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08.01.2003

09:07 Uhr

Ausdehnung der Fördermengen beschlossen

Die Opec dreht den Ölhahn auf

Der Ölpreis hat eine überraschende Wende vollzogen. Während er seit Monaten nach oben geklettert war, ging es am Dienstag trotz drohenden Irak-Kriegs und Generalstreiks in Venezuela abwärts. Die Opec war es, die den Umschwung herbeigeführt hat. Sie will die Fördermenge erhöhen und damit den Preis dauerhaft senken.

jsn DÜSSELDORF. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will ihre Fördermenge erhöhen - und damit dämpfend auf den Ölpreis wirken. Unklar ist bislang allerdings noch, in welchem Maß die Förderung ausgedehnt wird: Nach dem Willen des größten Opec-Mitglieds, Saudi-Arabien, soll die Öl-Produktion um bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag angehoben und damit dem jüngsten Ölpreis-Anstieg entgegengewirkt werden, der als Gefahr für die Weltwirtschaft gesehen wird. In Riad besteht die Absicht, die Erdölpreise möglichst um die 25-Dollar-Marke pendeln zu lassen.

Einigen Opec-Mitgliedern geht diese Absicht jedoch zu weit. Am Montag hatte Opec-Präsident Abdullah el Attijah noch angekündigt, das Kartell wolle seine Förder- und Exportquoten lediglich um bis zu eine Million Barrel (1 Barrel = 159 Liter) pro Tag erhöhen, um den Markt zu beruhigen. Auch der kuwaitische Ölminister hatte sich für eine maßvolle Anhebung ausgesprochen, die nicht über 1,5 Mill. Barrel ausfallen dürfte. Eine Entscheidung, um wie viel Barrel die Fördermenge ausgedehnt wird, soll in der nächsten Woche gefällt werden. "Die Anhebung soll so schnell wie möglich stattfinden", sagte ein Opec-Delegierter. Gestern reagierte der Ölpreis bereits auf diese Ankündigungen: Er gab deutlich nach. An der Londoner Terminbörse fiel der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar zwischenzeitlich um 85 Cent auf 29,35 Dollar.

Den langfristigen Gleichgewichtspreis sehen Energieanalysten wie Hans W. Schiffer von RWE Rheinbraun bei 20 Dollar je Barrel. Schiffer ist genauso wie andere Kollegen seiner Zunft der Meinung, dass das eher schwache Wachstum des Weltölkonsums genauso wie die absehbaren Steigerungen beim Aufkommen kartellungebundener Anbieter den Ölpreis drücken werden. Falls es zu keinem lange andauernden Krieg am Golf kommt, könnten sogar spürbare Käufermarkttendenzen entstehen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris rechnet zwar für 2003 mit einem relativ hohen Nachfragezuwachs von 1,4 %, jedoch haben die IEA-Experten in den vergangenen Jahren die Nachfrageentwicklung teilweise beträchtlich überschätzt. Schiffer gibt zu bedenken, dass die Pariser Energieagentur schon aus der Interessensicht der Industrieländer den Ölverbrauch immer verhältnismäßig hoch schätzt und sich regelmäßig am oberen Prognoserand bewegt. Er glaubt, dass es im Jahr 2003, eher zu einer Stagnation kommen wird, wenn die weltkonjunkturelle Delle anhält.

Zusätzlich drückt das Vorhaben der kartellungebundenen Ölproduzenten, die ihr Angebot steigern wollen, auf den Preis. Für 2003 schätzen die IEA-Experten dieses Aufkommen auf 49,3 Mill. Barrel pro Tag, was einem Zuwachs um 1,3 Mill. entspräche. Analysten gehen auch deshalb davon aus, dass die Opec-Staaten Marktanteile verlieren werden und ihre Ölförderkapazitäten nur unterdurchschnittlich auslasten können. Nach der Hochrechnung der Pariser Agentur wird sich 2003 ein Bedarf an Opec-Rohöl von 24,7 Mill. Barrel pro Tag abzeichnen. Die gesamten Produktionskapazitäten im Kartelllager belaufen sich aber auf beinahe 30,3 Mill. Barrel pro Tag. Ohne den Irak sind es noch immer rund 27,5 Mill. Die Gefahr einer eher laschen Quotendisziplin und damit die Aussicht, dass auch in diesem Jahr die Ölkäufer am längeren Hebel sitzen, besteht also weiter.

Allerdings ist die Situation wegen der beiden Krisenherde Venezuela und Irak nicht mit der Stimmung von vor zwölf Monaten vergleichbar. Damals hatte eine Reihe von Experten einen Preiskollaps in Richtung der Zehn- Dollar-Marke nicht ausgeschlossen. Ihre Prophezeiungen erfüllten sich nicht. Im Gegenteil: Im Laufe des Jahres verringerte die Opec die Produktionsquote um 5 Mill. Barrel pro Tag. Gleichzeitig gab es Beistand durch wichtige kartellungebundene Ölexporteure. Russland und Norwegen - nach Saudi-Arabien die nächstgrößeren Exporteure - sowie Mexiko, Oman und Angola stellten eine Angebotskürzung in Aussicht. Dieser Absichtserklärung von wichtigen Non-Opec-Ausfuhrländern schenkten die Ölmärkte einen Vertrauensvorschuss. Der Preis stieg, da die Kontrolle von Produktionszusagen sehr schwierig ist, und sich erst im Verlaufe des Jahres 2002 eine erneute Aufwärtsentwicklung der Non-Opec - Beiträge zeigte.

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