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07.06.2000

19:35 Uhr

Auf der JavaOne werden Anwendungen aus E-Business und Mobilkommunikation gezeigt

Java erobert Kreditkarten, Handys und Spiele

VonHEINZ SCHMITZ / RUDI KULZER

American Express setzt mit seiner neuen Kreditkarte "Blue" auf Java. Neben dem herkömmlichen Magnetstreifen ist in der Karte ein Chip integriert, auf dem Java-Software läuft, die den Missbrauch der Kreditkarte erschweren soll. Der Amex-Deal gilt als Zeichen dafür, dass Java nun auch die Businesswelt erobert.

SAN FRANCISCO. Die Zeiten für Microsoft werden in der Tat härter. Nicht nur das Urteil im Kartellprozess gegen den amerikanischen Software-Riesen wird mit Spannung erwartet, nun hat auch noch Konkurrent Sun Microsystems mit seiner Java-Technologie Boden gut gemacht. Eine der interessantesten Neuheiten auf der zum fünften Mal veranstalteten Entwicklerkonferenz Java One im Moscone Center von San Francisco war die neue "blaue" Kreditkarte von American Express (Amex). Ein goldplattierter Speicher auf der Smart Card arbeitet mit der Java-Architektur, die Mitte der 90er Jahre von Sun Microsystems entwickelt wurde.

Java gilt als eines der wichtigsten Softwaretechniken einer neuen Ära, in der das Internet im Mittelpunkt technischer Entwicklungen steht. Um der Ankündigung das nötige Gewicht und Aufmerksamkeit zu verleihen, hatte Amex den ehemaligen Baketballstar "Magic" Johnson von den L.A. Lakers auf die Bühne geholt.

Bis vor kurzem noch wurde Java von seinen Gegnern aus dem eingeschworenen Windows-Lager als reine Programmiersprache abgetan. Das Kreditkartenbeispiel von Amex soll nun dokumentieren, dass Java- Anwendungen auch die Finanzwelt erobert haben und in der neuen Welt des E-Commerce eine hohe Akzeptanz finden.

Java bildet heute die Basis für eine Vielzahl von E-Commerce-Lösungen. Dies belegt die noch bis zum Wochenende laufende Konferenz und Messe in San Francisco deutlich. Von den 25 000 registrierten Besuchern bezeichnen sich selbst 75 % als Entwickler. Weltweit, so verkündet Sun-Chef Scott McNealy, der die Konferenz eröffnete, arbeiten über 2,5 Millionen Software-Entwickler an Java Projekten.

Dabei liegt der Schwerpunkt nicht bei Anwendungen für den Arbeitsplatzrechner. In zunehmendem Maße sind Java-Technologien in kleinen Geräten (Embedded Devices) wie Smart Cards, Organizern, Spielekonsolen oder mobilen Telefonen unauffällig "eingebettet".

Neben diesen mobilen Geräten findet Java nun einen Einsatz- Schwerpunkt in E-Commerce-Anwendungen, die auf den Servern des Internets laufen. Gegenüber dem Handelsblatt betonte Scott McNealy, dass allein in den letzten zwölf Monaten über 1 600 sogenannter "Dot.com-Startups" (Firmengründungen, die sich mit Lösungen für die Abwicklung von Geschäften über das Internet befassen) zu den Neukunden von Sun gehören.

Auf der fünften Java One scheint McNealy auch seinem großen Ziel wieder einen Schritt näher gekommen zu sein - in Java entwickelte Anwendungen können ohne große Änderung auf den verschiedensten Rechnerplattformen laufen. Und zur Überraschung aller Konferenzteilnehmer stand plötzlich Steve Jobs, Chef von Apple Computer, auf der Bühne. Der charismatische Computerpionier will Java als festen Bestandteil in das künftige Mac- Betriebssystem Mac X OS einbauen. Dabei konnte sich Jobs einen Seitenhieb auf Scott McNealy nicht verkneifen. Er schob ihm die Schuld zu, dass eine Zusammenarbeit zwischen Apple und Sun solange nicht zustande kommen wollte.

Neben Apple interessiert sich auch die Spielewelt für Java. So hat der japanische Konsolenhersteller Sega für seinen Dreamcast Player ein "Java Maschine"-Programm und einen Java Browser entwickelt, um künftig Online-Spiele über das Internet anbieten zu können. Nach Ansicht von Marktbeobachtern sollen bereits im Jahr 2003 über die Hälfte aller Internetzugriffe nicht von Arbeitsplatzrechnern, sondern über solche Internet-Geräte erfolgen.

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