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30.01.2003

07:00 Uhr

Ausbau der Kosmetiksparte

Henkel verteidigt das Industriegeschäft

VonB. Fröndhoff und C. Schlautmann (Handelsblatt)

Konzentration aufs Wesentliche? Der Henkel-Konzern beharrt darauf, dass er in allen seinen Geschäftsfeldern zu Höchstleistungen fähig ist. Derzeit wollen sich die Düsseldorfer vor allem in der Sparte Körperpflege verstärken. Konzernchef Lehner lässt sich aber nicht unter Druck setzen: Bei Zukäufen müsse vor allem der Preis stimmen.

Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Der Henkel-Konzern will seine zweifache Ausrichtung auf Verbraucher und Industriekunden beibehalten. Selbst wenn der geplante kräftige Ausbau der Kosmetiksparte gelänge, plant Konzernchef Ulrich Lehner keine ausschließliche Konzentration auf das Konsumgütergeschäft. "Alle Bereiche, in denen wir jetzt tätig sind, werden wir beibehalten und ausbauen", sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Neben dem Geschäft mit starken Marken wie "Persil" oder "Pattex"-Klebstoff beliefert Henkel beispielsweise Automobilhersteller mit Kleb- und Dichtstoffen. Die Industriesparte trug in den ersten neun Monaten des Jahres 2002 rund 29 % zum Konzernumsatz von 7,3 Mrd. Euro bei. "Wir sind mit unserem Industriegeschäft Weltmarktführer, und diese Position lassen wir uns nicht nehmen", machte Lehner deutlich. Die Sparte werde Henkel wenn nötig und möglich auch durch Zukäufe verstärken.

Der Henkel-Chef tritt damit Forderungen mancher Analysten und Investoren entgegen, nach denen sich der Konzern auf das Geschäft mit Waschmitteln, Zahnpasta und Haarpflegeprodukten konzentrieren solle - vor allem dann, wenn ihm eine große Übernahme im Kosmetikgeschäft gelänge. An der Börse könnte Henkel dann als reiner Konsumgüterhersteller wahrgenommen und höher bewertet werden: Konsumgüter gelten im Gegensatz zu Industrieprodukten als weniger konjunkturabhängig. Nach Ansicht Lehners ergänzen sich jedoch die Sparten des Konzerns: "Das Konsumgütergeschäft wirkt sich positiv auf die Industriesparte aus, denn beide handeln mit Markenartikeln."

Kosmetiksparte im Zentrum der Ausbaupläne

Im Zentrum der Ausbaupläne bleibt die Kosmetiksparte und dort speziell die Haarpflegeprodukte, zu denen Marken wie "Schauma" und "Drei Wetter Taft" gehören. Lehner hält an dem Ziel fest, Henkel unter die führenden Kosmetikanbieter der Welt zu bringen. Derzeit liegt der Konzern auf Platz zehn. Um den Sprung zu schaffen, peilt er auch Zukäufe an. Dies plant aber nicht nur Henkel: "Das weltweite Kosmetikgeschäft ist eine Wachstumsbranche, in der Anzeichen für eine Konsolidierung erkennbar sind", beobachtet Analyst Michael Winkler von WestLB Panmure.

Nach Informationen aus Industriekreisen soll Henkel im Oktober 2002 ein neues Angebot über 4,5 bis 5 Mrd. Euro für die Wella AG vorgelegt haben. Wella ist Spezialist für die professionelle Haarpflege beim Frisör und würde exakt in die Strategie von Henkel passen.

Kein Kommentar zu Wella-Gerüchten

Lehner kommentiert die Gerüchte um Wella mit keinem Wort. Er will sich beim angestrebten Ausbau keinesfalls unter Druck setzen lassen. Zum Thema Zukäufe sagte er generell: "Man muss solche Dinge dann machen, wenn sie möglich und nötig sind." Henkel greife nur dann zu, wenn der Kauf strategisch passe und der Preis stimme. "Es muss dabei eine Kauf- und eine Verkaufsbereitschaft geben", sagte Lehner, "und die stellt sich regelmäßig dann nicht ein, wenn es unterschiedliche Preisvorstellungen gibt."

Kritisch äußerte sich der Henkel - Chef zum Trend zur Billigware. Im Geschäft mit No-Name-Produkten für Discountketten wolle er keinesfalls mitmischen: "Das passt nicht zu uns." Bislang gibt ihm der Erfolg Recht, wie die Marktforscher von A.C. Nielsen belegen: Im vorigen Jahr legte - neben Discount-Waschmitteln wie "Tandil" von Aldi - die Henkel-Topmarke "Persil" deutlich zu.

Weg zur Dachmarke Henkel

Künftig aber will der Düsseldorfer Konzern seinen eigenen Namen stärker in den Vordergrund rücken. Der Name "Henkel" soll nach Lehners Absicht ebenso bekannt werden wie Persil, das Marktführerprodukt bei Waschmitteln. Das Kalkül: Von "Henkel" als neuer Dachmarke sollen anschließend auch die anderen Produkte des Unternehmens profitieren.

Was zunächst den Werbeetat aufbläht - wie 2002 will der Konzern auch im laufenden Jahr die Marketing-Ausgaben erhöhen -, könnte sich bei den Kosten schon bald positiv auswirken. Lehner: "Wir gehen davon aus, dass wir dadurch künftig einen stärkeren Werbeeffekt haben, weil die Abstrahlung von Henkel auf das eigentliche Produkt zusätzlich positive Auswirkungen haben wird."

Eine Reduzierung der Produktmarken sei mit dem Dachmarkenkonzept nicht zwangsläufig verbunden. Obwohl die drei stärksten Produkte im Henkel-Bereich Konsumgüter rund 35 % des Spartenumsatzes erzielen, will man von den regionalen Marken nicht abrücken. Dies sei, so Lehner, eine Frage der differenzierten Marktbetrachtung. Auch Zukäufe seien beim meist regional ausgerichteten Körperpflege- und Waschmittelgeschäft nicht zwingend notwendig. Lehner: "Im internationalen Waschmittelgeschäft sind wir die Nummer vier. Das ist okay."

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