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05.01.2001

13:41 Uhr

Auftragsdelle im Inland

Maschinenbau weiter auf Hochtouren

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht weiter unter Volldampf. Die anhaltend starke Nachfrage aus dem Ausland lässt die Branche auch 2001 auf prall gefüllte Auftragsbücher und kräftige Steigerungen bei Produktion sowie Umsatz hoffen. Im Inland könnten die Ergebnisse der Branche allerdings hinter den Erwartungen zurückbleiben.

dpa FRANKFURT. Einen ersten Warnschuss gab es schon im November 2000: Der Auftragseingang war zur Überraschung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) um drei Prozent niedriger als vor Jahresfrist. "Das ist nicht gerade berauschend. Wir haben mehr erwartet. Hoffentlich bleibt dies eine Momentaufnahme", sagte VDMA - Chefvolkswirt Ralph Wiechers am Freitag der dpa in Frankfurt.

Unter dem Strich können sich die neuesten Konjunkturzahlen der Schlüsselindustrie jedoch weiterhin sehen lassen. So legten die Bestellungen im November insgesamt um 19 % zu. Entscheidend war die kräftige Nachfrage der Kundschaft jenseits der Landesgrenzen, die 36 % mehr orderte. Im von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Zeitraum September bis November ergab sich insgesamt ein Auftragszuwachs von 13 %.

Weder die kleine "Wachstumsdelle" im inländischen Geschäft, noch die dunklen Wolken am US-Konjunkturhimmel lassen den Branchenverband an seinen günstigen Vorhersagen für 2001 zweifeln. "Wir haben überhaupt keinen Grund, unsere Erwartungen zurückzuschrauben", bekräftigte Wiechers. Die Maschinen- und Anlagenbauer dürften mit einem Produktionsplus von fünf Prozent rechnen. Der Umsatz soll gar um rund sechs Prozent zulegen.

US-Konjunktur wird Europa nicht ausbremsen

Chefvolkswirt Wiechers teilt nicht den "Konjunkturpessimismus" mancher Forschungsinstitute, die auch für Deutschland und Europa schon deutlichere Wachstumsrückgänge prophezeien. "Das sind alles Schnappschüsse. Ich sehe die Lage nicht so negativ. Die Konjunktur läuft weltweit gut", urteilte der VDMA-Ökonom.

Nach seiner Einschätzung ist Europa ohnehin stabil genug, um sich durch die ersten Bremsspuren in der US-Konjunktur nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Schließlich gehen rund 45 % der deutschen Maschinenbau-Exporte in Länder der Europäischen Union. Weitere zehn Prozent der Kundschaft sitzt in Osteuropa. "Das ist ein ausgesprochen rasant wachsender Markt und damit sehr interessant", so Wiechers. Dagegen gehen nur zwölf Prozent der Branchenausfuhren in die USA.

Allerdings dürfte das Abdriften der US-Wirtschaft in eine ernste Schieflage die Märkte in Südamerika und Asien schwer schädigen. Das würde zwangsläufig die Geschäfte der hiesigen Maschinen- und Anlagenbauern arg torpedieren. "Daran glaube ich aber nicht", sagte Wiechers. Die US-Notenbank habe mit ihrer überraschend deutlichen Zinssenkung gezeigt, dass sie der amerikanischen Wirtschaft unter allen Umständen unter die Arme greift. "Zudem wird sich auch der neue US-Präsident nicht gleich nach Amtsantritt eine Rezession ans Revers heften."

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