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20.01.2003

07:41 Uhr

Ausblicke verunsichern Börse

Kein Ende der Talfahrt in Sicht

VonTobias Moerschen und Ulf Sommer (Handelsblatt)

Erwartungen erfüllt - Ausblick unsicher bis düster. Auf diesen Nenner lassen sich die bisherigen Quartalsberichte bringen. Niemand sieht für 2003 in Europa und den USA den erhofften Aufschwung.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Trotz relativ guter Quartalsergebnisse bleibt ein Aufschwung in weiter Ferne. Das ergeben eine Auswertung der bisher vorliegenden Unternehmensberichte und eine Umfrage des Handelsblatts bei Finanzmarktexperten. Die meisten Firmen übertreffen zwar die Ertragsprognosen. "Aber kein großes Unternehmen hat sich positiv zum Geschäftsausblick geäußert", sagt Chuck Hill, Research-Chef des Finanzdienstleisters Thomson First Call. Die Börsen gehen entsprechend auf Talfahrt.

Die Firmen im S&P-500-Index, der den US-Markt gut abbildet, übertrafen die Analystenprognosen um durchschnittlich 3,9 %. Ein Grund dafür sind die Ergebnisse der Technologiefirmen Microsoft und IBM, die viel besser als erwartet ausfielen. Dennoch verloren beide Aktien - wegen des skeptischen Ausblicks für das laufende Geschäft. "Gute Quartalszahlen werden von Investoren nur dann belohnt, wenn sie auf einen dauerhaft positiven Trend hinweisen", sagt Hill. Dies sei derzeit nicht der Fall. Vielmehr werde das laufende Quartal wohl schlechter ausfallen als das vergangene. Außerdem relativieren sich die vergleichsweise guten Ergebnisse des letzten Quartals, weil Analysten ihre Gewinnprognosen bereits im Vorfeld halbiert hatten. So erwarteten die Bankexperten im April 2002 noch, dass die Unternehmen im S&P 500 ihren Gewinn je Aktie im vierten Quartal um 31,5 % gegenüber dem Vorjahresquartal steigern würden. Seit Herbst aber verringerten die Analysten ihre Prognosen angesichts der Konjunkturflaute auf 15 %.

Die Tendenz setzt sich fort. Analysten bleiben skeptisch - und verweisen auf Sonderaufwendungen von Großbanken wie Citigroup und JP Morgan Chase, die das Ergebnis beeinträchtigen. Auch der Aluminium-Konzern Alcoa meldete Verluste und dämpfte die Erwartungen. Der Chipgigant Intel verdoppelte zwar seinen Gewinn, will aber seine Investitionen drosseln. Microsoft senkte die Umsatzprognose, und die Technologie-Konzerne Apple und Sun verzichteten ganz auf Prognosen. Apple verwies auf die Unwägbarkeiten des drohenden Irak-Kriegs.

Auch in Asien und Europa begann die Quartalssaison düster. Südkoreas Mischkonzern Samsung meldete zwar Rekordgewinne, bezeichnete die Aussichten aber als "sehr unsicher". Alcatel sieht "keine Erholung". Der Chipdesigner ASML und der Einzelhandelskonzern Karstadt-Quelle erwarten ein unverändert schwieriges Umfeld. Angesichts dieser Prognosen müssen die Erwartungen an 2003 heruntergeschraubt werden.

Bisherige Schätzungen etwa des Finanzdienstleisters Ibes gingen für die europäischen Stoxx-50-Unternehmen von einem Gewinnanstieg um 30 % aus. Doch jetzt sei nur noch "ein Zuwachs von 20 % realistisch", sagt Carsten Klude vom Investmenthaus M.M. Warburg. Noch dramatischer ist die Diskrepanz im Deutschen Aktienindex. "Ein Anstieg der Gewinne von prognostizierten 70 % ist nicht herzuleiten", stimmt Klude mit vielen Analysten überein. Andreas Hürkamp von der WestLB Panmure rechnet für die Dax-30-Konzerne mit einem Plus von 28 %. Die Zahlen erscheinen zwar hoch, signalisieren aber wegen des schwachen Vorjahrs samt vieler Einmalabschreibungen keinen Aufschwung.

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