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11.07.2000

14:23 Uhr

Aufstockung der Hermes-Bürgschaften gefordert

Linde baut neue Petrochemie-Anlage am Persischen Golf

Das deutsche Unternehmen Linde AG wird in Iran die weltgrößte Olefinanlage bauen. Das gab die Firma am Dienstag in Wiesbaden anlässlich des Deutschland-Besuchs des iranischen Präsidenten Mohammed Chatami bekannt.

afp BERLIN. Auftraggeber sei die iranische National Petrochemical Company. Die Anlage solle in der iranischen Freihandelszone Bandar Imam am Persischen Golf für rund 700 Millionen Mark (350 Millionen Euro) gebaut werden. Olefine sind Kohlenwasserstoffverbindungen und bilden die Basis für die Herstellung von Kunststoffen wie Polyethylen oder Polyester. Die Wirtschaftskooperation zwischen Deutschland und Iran stand am Dienstag im Mittelpunkt des Chatami-Besuchs. Der Präsident wollte am Nachmittag im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin eine Rede halten und mit hochrangigen deutschen Wirtschaftsvertretern zusammentreffen.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) nannte Chatamis Besuch "das sichtbare Zeichen eines Neuanfangs in den iranisch-deutschen Beziehungen". Die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft seien an einer weiteren Vertiefung interessiert, versicherte er laut Redetext in einem Grußwort an Chatami im Haus der Deutschen Wirtschaft. Als "hoffnungsvolles Zeichen" wertete er die Öffnung der iranischen Wirtschaft. Trotz aller Schwierigkeiten wolle Deutschland dazu ermuntern, den Reformkurs fortzusetzen. Der bilaterale Handel sei zwar rückläufig gewesen. Die Entwicklung in diesem Jahr lasse aber hoffen. Interesse bestehe auch an einer Verstärkung der Investitionen.

Auch der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) begrüßte eine Verstärkung der Wirtschaftsbeziehungen zu Iran. Der DIHT-Außenhandelsexperte Michael Pfeiffer sagte im Saarländischen Rundfunk, durch den derzeit hohen Ölpreis sei der Iran "zahlungsfähiger geworden und damit auch für die deutsche Wirtschaft wieder interessanter". Der Export sei "stark ausbaufähig". Pfeiffer lobte auch die am Vortag von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angekündigte Erhöhung der Hermes-Bürgschaften von 200 Millionen auf eine Milliarde Mark. Dies sei ein "klassisches Instrument" für den Mittelstand, um Exporte abzusichern und schaffe auch in Deutschland Arbeitsplätze.

Der Vorstandsvorsitzende des Anlagenbauers Babcock-Borsig-AG, Klaus Lederer, forderte indes eine weitere Aufstockung der Hermes-Bürgschaften. Auf Dauer werde eine Milliarde Mark nicht reichen, sagte er im WDR. Iran sei für die deutsche Wirtschaft wichtig, weil dort Infrastrukturmaßnahmen nötig seien. "Es freut uns weniger, wenn andere europäische Länder das liefern."

Nach Angaben des Unternehmens Linde soll die neue Olefinanlage über eine Jahreskapazität von 1,1 Millionen Tonnen Ethylen und 200.000 Tonnen Propylen verfügen. Zum Auftrag gehöre auch eine Erdgas-Zerlegungsanlage, die über eine 100 Kilometer lange Pipeline die neue Olefinanlage mit Ethan, Propan und Butan versorgen werde. Die Anlage soll 2003 fertiggestellt werden. Das Magazin "Focus" hatte gemeldet, im Haus der Wirtschaft würden mehrere Vorverträge zur endgültigen Unterzeichnung bereitliegen. Kernstück sei aber der Bau der Petrochemie-Anlage.

Deutschland: Handelspartner des Iran

adx BERLIN. Zwölf Prozent der iranischen Einfuhren kommen aus der Bundesrepublik, die damit vor Italien (acht Prozent) und Japan (sieben Prozent) liegt. Deutschland liefert in den Iran in erster Linie Maschinen sowie elektrotechnische und chemische Erzeugnisse und bekommt von dort vor allem Teppiche. Weitere wichtige Importprodukte sind Nahrungsmittel, insbesondere Pistazien.

Seit Beginn der 90er Jahre hat sich das Handelsvolumen zwischen der Islamischen Republik und Deutschland nahezu halbiert. Die Ausfuhren in den Iran gingen von 1993 bis 1999 von 4,1 auf 2,2 Milliarden Mark zurück. Im gleichen Zeitraum sanken die Importe nach Deutschland von 1,3 auf 0,9 Milliarden Mark.

Bezüglich der Investitionen ist der Iran in der Bundesrepublik weitaus stärker engagiert als umgekehrt. So investierte Deutschland im Iran 1997 lediglich 90 Millionen Mark. Hingegen lag das iranische Volumen bei 2,3 Milliarden Mark.

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