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12.01.2002

08:37 Uhr

KÖLN. Für Jochen Specht bedeutet sein Job kein langweiliges Klinkenputzen wie bei Herrn Kaiser. Die Versicherungsbranche bietet in seinen Augen viel Abwechslung und Spaß. Specht prüft Lebensversicherungen aus Verbrauchersicht für die Assekuranz Rating Agentur in Köln. Sein Ticket für den Erfolg - ein Studium des Versicherungswesens an der Fachhochschule Köln. Die siebensemestrige Ausbildung ist ganz auf das Versicherungswesen spezialisiert und in Deutschland der einzige selbstständige Studiengang in diesem Bereich. Die Absolventen werden nicht nur in der Versicherungswirtschaft mit Kusshand genommen. Sie können zum Beispiel auch bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bis ins mittlere Management aufsteigen. "Ich konnte mir nach dem Examen den Job aussuchen", erinnert sich Specht. "Ich bin bei jeder Bewerbung zum Gespräch eingeladen worden." Kein Einzelfall. Auch seine Kommilitonen hätten es bei der Stellensuche leicht gehabt. Das hat sich herumgesprochen. Die Studenten kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, und längst nicht alle Interessenten bekommen einen Platz.

Doch der kleine, traditionsreiche Studiengang, vor fünfzig Jahren von der Versicherungswirtschaft gegründet, steht nun vor dem Aus. Aus Kostengründen soll nach Ansicht des Expertenrates der Fachhochschule Köln die Zahl der Fachbereiche von 22 auf zehn reduziert werden. Rektor Joachim Metzner plant, das Versicherungswesen ab September 2002 mit dem Fachbereich Wirtschaft zusammenzulegen. Die besondere Struktur des Versicherungsstudiums wäre dann nicht mehr gewährleistet, da der Wirtschaftsstudiengang keine Kompromisse eingehen will. Gefährdet wäre auch das Integrierte Studium nach dem Kölner Modell, das eine intensive Kooperation mit den Betrieben beinhaltet. Für Jürgen Strobel, Dekan des betroffenen Studiengangs, sind die Sparpläne unverständlich. "Bei uns kommen alle Absolventen in gute Positionen", sagt er. Strobel bemüht sich nun, im Gespräch mit Rektorat und Landesregierung eine andere Lösung zu finden. Bislang noch ohne Erfolg.

Die Versicherungsbetriebe drängen ebenfalls darauf, den Studiengang zu retten. "Ich bin sehr besorgt", sagt Günther Schmidt, Vorstandschef der Versicherungsgruppe Hannover. Da die Fachhochschule sehr groß sei, sehe er Probleme, den Studiengang in seiner bisherigen Struktur zu erhalten. Auch Christiane Bick vom Ausbildungsbereich des Gerling Konzerns in Köln betont, wie sehr der Fachbereich der Firma am Herzen liege. "Die Spezialisierung von Anfang an ist das Gute an diesem Studium", betont sie. Bernhard Schareck, Vorstandsvorsitzender der Karlsruher Versicherungsgesellschaften will ebenfalls die guten Fachkräfte von der FH Köln nicht verlieren. "Wir müssen die Ausbildung sicherstellen, denn das ist es, was die Versicherer brauchen", sagt er. Auch die betroffenen Studenten wehren sich. Ein Streik ist geplant. Ein offener Brief an Ministerpräsident Wolfgang Clement bereits geschrieben. Wird es helfen? Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, bis dahin wird wohl noch einige Male an die Türen des Rektorats und der Landesregierung geklopft.

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