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07.03.2003

15:55 Uhr

Ausblick auf die Börsenwoche

Irak-Krise wird Dax weiter belasten

Ein Ende der Talfahrt des Deutschen Aktienindex (Dax) ist nach Einschätzung von Marktteilnehmern auch in der kommenden Woche nicht in Sicht. Die anhaltende Unsicherheit an der Börse vor dem drohenden Ausbruch eines Krieges sowie der erwartete Rekordverlust der Deutschen Telekom dürften einer nachhaltigen Erholung entgegenstehen.

Reuters FRANKFURT. Deutschlands wichtigster Börsen-Index verlor in der abgelaufenen Börsenwoche fast 5 %und markierte zeitweise den tiefsten Stand seit Mitte März 1996. "Ich sehe keine Besserung in der nahen Zukunft, weil die Konjunktur in Europa schwach und die Nervosität wegen der Irak-Krise hoch bleibt", sagte Fondsmanagerin Beate Merdes von Invesco Asset Management. "Es ist denkbar, dass wir auch in der nächsten Woche neue Tiefstände markieren."

Im Rampenlicht der Woche werden wegen der Vorlage von Geschäftszahlen neben der Telekom und deren Tochter T-Online auch Bayer und Adidas-Salomon stehen.

Damoklesschwert Irak

Die aus der Irak-Krise resultierende Unsicherheit wird Händlern zufolge auch in der nächsten Woche zunächst nicht abnehmen. "Viele Leute denken aber, es wird eine Art Rally nach dem Ausbruch des Krieges geben", sagte Fondsmanagerin Merdes. "Das mag zynisch klingen, orientiert sich aber an den Ereignissen des letzten Golf-Krieges." Am 17. Januar 1991 - dem ersten Kriegstag vor zwölf Jahren - hatte der Dax 7,5 % zugelegt, während der Ölpreis um rund ein Drittel zurückging.

US-Präsident George W. Bush, der Irak im Abrüstungsstreit seit Monaten mit einem Krieg droht, hatte am Donnerstag angekündigt, in den nächsten Tagen eine Abstimmung über eine kriegslegitimierende Resolution im Uno-Sicherheitsrat anzustreben.

Telekom und Bayer im Fokus

Mit Spannung werden die Geschäftszahlen der Telekom am Montag erwartet. Während die Analysten für 2002 einen Rekordverlust von mehr als 25 Mrd. ? erwarten, wird mit einem soliden vierten Quartal gerechnet. Für dieses schätzen die Experten einen Umsatzzuwachs von 5 % und eine Steigerung des Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) um 12 % im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer will am Donnerstag Geschäftszahlen vorlegen. "2002 wird ein schlechtes Jahr für Bayer, das ist allen klar. Das liegt am starken Euro, dem hohen Ölpreis und der Restrukturierung des Konzerns", betonte Silke Stegemann von der LB Rheinland-Pfalz. Zudem würden demnächst auch die ersten Urteile zu Schadensersatzforderungen im Fall des vom Markt genommenen Medikamentes Lipobay erwartet, ergänzte die Analystin. Bayer hatte Lipobay 2001 vom Markt genommen, weil das Präparat im Verdacht steht, als Nebenwirkung Muskelschwäche mit tödlichem Ausgang verursachen zu können.

Auch der Sportartikel-Hersteller Adidas-Salomon will über die jüngste Geschäftsentwicklung berichten. "Adidas ist momentan sehr attraktiv", kommentierte Merdes. Das Unternehmen habe mehrfach seinen Ausblick bestätigt. "Das konnten zuletzt nicht viele Firmen von sich behaupten."

Im MDax für mittelgroße Werte werden zudem Zahlen von Gehe, Continental, AMB Generali, IVG Immobilien sowie SGL Carbon erwartet.

Neuer Markt feiert seinen letzten Geburtstag

Voller Nostalgie könnten am Montag - dem sechsten und letzten Geburtstag des Neuen Marktes - viele Marktteilnehmer sich der Zeit atemberaubender Kurssteigerungen erinnern. Der Blue-Chip-Index des Segmentes, der nur bis Ende des Jahres existiert, erreichte einst 9 665 Punkte - vor am Montag genau drei Jahren. Ein beispielloser Crash folgte und ließ den Nemax 50 mittlerweile auf 325 Punkte abstürzen. Das entspricht einem Verlust von fast 97 %. Als neues "Schaufenster für Technologiewerte" startet die Deutsche Börse Ende März den Nemax 50-Nachfolger TecDax30.

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