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09.01.2001

00:00 Uhr

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Aus der Traum

VonSigrun Schubert

Pleitejahr 2000: Mehr als 210 Internet-Unternehmen haben dicht gemacht, rund 15000 Leute ihren Job verloren. Es soll noch schlimmer kommen ...

Bis Ende des Monats erwarten Marktanalysten weitere Geschäftsaufgaben, vor allem im Internet-Einzelhandel. Das ist unfair - möchte man rufen. Denn es hatten doch alle reich werden wollen im 21. Jahrhundert - die Dot-Coms und die Firmen, die als Wagnis-Kapitalgeber in Dot-Coms investierten.

Aus der Traum, heisst es jetzt - zumindest auf kurze Sicht. Und es sind nicht nur die Internet-Unternehmen, die eine teure Lektion gelernt haben. Auch Unternehmen, die mit ihren Wagniskapital-Fonds ordentlich Geld verbrannt haben, überdenken ihr Engagement in der New Economy. Beispiel Starbucks: Die amerikanische Cafe-Kette wollte am Internet-Boom kräftig mitverdienen und beteiligte sich unter anderem am Online-Lebensmittellieferdienst Kozmo.com und am Internet-Küchenspezialisten Cooking.com. Die Rechnung ging nicht auf: Im vierten Quartal 2000 drückten die Verluste aus diesen In-vestitionen in Höhe von knapp 59 Millionen Dollar den Unternehmensgewinn von Starbucks um 21 Cents pro Aktie auf gerade noch einen mageren Cent. Das soll nicht wieder geschehen: Ein Starbucks-Sprecher gab bekannt, dass es künftig keine Investitionen von Internet-Start-Ups mehr geben werde. Kaffee statt Java heisst die neue Devise.

Auch der Computerhersteller Compaq hat sich bei seinen Internet-Investitionen gründlich verrechnet. Compaq schrieb nach dem dramatischen Kurssturz des Internet- Inkubators CMGI, an dem sich Compaq zu 14% beteiligt hatte, Fehlinvestitionen in Höhe von rund einer Milliarde ab - ironischerweise investierte der Computerhersteller kurz darauf wieder in den kanadischen Inkubator Itemus, um den es ebenfalls nicht zum Besten steht.

Da lohnt es sich doch, als Wagnis-Kapitalgeber gar nicht erst richtig zum Zuge zu kommen. Das sagt sich jetzt möglicherweise der Computer-hersteller Gateway, der 1999 die 200 Millionen Dollar, die er in CMGI investiert hatte, wieder zurückzog, nachdem Rivale Compaq sich durch eine strategische Kooperation ein großes CMGI-Aktienpaket gesichert hatte. Damals stand Gateway als Verlierer da - doch jetzt muss sich das Unternehmen zumindest wegen der Verluste aus den Dot-Com-Investitionen keine Sorgen machen.

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