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20.01.2002

19:00 Uhr

Aufsichtsrat hält neue Verluste für möglich

Bankgesellschaft Berlin vor weiteren Risiken

Mögliche operative Verluste haben die privaten Interessenten Christopher Flowers und die US-Gesellschaft Texas Pacific Group in ihren Kaufgeboten offensichtlich bereits eingepreist.

fmd BERLIN. "Beide Interessenten hatten Zugang zu den sensiblen Daten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein weiterer Fehlbetrag eine Überraschung für beide darstellt", so ein Aufsichtsrats-Mitglied gegenüber dem Handelsblatt. Beide hätten zudem signalisiert, dass sie nicht damit rechnen, einen "besenreinen Laden" zu bekommen. Es werde noch "einen Poker" zwischen Senat und den Investoren darüber geben, wie weitere Risiken geschultert werden, falls es zu einer Privatisierung käme, so die Einschätzung im AR.

Mit Berufung auf Bankenkreise berichtete die FAZ, dass die krisengeschüttelte Bankgesellschaft in diesem Jahr voraussichtlich einen Verlust von 200 Mill. bis 250 Mill Euro im operativen Geschäft verbuchen werde. Maßgeblich wird dieser auf eine 400 Mill. Euro schwere Risikovorsorge zurückgeführt.

Aufsichtsratskreise wollten diese Zahlen nicht bestätigen, hielten sie aber auch für "nicht unwahrscheinlich". Die Tendenz stimme auf jeden Fall, hieß es. Am kommenden Dienstag wird der Aufsichtsrat mündlich über die Geschäftslage des Unternehmens informiert.

Nie vor Überraschungen sicher

"In der Bankgesellschaft ist man nie vor Überraschungen sicher. Ich bin auf alles gefasst", sagte ein Aufsichtsrats-Mitglied weiter auf Anfrage. Klar sei, dass im vergangenen Jahr "herbe Verluste eingefahren" wurden, obwohl das Land die Gesellschaft von den Immobilienrisiken abgeschirmt habe.

Neben den beiden Privatinvestoren gehört nach wie vor der öffentlich-rechtliche Sektor unter der Führung der Nord-LB zu den Bewerbern um die Bankgesellschaft. Nord-LB und Sparkassen haben allerdings immer noch kein konkretes Übernahmeangebot vorgelegt.

Doch ob es überhaupt zu einer Privatisierung der Bankgesellschaft kommt, steht noch nicht fest. Der neu gewählte Berliner Senat hat sich mit Finanzsenator Thilo Sarrazin dazu noch kein endgültiges Urteil gebildet. "Alle Optionen sind offen. Von einer schnellen Privatisierung bis hin zu einer Stand-alone-Lösung", so hieß es.

Brüssel muss grünes Licht geben

Zuversichtlich ist die Bankgesellschaft, dass das Sanierungskonzept grünes Licht aus Brüssel erhalten wird. Bis zum 28. Januar muss das Konzept bei der EU vorliegen. "Zu 80 % sind wir sicher, dass uns keine Steine in den Weg gelegt werden", heisst es im AR.

Kern des Sanierungskonzepts ist die 3,7 Mrd. DM schwere Unterstützung, die das Land Berlin der Bank mittels einer Kapitalerhöhung zukommen ließ. Auch das vom Land übernommene Risiko für das Immobiliengeschäft wird von der EU-Kommision unter die Lupe genommen werden. Bis zum Jahr 2005 will das Kreditinstitut 450 Mill. Euro einsparen, wobei die Hälfte dieser Einsparungen bereits in diesem Jahr erfolgen soll. Von den derzeit gut 15 000 Arbeitsplätzen sollen 4 000 abgebaut werden. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll dabei möglichst verzichtet werden.

Durch die Kapitalerhöhung 2001 ist das Land heute mit 81 % an der Bankgesellschaft beteiligt. Seit Monaten befindet sich der Aktienkurs auf Talfahrt. In den vergangenen zwölf Monaten schwankte die Notierung zwischen 2 und 12 Euro und notierte zuletzt bei 2,40 Euro.

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