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13.01.2003

07:46 Uhr

Aus Halbierung des Verlusts ist nichts geworden

Analyse: GM ohne Fortüne

VonStefan Menzel

General Motors (GM) tut sich schwer in Europa. Die deutsche Tochter Opel hat zwar im vergangenen Jahr ihren Verlust etwas reduzieren können. Doch das reicht nicht, um GM in der Alten Welt endlich wieder nach vorne zu bringen.

Stefan Menzel

Stefan Menzel

In den Büchern für 2002 steht voraussichtlich ein Minus von 500 Millionen Euro - zum Ärger von Europa-Chef Michael Burns ist aus der angekündigten Halbierung der Verluste nichts geworden. Wieder werden die Aktionäre auf das nächste Jahr vertröstet - 2003 soll das Europa-Geschäft des weltgrößten Automobilherstellers deutlich besser werden. Sogar ein ausgeglichenes Ergebnis sei möglich, lautet das neue Versprechen der europäischen GM-Führung. Allerdings könne es auch neue Rückschläge geben, deshalb sei ein Verlust von 200 Millionen Euro ebenso denkbar.

Wohl gemeinte Ankündigungen sind seit Jahren üblich bei europäischen GM-Managern, doch die Umsetzung gelingt selten. Besonders schmerzlich ist die Entwicklung bei der schwedischen Tochter Saab, für die General Motors schon mehrfach die Gesundung versprochen hatte. Aber die Schweden kommen nicht vom Fleck, mit ihrem Produktionsvolumen von gut 100 000 Autos im Jahr sind sie weit entfernt von jeder Wirtschaftlichkeit. Auch 2002 wird Saab rote Zahlen ausweisen.

Jetzt scheint in der GM-Zentrale der Geduldsfaden gerissen zu sein: Auf breiter Front werden Amerikaner nach Schweden geschickt. Sie sollen bei Saab für Ordnung sorgen und die kleine Tochter endlich in die Profitabilität zurückbringen. Aber das kann dauern, GM schreckte bei Saab einfach zu lange vor einschneidenden Maßnahmen zurück.

Typisch GM, möchte man sagen. Auch bei Opel in Deutschland hat der US-Konzern viel zu lange auf die falschen Pferde gesetzt. Eine fehlgeleitete Modellpolitik, gewaltige Mängel in der Qualität, langweiliges Design - all das hat Kunden in die Hände der Konkurrenten getrieben. In Deutschland hat Opel ein gutes Drittel seines Marktanteils verloren, in Westeuropa ist es mehr als ein Viertel.

Seit fast zwei Jahren setzt man nun auf Carl-Peter Forster. Der frühere BMW-Manager soll als erster Mann der deutschen GM-Tochter die Fehler seiner Vorgänger ausmerzen. Die Ansätze sind nicht schlecht: Forster hat die Kosten heruntergebracht, die neuen Opel-Modelle können sich sehen lassen.

Doch das ist kein Beweis dafür, dass Opel die Trendwende wirklich geschafft hat. Noch schreiben die Rüsselsheimer massive Verluste, noch sind sie nicht aus dem Gröbsten heraus. Und da General Motors in den vergangenen Jahren in Europa alles andere als eine glückliche Hand bewiesen hat, sind die Zweifel in der Tat berechtigt, ob die Sanierung bei Opel auf Dauer gelingen wird.

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