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12.07.2000

13:07 Uhr

Aufsichtsrat der Energie Baden-Württemberg AG billigt Atomkonsens

EnBW-Konzern-Halbjahresumsatz stieg dank Salamander um 1,263 Mrd. DM

Die Energie Baden-Württemberg AG hat durch die Einbeziehung der Salamander AG ihren Umsatz deutlich steigern können.

vwd KARLSRUHE. Der Konzernumsatz der ENBW Energie Baden-Württemberg AG, Karlsruhe, ist in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2000 um 1,263 Mrd. auf 5,275 Mrd. DM gestiegen. Dieser starke Anstieg sei auf die erstmalige Einbeziehung der neuen Tochtergesellschaft Salamander AG, Kornwestheim, zurückzuführen, sagte EnBW-Vorstandsvorsitzender Gerhard Goll am Mittwoch vor der Hauptversammlung in Karlsruhe. Ohne die Einbeziehung von Salamander wäre der EnBW-Halbjahresumsatz nur um 155 Mill. DM auf 4,225 Mrd. DM gewachsen. Der Energieumsatz nahm auf 3,945 (3,814) Mrd. DM zu. Darin ist die ab 1. April 1999 zu zahlenden Stromsteuer enthalten. Ohne Stromsteuer wäre der Energieumsatz etwa gleich hoch.

Das Konzern-Ergebnis für das erste Halbjahr 2000 liegt nach den Worten Golls noch nicht vor. Bei der AG stieg das Halbjahres-Ergebnis nach Steuern leicht auf 213 (211) Mill. DM. Im zweiten Halbjahr 2000 wird die Liberalisierung des Strommarktes das Ergebnis noch einmal mit einer halben Mrd. DM belassten. Der Jahresabschluss 2000 werde das gewohnte Dividendenniveau (1999: 0,90 DM je Aktie) gewährleisten. Die Dividende werde aber nicht nur aus dem ordentlichen Ergebnis kommen. Im ersten Halbjahr 2000 nahmen die Stromlieferungen an Kunden um 8 Mrd. auf 34,8 Mrd. kWh zu. Davon entfielen 8,6 (4,8) Mrd. kWh auf das Stromhandelsgeschäft. Für das Gesamtjahr 2000 peilt das Unternehmen eine Stromabgabe von 65 (54,7) Mrd. kWh an. Einschließlich der künftigen Tochter Neckarwerke Stuttgart AG (NWS), Stuttgart, wird sich der Stromabsatz in wenigen Jahren verdoppelt haben.

EnBW-Aufsichtsrat signalisiert Zustimmung zum Atomkonsens

Den Atomkonsens wird das Unternehmen nach Golls Worten mit tragen. Die Vereinbarung schaffe eine Chance, emotionslos und sachlich über eine umweltfreundliche und realistische Zukunft der Energieproduktion in Europa zu reden, sagte Goll auf der Hauptversammlung. Im Vorfeld der bevorstehenden Gesetzesnovelle zur Atomenergie werde sich die Arbeitsgruppe der vier an den Konsensgesprächen beteiligten Stromkonzerne und der Bundesregierung erneut treffen. Dabei solle sicher gestellt werden, dass "Sinn und Geist" des Mitte Juni erzielten Energiekonsenses in der Novelle enthalten sein, sagte Goll.

Die großen deutschen Stromkonzerne und die Bundesregierung hatten Mitte Juni nach langwierigen Verhandlungen einen Kompromiss über den Ausstieg aus der Atomenergie erzielt, der für die 19 noch laufenden Atomkraftwerke in Deutschland eine bestimmte Restrommenge vorsieht. Diese Menge ergibt sich aus einer Laufzeit von 32 Jahren je Atommeiler. Zudem wurde mit der Einigung der Weg für einen Ausstieg aus der Wiederaufarbeitung von Atommüll geebnet.

Hintertür zum Neu-Einstieg soll offen bleiben

Auch der Aufsichtsrat der EnBW habe mittlerweile den Atomkompromiss mit großer Mehrheit gebilligt, sagte Goll. Er habe den Aufsichtsratsmitgliedern ein entsprechendes Papier zur Abstimmung vorgelegt. Darin heißt es, die Kernenergie-Betreibenden Unternehmen hätten mit der Vereinbarung einen Weg gesucht, den ungestörten Betrieb ihrer Anlagen und Planungssicherheit zu erreichen. Zudem wird in dem Papier aber darauf hingewiesen, dass eine umweltfreundliche und wirtschaftliche Alternative zur Atomenergie bis heute nicht gefunden worden sei. "Sollte dieser Weg nicht gefunden werden oder sollten Engpässe in der Versorgung mit anderen heute verfügbaren Energien enstehen, müssen künftige Bundesregierungen und Gesetzgebungsorgane den Weg einer Begrenzung der Nutzung der Anlagen wieder verlassen." Die Unionsparteien haben schon angekündigt, das neue Gesetz zurückzunehmen, wenn sie 2002 wieder an die Macht kommen sollten.

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