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05.07.2000

17:30 Uhr

Aufsichtsgremien sollen von Bilanzfälschung der Credit Lyonnais gewusst haben

Ermittlungsverfahren gegen Frankreichs Ex-Zentralbank-Chef Larosiere eröffnet

dpa PARIS. Im Zusammenhang mit dem Beinahe-Konkurs der einst staatlichen französischen Großbank Credit Lyonnais ist am Mittwoch ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Zentralbankchef Jacques de Larosiere eröffnet worden. Dem 70-Jährigen war von 1987 bis 1993 Notenbankchef in Frankreich und vorher Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ihm wird die "Verbreitung falscher Angaben auf dem Finanzmarkt sowie die Präsentation falscher Abrechnungen" vorgeworfen.

Im Rahmen der richterlichen Untersuchungen des Skandals um die Bank, die nur mit einem Milliardenaufwand vor dem Ruin hatte gerettet werden können, läuft seit Ende April ein Ermittlungsverfahren gegen den derzeitigen Zentralbankchef Jean-Claude Trichet. Dessen Kandidatur als Nachfolger Wim Duisenbergs als Gouverneur der Europäischen Zentralbank war damit fraglich geworden.

De Larosieres Anwalt, Benoit Chabert, sagte, sein Mandant habe sich nichts vorzuwerfen. Wie Trichet war de Larosiere in seiner Funktion als Leiter des dem Finanzministerium unterstehenden Schatzamtes sowie als Zentralbankchef für die Aufsicht über die Credit Lyonnais SA verantwortlich.

Anfang der 90er Jahre wurde der Bankkonzern "gerettet" und später privatisiert. Das kostete den französischen Steuerzahler nach vorsichtigen Schätzungen rund 100 Mrd. Franc (30 Mrd. DM). Dokumente, die unter anderem bei einer Durchsuchung der Banque de France gefunden wurden, lassen die seit 1996 mit dem Bankenskandal befassten Untersuchungsrichter vermuten, dass die staatlichen Aufsichtsgremien von falschen Bilanzausweisen bei der Credit Lyonnais SA gewusst haben.

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