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09.02.2001

11:50 Uhr

Auf Architekten-Software spezialisiert

Graphisoft fürchtet die anhaltende Flaute am Bau nicht

VonANNA TRÖMEL

Eine unerwartete Nachfrageschwäche hat die auf Architekten-Software spezialisierte Graphisoft N.V. Anfang Januar zu einer Umsatz- und Gewinnwarnung für 2000 gezwungen. Langfristig sieht das auch an der Budapester Börse gelistete Unternehmen den zunehmenden Wettbewerb am Bau jedoch eher als Chance.

FRANKFURT/M. Obwohl er seine Produkte an Architekten und Bauingenieure verkauft, fürchtet der Softwareanbieter Graphisoft N.V. die anhaltende Flaute am Bau nicht. "Gerade der zunehmende Wettbewerb um Aufträge fördert den Bedarf nach Instrumenten, die Arbeitsabläufe effizienter und eine kundenfreundliche Präsentation ermöglichen", gibt sich Johannes Reischböck, Vorstand des ursprünglich ungarischen Unternehmens, gelassen. Wer sich einmal für das als anspruchsvoll, aber nicht gerade preisgünstig geltende Softwareprodukt "Archicad" entschieden hat, kann es mit Zusatzfunktionen ergänzen. Verschiedene Module sollen dem Kunden die dreidimensionale Planung, das Gebäudemanagement und die Anbindung an den E-Commerce ermöglichen.

Wie für die meisten Softwareanbieter ist auch für Graphisoft das 4. Quartal traditionell das bedeutendste, weil die mittelständischen Architektur- und Planungsbüros im allgemeinen im Dezember über neue Investitionen entscheiden. "In diesem Jahr war dies allerdings anders", sagte Reischböck dem Handelsblatt. Von Mitte November an seien unerwartet wenige Aufträge eingegangen: "Schuld daran war sicherlich auch, dass in der Bauindustrie Ende letzten Jahres massiv eine Krise herbeigeredet wurde." Reischböck betont jedoch, dass sich das Umsatzplus im Quartal mit rund 25 % dennoch sehen lassen kann.

Als Graphisoft im Januar wegen der von Reischböck allerdings als vorübergehend eingestuften Investitionszurückhaltung ankündigte, dass sich der Gewinn im Jahr 2000 lediglich auf dem Vorjahresniveau von 4,7 Mill. Euro bewegen werde, brach der Aktienkurs um mehr als 15 % ein. Inzwischen hat sich der Kurs allerdings wieder etwas berappelt - möglicherweise auch dank einer Neubewertung durch die österreichische Erste Bank. Die Wiener Wertpapierspezialisten sehen den auch an der Budapester Börse gelisteten Titel laut einer Studie über Osteuropäische Aktien als "Outperformer", erwarten also, dass sich der Kurs besser entwickeln wird als der Gesamtmarkt.

Impulse von der Cebit erhofft

Auch Reischböck hofft, dass der Kurs der im Juni 1998 zu 40 DM (20,45 Euro) ausgegeben Aktie dank des geplanten Auftrittes auf der Computermesse Cebit und einer Belebung des Geschäfts im neuen Jahr bald wieder auf die Beine kommt. Momentan kostet das Papier 9,50 Euro. Im Januar sei das Geschäft deutlich lebhafter ausgefallen als erwartet, was möglicherweise auch auf eine Veränderung der gesetzlich vorgeschriebenen Abschreibungsfristen für Architekten zurückzuführen sei. Mit der Veröffentlichung der endgültigen Zahlen für das Jahr 2000 ist deshalb auch ein positiver Ausblick für das 1. Quartal zu erwarten.

Insgesamt zeigen sich die Analysten derzeit allerdings noch skeptisch bis abwartend. Knut Woller von der Hypovereinsbank rät vom Engagement wegen der schlechten Aussichten für die Bauwirtschaft ab. Er stufte den Titel im Januar von "Marketperformer" auf "Underperformer" herunter, rechnet also damit, dass sich der Titel schlechter entwickeln wird als der Nemax. Hornblower Fischer hatte die Aktie zum Kauf empfohlen, als das Unternehmen nach den ersten drei Quartalen im Plan lag. Derzeit arbeitet das Researchhaus an einer Neueinschätzung, die auch die Kursentwicklung nach dem Einbruch berücksichtigt.

Konkurrenz haben die international tätigen Ungarn nicht nur in den ebenfalls am Neuen Markt notierten Firmen Nemetschek und MB Software. Deutlich gewichtiger ist der amerikanische Softwareanbieter Autodesk, der seine Produkte in Deutschland unter anderem auch über den am Wachstumssegment notierten Softwareberater Mensch und Maschine vertreibt. Der CAD-Marktführer bietet eine Plattform an, auf die verschiedene Branchenlösungen aufgesetzt werden. Aus diesem Grund ist Autodesk deutlich weniger auf die Bedürfnisse der Baubranche spezialisiert: Das Architektur-Produkt von Autodesk gilt im Vergleich zu der Spezialsoftware von Graphisoft als wenig ausgefeilt.

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