem Krieg auf den Markt sprudeln. Entsprechend sinkt der Preis. "Die Sorgen, die jetzt den Markt bewegen, würden nicht mehr gelten", sagt Klaus Schrüfer, Chief Asset Strategist der SEB. "Die Risikoprämie, mit der Öl gehandelt wird, wäre nicht mehr gerechtfertigt."

Auch ein Blick auf die Preisentwicklung bei Gold und Öl während des ersten Irakkonflikts deutet auf fallende Kurse hin. Als Saddams Truppen im August 1990 in Kuwait einmarschierten, stieg der Ölpreis bis zum Beginn des Krieges im Januar 1991 um 25 %, der Goldpreis um 15 %. Am Morgen nach dem ersten nächtlichen US-Angriff fielen beide Rohstoffpreise. Gold von 403 auf 383 $, Öl von 31 $ auf 21 $. Bis zum Sommer 1991 sank der Goldpreis auf 350 $, Öl verbilligte sich schon bis März auf 17 $ je Barrel.

Seit Ende Januar 2001, als George W. Bush von der "Achse des Bösen" sprach, legte Gold um über 30 % zu, Öl sogar um fast 80 %. Beim Öl ist der deutlich höhere Anstieg allerdings auch auf den Generalstreik in Venezuela zurückzuführen, der die Produktion des Ölexporteurs lahm legt. Der Goldpreis stieg auch wegen der im Vergleich zu 1990/91 schwachen weltweiten Konjunkturlage stärker an. "Bei einer erfolgreichen Militäraktion ist es auch dieses Mal wahrscheinlich, dass die Preise für Gold und Öl dauerhaft sinken", sagt Schrüfer.

Ohne Risiko können Anleger darauf aber nicht setzen. "Die Gefahr, dass es zu einem längeren Konflikt kommt, würde ich bei 30 % sehen", warnt Schrüfer. Gelänge es dem Irak, eigene und - schlimmer noch - Ölfelder in Saudi-Arabien in Brand zu setzen, würden die Preise in die Höhe schießen. "Die Märkte sind sehr sensibel", sagt Schrüfer. "Der Ölpreis kann sogar auf 80 $ je Barrel steigen", warnt Eberhard Weinberger von der Vermögensverwaltung Dr. Jens Erhardt Kapital AG. Aber die Experten sind sich weitgehend einig: Ist der Krieg kurz, wird der Ölpreis langfristig sinken.

Schwieriger ist die Prognose beim Gold. Neben Risiken für Konjunktur und Weltfinanzsystem nennt Weinberger weitere Gründe für steigende Preise: "Die negative Korrelation zwischen Dollar- und Goldpreis spricht dafür. Zudem übersteigt die Nachfrage das Angebot, auch weil die Notenbanken ihre Reserven nicht mehr im großen Stil verkaufen."

Andere Experten, wie US-Chefstratege John Manley von Salomon Schroders Smith Barney, glauben nicht, dass die goldenen Zeiten anhalten. "Kurzfristig besteht noch ein gewisses Aufwärtspotenzial", sagt Manley. Sobald die Unsicherheit durch die Situation im Irak beseitigt sei, rechnet er mit sinkenden Preisen. Standard & Poor?s erwartet einen durchschnittlichen Jahrespreis von 310 $ pro Feinunze. Nach Ansicht von Gregor Bauer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands Technische Analyse, ist auch charttechnisch eine Korrektur fällig. Der seit Anfang 2001 ausgebildete Aufwärtstrend habe sich seit Dezember 2002 überhitzt. Mehrere Indikatoren gäben Verkaufssignale.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×