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13.02.2001

08:37 Uhr

Aufstockung der Beteiligung auf 44 % erwogen

Renault verstärkt Bande mit Nissan

Der französische Autohersteller Renault will nach Sanierungserfolgen bei Nissan seinen Anteil an dem japanischen Partner offenbar ausbauen und die Kooperation vertiefen. Erwogen wird eine Aufstockung der Beteiligung von 36,8 auf 44 %, wie Renault-Verwaltungsratschef Louis Schweitzer bekanntgab.

adx BERLIN. Da die Nissan-Papiere Ende voriger Woche an der Tokioter Börse bei 689 Yen (rund 12,70 Mark) pro Aktie notierten, wäre ein solcher Schritt "logisch", sagte Schweitzer einem französischen Magazin. Der Partnerschaftsvertrag der Renault SA, Boulogne Billancourt, und der Nissan Motor Co Ltd, Yokohama, von 1999 enthält eine Option zur stufenweise Übernahme weiterer Nissan-Anteile.

Nach dieser Option kann Renault seine Anteile bis März 2003 auf 39,9 % und 2004 auf maximal 44,4 % ausbauen, wie ein Konzernsprecher ergänzte. Bei einer Nissan-Kapitalerhöhung wäre eine Anteilsaufstockung bis 44,4 % sogar sofort möglich. Allerdings sei noch keine definitive Entscheidung zum Kauf zusätzlicher Nissan-Anteile gefallen, sagte der Sprecher. Andererseits stehe für den japanischen Konzern eine Beteiligung an Renault, das noch zu 44,2 % in französischem Staatsbesitz ist, nicht auf der Tagesordnung. Nissan konzentriere sich derzeit auf seinen dreijährigen Revival-Plan.

Renault war am 27. März 1999 bei dem hochverschuldeten japanischen Autobauer eingestiegen. Offiziell betrugen dessen Verbindlichkeiten damals 15 Mrd. Euro, anderen Quellen zufolge sogar das Doppelte. Für rund fünf Mrd. Euro übernahm der französische Konzern 36,8 % des Kapitals von Nissan Motors sowie 22,45 % an Nissan Diesel. Ein Partnerschaftsabkommen steckte die Entwicklung zum weltweit viertgrößten Autohersteller als Ziel.

Hauptaktionär Renault setzte seinen Vizevorstandsvorsitzenden Carlos Ghosn als Chef-Sanierer bei Nissan ein. Mit dessen energischem Durchgreifen und dem Ende 1999 gestarteten Revival-Plan fährt Nissan offenbar wieder in schwarze Zahlen. Der drittgrößte japanische Autobauer erzielte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2000/2001 mit einem Nettogewinn von umgerechnet 1,78 Mrd. Euro das beste Sechs-Monats-Ergebnis seit zehn Jahren. Nissan verdoppelte danach die Prognose für das Betriebsergebnis im Gesamtjahr (bis 31. März) von zuvor 110 Mrd. Yen (2,0 Mrd. Mark) auf mindestens 220 Mrd. (Geschäftsjahr 1999/2000: 83 Mrd. Yen).

Zu den Ende 1999 angekündigten Bemühungen um die Zusammenlegung der Verkaufsaktivitäten in Europa kommt nun die Erweiterung der gemeinsamen Pkw-Plattformen um eine zweite Bodengruppe. Wie Renault mitteilte, wird bis 2002 mit dem japanischen Partner eine gemeinsame Basis für die kompakte Mittelklasse geschaffen. Die so genannte C-Plattform soll Ende 2002 zuerst bei der neuen Generation des Megane zum Einsatz kommen, zwei Jahre später beim ersten neuen Nissan-Modell. Künftig sollen jährlich zwei Mill. Wagen der Mittelklasse auf dieser gemeinsamen Basis gefertigt werden.

Beide Unternehmen kooperieren seit Juli 1999 schon bei einer Bodengruppe für das Kleinwagensegment. Auf dieser B-Plattform sollen mehr als 1,7 Mill. Renault "Clio" und Nissan "Micra" pro Jahr gebaut werden. Damit basieren nach Renault-Angaben mehr als die Hälfte des künftigen Produktionsvolumens von Renault und Nissan auf diesen beiden Plattformen. Die Investitionen in beide Bodengruppen belaufen sich danach auf 300 Mill. $.

Von dieser Plattformstrategie versprechen sich die Allianzpartner erhebliche Kostenvorteile. Ein ausgeklügeltes Baukastenprinzip lasse vielfältige Modellvarianten und unterschiedliche Karosserieversionen bis hin zur Produktion eines Sport Utility Vehicles (SUV) zu.

Ergänzt wird diese Strategie durch die Entwicklung gemeinsamer Motorenfamilien. Kostensparend soll die Zahl der Basis-Antriebe verringert werden, ohne die Vielfalt der Motorenplatte einzuschränken. Ab 2010 wollen Renault und Nissan nach eigenen Angaben ihre Autos auf zehn gemeinsamen Plattformen bauen und acht Motorenfamilien einsetzen.

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