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22.01.2001

15:53 Uhr

Reuters FRANKFURT. Der Software-Konzern SAP AG wird auf seiner Jahrespressekonferenz am Dienstag nach Einschätzung von Analysten für das Jahr 2001 deutliche Umsatz- und Ergebniszuwächse ankündigen. Allerdings werde der Konzern seine vor Jahren aufgestellte Mittelfrist-Prognose wohl nicht mehr aufrecht erhalten, die ausgehend von 1998 eine Verdoppelung des Umsatzes bis Ende diesen Jahres vorsah, sagten Analysten am Montag. Grundsätzlich äußerten sich die Branchenbeobachter positiv über die weiteren Geschäftsaussichten für den Walldorfer Software-Giganten. SAP habe den schwierigen Wandel zum Internet-Spezialisten nahezu geschafft, sagten sie.

SAP hatte bereits Anfang Januar mitgeteilt, das vierte Quartal 2000 habe mit einem Umsatzplus von 27 % und einem Zuwachs beim operativen Ergebnis um mehr als 40 % die eigenen Erwartungen übertroffen. Aus den vorläufigen Zahlen ergibt sich, dass SAP im vergangenen Jahr insgesamt den Umsatz um gut ein Fünftel auf von etwa 6,2 Mrd. Euro erhöht haben dürfte. Das operative Ergebnis ohne Berücksichtigung der Kosten für das Mitarbeiter-Prämienprogramm Star hat demnach auf knapp 1,2 Mrd. Euro (Vorjahr 796 Mill. Euro) zugenommen.

Um die alte Prognose zu erfüllen, den Umsatz des Jahres 1998 von 4,3 Mrd. Euro bis Ende diesen Jahres zu verdoppeln, wäre also im laufenden Jahr ein Wachstum um fast 40 % nötig. "Damit rechnet am Markt niemand", sagte etwa Friederike Herkommer von der HypoVereinsbank. Daher sollte es auch keine Enttäuschung an den Finanzmärkten geben, wenn SAP die alte Prognose aufhebe.

Analysten gehen davon aus, dass SAP seinen Umsatz in diesem Jahr um 20 bis 25 % steigern dürfte. Dabei sollten sich auch die Gewinnmargen erhöhen, der Ertrag sollte also stärker zulegen als der Umsatz, teilten etwa die Analysten der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) mit. "Wir glauben weiterhin, dass sich SAP dem Ende der langen und oft schmerzhaften Neuausrichtung der vergangenen beiden Jahre nähert", ergänzten sie.

Gewinn pro Aktie soll steigen

SAP hatte sich in der vergangenen Zeit stark auf das Internet ausgerichtet und mit der Internet-Plattform mySAP.com ein Produkt auf den Markt gebracht, dass die früheren Hauptprodukte der betriebswirtschaftlichen Software mit Internet-Anwendungen wie etwa dem elektronischen Handel verknüpft. Der überwiegende Anteil am Software-Lizenzgeschäft von SAP entfällt inzwischen auf mySAP.com.

Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck sagte, er gehe davon aus, dass der Gewinn pro Aktie von SAP in diesem Jahr um ein Drittel und damit spürbarer als der Umsatz steigen werde. "MySAP.com hat sich etabliert, und nun sollten auch die Orders kommen", sagte er. Insgesamt sei SAP nun gut aufgestellt. Kitz wies beispielsweise auf neue Software-Produkte von SAP zur Analyse von Geschäftsvorgängen im Internet hin. Dies sei ein sehr schnell wachsender Markt, der von etwa zehn Mrd. $ in diesem auf 20 Mrd. $ im Jahr 2003 zunehmen dürfte. "SAP hat sich hier sehr früh mit Produkten etabliert", sagte er.

HypoVereinsbank-Analystin Herkommer sagte, SAP habe den Wandel in relativ kurzer Zeit geschafft. "Ich sehe SAP sehr gut positioniert", sagte sie. Auch bei Software für Customer Relationship Management (Steuern der Kundenbeziehungen) und Supply Chain Management (Steuern der Wertschöpfungskette) sei SAP nun gut aufgestellt. Für das laufende Jahr geht sie von einem Zuwachs beim Gewinn je Aktie um etwa 40 % aus.

Der SAP-Aktie bescheinigen viele Analysten trotz der starken Kurszuwächse nach der Ankündigung vom Januar, dass die Zahlen des Schlussquartals 2000 besser als erwartet seien, gute Aussichten auf weitere Wertsteigerungen. Merck Finck stuft die Aktie ebenso wie die HypoVereinsbank als "Outperformer" ein, CSFB empfiehlt die Aktie zum Kauf. Am Montag wurde die SAP-Vorzugsaktie mit etwa 185 Euro um knapp drei Prozent schwächer als am Freitag gehandelt. Damit hat die Aktie seit Anfang Januar mehr als die Hälfte an Wert gewonnen. Im vergangenen März war die Aktie allerdings bereits einmal 364 Euro wert gewesen.

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