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05.02.2002

15:17 Uhr

Ausblick

Wall Street: Noch kein Mittel gegen „Enronitis“

VonWALL STREET CORRESPONDENTS

Nach den rapiden Kursstürzen zum Wochenauftakt macht der Markt am Dienstagmorgen keine Anstalten, eine Trendwende einzuleiten. "Enron-itis", oder die Angst vor geschönten Bilanzen, vergrault Käufer und auch zum Teil dramatische Preisabschläge vom Vortag locken sie (noch) nicht wieder an. Die Futures deuten erneut auf einen Handelsauftakt im Minus.

Am Montag hatte der Dow Jones Index 220 Punkte oder 2,2 Prozent verloren und schloss mit nur noch 96 87 Punkten. Die Nasdaq gab 56 Zähler oder fast 3 Prozent ab und landete hart auf einem Stand von 1855 Punkten. Der marktbreite S&P 500 notiert mit 1094 Punkten auf einem Drei-Monats-Tief.

Die großen Verlierer von Montag notieren am Dienstag erneut schwach. Der Mischkonzern Tyco, der zum Wochenauftakt um 16 Prozent abrutschte, verliert vor der Glocke erneut 4 Prozent. Ebenfalls mit frühen Verlusten handeln die Papiere von 3M, Honeywell und General Electric. Die Angst vor Bilanz-Unstimmigkeiten betrifft vor allem die Aktionäre der Mischkonzerne, deren Unternehmensgeflecht oft unüberschaubar, das Vertrauen der Investoren in das Management daher umso wichtiger ist.

Nach einem Kursrutsch um mehr als 50 Prozent büßt die Aktie des Pharmazeuten Elan am frühen Morgen erneut 12,5 Prozent ein.

Mit 1,3 Prozent im Minus fährt auch Microsoft am Morgen auf der Verliererstraße. Die Analysten von Goldman Sachs geben sich "vorsichtig", was die Erwartungen für den weltgrößten Software-Hersteller angeht. Analyst Rick Sherlund sagt, dass ein Kommentar von CFO John Connor pessimistischer geklungen habe als erwartet, und eher die Risiken der nahen Zukunft als die Gewinnchancen abgedeckt habe. Goldman Sachs geht nun davon aus, dass eine prognostizierte Wachstumsrate von 15 Prozent für Microsoft "zu aggressiv" ist.

Auch die Aktie von Palm leidet unter einem Analystenkommentar. Bear Stearns verpasst dem Handheld-Hersteller ein Downgrade von "attraktiv" auf "neutral". Das Unternehmen habe unerwartet Schwierigkeiten mit der Markteinführung seiner i705-Reihe, die kabellose Datenübertragung im Sektor der Taschencomputer hätte einführen sollen. Bear Stearns setzt das Kursziel für Palm von 5 Dollar auf 3 Dollar herab, die Aktie verliert vorbörslich 4,8 Prozent.

Der Computerhersteller Dell verliert am frühen Morgen ebenfalls, obwohl von Seiten des Unternehmens optimistische Kommentare kommen. Auf einer von Goldman Sachs veranstalteten Konferenz sagte Vorstandsmitglied Kevin Rollins, dass sich die PC-Industrie "in der nächsten Zukunft" erholen werde. Die Branche musste im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 1985 rückläufige Absatzzahlen hinnehmen. Der größte Computerhersteller der Welt hat vor kurzem seine Gewinn- (17 Cents pro Aktie) und Umsatzerwartung ($ 8 Mrd.) für das laufende Quartal angehoben und nun nochmals bestätigt.

Die Aktien von Sprint, sowohl der Festnetz- (FON) als auch der Mobilfunksparte (PCS), verlieren vor der Glocke. Das Telekommunikationsunternehmen hat am Vorabend einen größeren Verlust ausgewiesen als erwartet worden war, und die Analysten von Morgan Stanley reagieren prompt mit einem Downgrade auf "neutral". Sprint ist unterdessen nur eines von zahlreichen Unternehmen im Telekom-Sektor, die im Minus handeln. Auf keinem anderen Sektor lastet so schwer die Angst vor weiteren Pleiten, nachdem zahlreiche Unternehmen, darunter Global Crossing, bereits Gläubigerschutz beantragt haben und andere, zum Beispiel WorldCom, in arge Schwierigkeiten geraten sind.

Anleger suchen einen sicheren Hafen bei den Defensivwerten - und werden am Morgen bestätigt. Der größte Hersteller von Zahnpasta, Colgate-Palmolive, hat den Erfolgskurs fortgesetzt. 20 Quartale infolge konnte das Unternehmen ein Gewinnwachstum erzielen. Im abgelaufenen, vierten Quartal ist der Gewinn um drei Prozent gestiegen. Nach Abzug von Sonderbelastungen wurden die Konsensschätzungen damit erfüllt. Colgate-Palmolive hatte rund 15 Millionen Dollar durch die Pleite von Kmart und die Abwertung des argentinischen Peso verloren. Die Aktie notiert am frühen Morgen im Plus.

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