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08.01.2001

07:51 Uhr

Aufständische bringen Rundfunk unter ihre Kontrolle

Putschversuch in der Elfenbeinküste

Aufständische Soldaten in der Elfenbeinküste haben in einem Putschversuch den staatlichen Rundfunk unter ihrer Kontrolle gebracht.

ap ABIDJAN. Im Radio erklärte am Montagmorgen ein Mann, bei dem es sich offenbar um einen Vertreter der Aufständischen handelte, Radio und Fernsehen seien nun in der Hand des Militärs. Der Rundfunk in der Hauptstadt Abidjan hatte am Sonntagabend seinen Sendebetrieb eingestellt. Ministerpräsident Affi N'Guessan erklärt, die Lage sei nach dem Putschversuch am weitgehend unter Kontrolle. In der Elfenbeinküste kommt es bereits seit mehr als einem Jahr immer wieder zu blutigen Unruhen.

In einer kurzen im Rundfunk verlesenen Erklärung hieß es: "In der Geschichte unseres Landes hat ein neues Kapitel angefangen." Der Sprecher versicherte, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe. Über die Motive für den versuchten Staatsstreich und über die Zahl der beteiligten Soldaten lagen zunächst keine Angaben vor. An den Gebäuden des Rundfunks entstand offenbar kein größerer Sachschaden.

Zuvor hatte N'Guessan mitgeteilt, eine kleine Gruppe von Soldaten in Zivilkleidung habe mehrere Einrichtungen des Rundfunks in Abidjan überfallen. Regierungstreue Soldaten hätten den Angriff abgewehrt. Augenzeugen berichteten auch von Schüssen in der Nähe des Wohnsitzes von Präsident Laurent Gbagbo. N'Guessan erklärte der Nachrichtenagentur AP, Gbagbo sei in Sicherheit. Am Montag waren in der Stadt noch nahezu ununterbrochen Schusswechsel zu hören.

Die Krise in der westafrikanischen Republik begann im Dezember 1999 mit einem von Militärmachthaber Robert Guei angeführten Putsch. Nach der Präsidentenwahl im Oktober vergangenen Jahres wurde das Land von einer mehrtägigen Welle der Gewalt heimgesucht. Unter dem Druck von Demonstrationen wurde Guei gestürzt und vom mutmaßlichen Wahlsieger Gbagbo von der Ivorischen Volksfront abgelöst. Neue Unruhen wurden im Dezember durch eine Entscheidung des Obersten Gerichts ausgelöst, das den Oppositionsführer Alassane Dramane Ouattara von der Parlamentswahl ausschloss.



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