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06.02.2001

18:19 Uhr

Aufruhr in Italien

Mafia führt angeblich Geheimverhandlungen

Berichte über angebliche Geheimverhandlungen führender sizilianischer Mafiabosse mit der Justiz haben für Aufruhr in Italien gesorgt. Nach Informationen der römischen Zeitung "La Repubblica" vom Dienstag soll es dabei um einen "Waffenstillstand" gehen.

dpa ROM. Als Gegenleistung für ein "Stillhalten" der Cosa Nostra wollten sechs "Paten" kürzere Haftstrafen und bessere Bedingungen in den Gefängnissen aushandeln.

Der Präsident des Antimafia-Ausschusses des Parlaments, Giuseppe Lumia, wies die Darstellung zurück. "Es gibt keinerlei Raum für Verhandlungen zwischen den Bossen und dem Staat." Mitglieder des Organisierten Verbrechens müssten mit lebenslanger Haft und der Unterbringung im Hochsicherheitstrakt rechnen. Einziger Ausweg sei die Zusammenarbeit mit der Justiz. Auch der Anwalt eines Mafioso sagte, ihm sei von "Verhandlungen" nichts bekannt. Angehörige von Mafia-Opfern protestierten scharf gegen etwaige Hafterleichterungen.

"Der Staat und die Mafia sind zu "Verhandlungen" zurückgekehrt", berichtete "La Repubblica". Der oberste Mafiajäger in Italien, Piero Luigi Vigna, dementierte nicht, dass es Gespräche mit der Mafia gebe, wollte jedoch nicht von Verhandlungen sprechen: "Das Wort Verhandlungen finde ich abstoßend", sagte er im staatlichen italienischen Fernsehen.

Der Mafia geht es ums Überleben

Die Cosa Nostra ziehe damit eine späte Konsequenz aus den spektakulären Festnahmen führender Mafia-Bosse in den 90er Jahren, schreibt die Zeitung. Seitdem gilt die "Ehrenwerte Gesellschaft" als geschwächt. Es gehe der Mafia ums "Überleben", meint das Blatt.

Den Angaben zufolge traf Anfang Januar Vigna mit einem Vertrauten des inhaftierten Cosa-Nostra-Paten Toto Riina zusammen. Riina galt in Sizilien als "Boss der Bosse". Unklar sei jedoch, zu welchen Zugeständnissen die Mafia bereit sei. Es hieß lediglich, sie wolle etwa künftig auf spektakuläre Gewaltverbrechen verzichten. Die inhaftierten "Paten" wollten sich jedoch nicht als Kronzeugen zur Verfügung stellen. "Sie wollen nur aufgeben und damit basta."

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