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24.01.2002

15:35 Uhr

Ausführung des Verbrechens war nicht geplant

Zeuge bestätigt Mordauftrag von Ex-Minister Wolf

Der Hauptbelastungszeuge im Mordkomplott-Prozess gegen den früheren brandenburgischen Bauminister Jochen Wolf hat im Wesentlichen die Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft bestätigt.

ap POTSDAM. Der Kleinkriminelle und ehemalige Fremdenlegionär Ralf M. berichtete am Donnerstag vor dem Landgericht Potsdam, wie der einstige Politiker ihn mit der Ermordung seiner Frau Ursula beauftragt habe. In der Folgezeit sei er von Wolf mehrmals gedrängt worden, das Verbrechen auszuführen.

Der einen Hauch von Halbwelt versprühende, vielfach vorbestrafte Ralf M. erklärte, er und der Mittelsmann André D. hätten nie die Absicht gehabt, den Mord tatsächlich zu begehen. Sie seien nur auf das in Aussicht gestellte Killerhonorar von 10 000 Euro aus gewesen. In teilweise blumigen Worten schilderte der Zeuge, wie er Wolf trotz dessen Drängen immer wieder hingehalten habe und ihn sogar dazu brachte, einen Vorschuss zu zahlen. So sei er als Gärtner verkleidet im Haus von Ursula Wolf aufgetaucht und habe eine halbe Stunde lang mit ihr geplaudert.

«Wir haben uns fantastisch unterhalten», berichtete der Zeuge. Seinem Auftraggeber habe er später erzählt, bereits das Gelände zu sondieren. Für ein erstes Treffen mit Jochen Wolf sei er mit geschorenem Kopf und in Lederkluft erschienen, damit dieser ihm die Rolle des Killers auch abnehme.

Ralf M. war streng abgeschirmt durch eine Hintertür in den Verhandlungssaal gekommen und verließ ihn auch wieder auf diesem Weg. Mit einer Decke über den Kopf wurde er von Justizbediensteten in ein Auto mit schwarzen Heckscheiben geführt. Später erklärte ein Wuppertaler Polizist, der Zeuge habe als V-Mann in der Drogenszene bis 1999 regelmäßig Informationen an die Ermittler geliefert.

Wolf hat laut Anklage 1997 und 2000 versucht, einen Killer auf seine Frau anzusetzen, zuletzt Ralf M. Dieser war jedoch im September 2000 ohne Papiere in eine Verkehrskontrolle geraten und wegen anderer Straftaten festgenommen worden. Im Gefängnis berichtete er der Polizei von dem Mordkomplott.

Daraufhin wurde er freigelassen, um sich im Auftrag der Ermittler erneut telefonisch bei Wolf zu melden. Im Juli 2001 kündigte er dem ehemaligen Politiker, der zwischen 1990 und 1993 Bauminister in Brandenburg war, den Mord an. Wenige Tage darauf meldete er Vollzug und verlangte sein Geld. Wolf forderte jedoch Beweise für den Tod seiner Frau. Bei einem folgenden, von der Polizei arrangierten Treffen wurde er festgenommen.

Am kommenden Dienstag wird der Prozess fortgesetzt. Am darauf folgenden Donnerstag soll Wolfs Ehefrau als Zeugin gehört worden, nachdem ihr ursprünglicher Termin wegen der Erkrankung des Vorsitzenden Richters ausgefallen war.

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