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24.01.2001

19:14 Uhr

Aufsichtsrat der angeschlagenen Filmrechtefirma trifft offenbar keine Entscheidung

Einstieg der Kirch-Gruppe bei EM.TV bleibt weiter unklar

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Nervenkrieg um einen Einstieg der Kirch-Gruppe bei EM.TV geht weiter. Offenbar hat der Aufsichtsrat der EM.TV & Merchandising AG, Unterföhrung, auf seiner Sitzung am Mittwoch Abend noch keine Entscheidung getroffen, ob es zu dem Deal mit Leo Kirch kommen wird. Dem Aufsichtsrat gehören neben dem 51-jährigen Rechtsanwalt Nickolaus Becker der Ex-Leiter der Rechtsabteilung der Kirch-Gruppe, Mathias Schwarz, sowie der ehemalige West LB-Vorstand Axel Kollar an. Becker, der früher bei Bertelsmann und Kirch angestellt war, gilt in Branchenkreisen als strikter Gegner einer Lösung mit Kirch.

HB MÜNCHEN. Ursprünglich sollte der Kirchs Einstieg bis Ende Januar unter Dach und Fach sein. Branchenkenner gehen nun davon aus, dass die Verhandlungsfrist verlängert wird. Bereits Anfang Dezember hatten Vorstandsvorsitzender Thomas Haffa und Dieter Hahn, Vizechef der Kirch-Gruppe, einen Vorvertrag ausgehandelt. Dieses Memorandum of Understanding sieht vor, dass Kirch 16,74 % an der Filmrechtefirma übernehmen und für 550 Mill. $ außerdem 49 % der EM.TV-Anteile an der Formel Eins erwerben wird.

Der Münchner Medienunternehmer Herbert Kloiber, in Branchenkreisen als "kleiner Kirch" bekannt, engagiert sich zusammen mit Becker für Alternativen zu Kirch. Die beiden Manager verhandelten über ein Angebot der US-Beteiligungsgesellschaft Hellman & Friedman LLC, San Francisco, für den Formel-Eins-Anteil von EM.TV verhandelt. Kloiber, der sich für mehr als eine Woche bei der Filmmesse NATPE in Las Vegas aufhält, will den Einstieg von Kirch auf alle Fälle verhindern. Laut einem Zeitungsbericht soll der US-Großinvestor demnächst ein Angebot vorlegen, in dem er 650 Mill. $ für 40 % an der Formel Eins-Holding Slec bietet. Die kalifornische Fondgesellschaft investiert seit rund 15 Jahren vor allem in lukrative Firmen aus der Medien-, Telekommunikations-, Technologie- und Finanzbranche. Haffa hatte im März 2000 für 1,7 Mrd. $ die Hälfte der Slec gekauft. Damals hatte sich Ecclestone vorbehalten, für 1 Mrd. $ weitere 25 Prozent an EM.TV zu verkaufen. Auf diese Verkaufsoption will der Chef des Formel-Eins-Zirkus jetzt offenbar verzichten.

Die leitende Oberstaatsanwalt Manfred Wick erklärte dem Handelsblatt, dass die Staatsanwaltschaft München I bestrebt sei, die Ermittlungen in Sachen EM.TV möglichst bald abzuschließen. Derzeit würden rund zehn Anzeigen gegen Haffa vorliegen. Die Zeugenvernehmungen in München, darunter auch Mitglieder der Finanzbranche, laufen auf Hochtouren. Mittlerweile hat auch die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) in Esslingen Anzeige wegen Insiderhandels, Kursbetrugs und Kapitalanlagebetrugs gegen Thomas Haffa und dessen Bruder bzw. Ex-Finanzvorstand Florian Haffa gestellt. EM.TV-Sprecher Michael Birnbaum erklärte gegenüber dem Handelsblatt, dass man mit der Staatsanwaltschaft München I eng zusammenarbeite. Es gebe jedoch "keine Notwendigkeit zu außergerichtlichen Gesprächen."

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