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08.01.2003

08:19 Uhr

Ausbau des Investmentbanking

Deutsche Bank will in Asien Mandate gewinnen

VonOliver Müller

Nicht nur in Europa und den USA, auch in Asien wird das Geschäft für die Investmentbanken immer schwieriger. Wie im Westen rollt auch hier eine Entlassungswelle über die Finanzmetropolen hinweg. Doch trotz der Marktschwäche plant die Deutsche Bank, ihr Geschäft in Fernost auszubauen. Vor allem bei Aktienemissionen will sie an ihre starke Stellung im Anleihegeschäft anknüpfen.

HONGKONG. "Wir wollen uns bei Übernahmen und Aktienplatzierungen unter den Top fünf etablieren", gibt Asien-Chef Ken Borda das ehrgeizige Ziel vor. Denn anders als im Anleihegeschäft, wo die Bank eine feste Größe in der Region ist, spielte sie in diesen Bereichen bislang kaum eine Rolle. Der Mann, der das ändern soll, heißt Frank Nash und leitet seit zwei Jahren das asiatische Investment-Banking der Deutschen Bank.

In Südkorea und China hat der Amerikaner bereits neue Teams aufgebaut. Doch die Märkte waren ihm nicht gnädig: Auch in Asien erlitt das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) 2002 einen Rückschlag. Mit einem Minus von nur 3 % auf 117 Mrd. Dollar fiel der Rückgang allerdings deutlich geringer aus als in den USA oder Europa. Ähnlich sah die Situation bei Aktien- und Anleiheemissionen aus.

Trotz der Marktschwäche kann Nash auf erste Erfolge verweisen: In der Königsdisziplin, der Übernahmeberatung, hat sich die Deutsche Bank 2002 auf Platz vier hochgearbeitet. Aufmerksamkeit brachten Beratungsmandate beim Bau einer 15 Mrd. $ teuren Gaspipeline in China und die Umstrukturierung des koreanischen Chipkonzerns Hynix. Schwachpunkt bleibt das Aktiengeschäft. Dort schaffte es die Deutsche Bank nicht unter die ersten zehn. Vor allem große chinesische Privatisierungsmandate gehen noch immer an die US-Konkurrenz und an den Rivalen UBS. Doch Nash ist zuversichtlich, dass dem neuen China-Team 2003 der erste große Börsengang gelingt. Ein Mandat habe man bereits sicher; auch in Südkorea und Taiwan werde es Fortschritte geben. Nashs größte Baustelle ist nun Japan. "Dort investieren wir eine Menge Ressourcen", berichtet er. Von der überfälligen Rekapitalisierung hoch verschuldeter Konzerne und der Entflechtung labyrinthischer Überkreuzbeteiligungen verspricht sich Nash einen "phänomenalen Markt".

Der Banker sieht die Aussichten für die Region trotz derzeit schwieriger Märkte optimistisch. Für seine Sparte erwartet er in Fernost höhere Wachstumsraten als im Westen. Das asiatische Investment-Banking trage sich selbst und habe die Einnahmen deutlich gesteigert. "Wenn wir auf dieser Kostenbasis zwei China-Deals machen, sehen die Zahlen super aus", verspricht Nash.

Offenbar will die Deutsche Bank Überinvestitionen vermeiden, wie sie anderen Investmentbanken unterliefen. In den 90er Jahren hatten viele Häuser ihre Asienpräsenz stark ausgebaut. 1997/98 sorgte die tiefe Finanzkrise in der Region dann für den ersten Rückschlag. 2001 hat die miserable Lage an den Märkten eine zweite Entlassungswelle ausgelöst, die unter anderem Merrill Lynch, Morgan Stanley, Crédit Suisse und Goldman Sachs erfasste.

Quelle: Handelsblatt

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