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25.06.2000

21:00 Uhr

Auf Wachstumswerte setzen

Neuer Markt - Kleine Firmen mit großen Chancen

VonKatharina Kort

Die europäische Unternehmenslandschaft besteht nicht mehr nur aus großen Namen wie Fiat oder Siemens, den Industrieriesen, die die Wirtschaft im vergangenen Jahrhundert prägten. Leichtere Finanzierung über die Börse, Fusionsfieber und auch der Euro haben kleineren Firmen lechter gemacht, zu wachsen und die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich zu ziehen ( >>Tabelle ).

Bis zum 15. Mai, dem Schlusstag unserer Rangliste, stieg der Aktienkurs von Firmen wie dem französischen Computerdienstleister Valtech S.A. und dem deutschen Biotech-Unternehmen Morphosys AG in zwölf Monaten um mehr als 1 000%. Bis auf einen stammen alle 20 führende Werte unserer Small-Cap-Liste aus dem Technologie- und Mediensektor. Und dieses Verhältnis ändert sich bis zum Ende der Liste kaum. Christopher Todd, Softwareanalyst im Londoner Büro der Commerzbank, wundert es nicht, dass vor allem Softwareunternehmen ganz oben in der Tabelle stehen. Trotz der jüngsten Rückschläge an den Aktienmärkten sieht er in diesem Bereich ein enormes Potenzial. "Der Markt steht noch völlig am Anfang. Die eigentliche Entwicklung liegt noch vor uns."



Intershop und Broadvision

Vom Internetboom werden vor allem die Unternehmen profitieren, die die Grundlagen liefern, meint Todd - also die Hard- und Softwarehersteller, die die Nutzung des Netzes überhaupt erst möglich machen. Und zu denen, welche die Infrastruktur für das Internet liefern, gehören Firmen wie Broadvision oder Intershop Communication. Auch wenn der Wert Intershop seit dem Börsengang schon um das Zwanzigfache gestiegen ist, sei das Wachstumspotenzial weiterhin groß, erläutert Todd. Intershop liefert Lösungen für den elektronischen Handel. "Egal, wer das Gold findet, Intershop verdient daran", ist Todd überzeugt. Todd spricht sich gegen den Trend aus, um jeden Preis Gewinne zu verlangen.

Das sei ein gefährliches Spiel. Es sei völlig richtig, wenn die jungen Unternehmen derzeit investierten, um ihren Kundenstamm und damit ihren Marktanteil auszuweiten. "Die Firmen wachsen dieses Jahr schon viel schneller. Und der große Boom kommt noch", ist der Commerzbank-Analyst überzeugt. Broadvision und Intershop seien heute in der gleichen Lage wie Microsoft vor 15 Jahren.

Neben den Technologietiteln finden sich auch viele Medienwerte oben auf der Liste. Die Aktie von Highlight Communication legte innerhalb eines Jahres um mehr als 600% zu. Und auch Firmen wie EM.TV sind nach Ansicht von Sarah Schmitz, Medien-Analystin bei der Commerzbank, auch weiterhin interessant.

Thema Medien ist keine Erfolgs-Garantie

Allerdings laufe nicht automatisch alles gut, was mit Medien zu tun hat. Die Firmen müssten ein überzeugendes Geschäftsmodell haben. Sie rechnet in der nächsten Zeit mit verschiedenen Übernahmen in der Branche. Viele Unternehmen müssten ihre Expansionsversprechungen nun einlösen. Kommunikations- und Technologiewerte stehen auch bei den Anlegern hoch im Kurs. Und viele von ihnen gehören zu den Small Caps mit einer geringen Marktkapitalisierung.

Doch auch unter den Werten, die zu groß für die Small Caps sind und auf der Euro500-Liste zwischen 500 und 600 rangieren, finden Analysten einige Titel, die man in der nächsten Zeit im Auge behalten sollte. Matthias Jörss, Aktienstratege der BHF-Bank, sieht vor allem bei drei Titeln gute Wachstumschancen. Anleger mit einem langfristigen Horizont sollten die Baumittelfirma Dyckerhoff und die IWKA-Gruppe in Betracht ziehen. IWKA ist ein Anbieter von Anlagen und Maschinen für die Automobil- und die Konsumgüterindustrie.



Pro Sieben interessant aber risikoreich

Ein weiteres deutsches Unternehmen, das man im Blick behalten sollte, sei Pro Sieben. "Die Medienwirtschaft ist alles andere als langweilig, aber auch sehr risikoreich", meint Jörss. Jörg Vries-Hippen, DIT-Fondsmanager für europäische Aktien, stimmt seinem Kollegen bei Pro Sieben zu. Er ist überzeugt, dass das deutsche Fernsehunternehmen in drei oder vier Jahren seinen Platz auf der "Europa 500" finden wird. "Im europäischen Fernsehgeschäft wird Pro Sieben zu den Unternehmen gehören, die andere übernehmen. Kirch wird es nicht zulassen, dass Pro Sieben übernommen wird", erklärt Vries-Hipp.

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