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17.03.2003

08:35 Uhr

Ausländische Investoren bemängeln geringe Prämie

Norwegische Bankenfusion stößt auf Kritik

VonHelmut Steuer

Die beiden größten Banken Norwegens, DnB und Gjensidige NOR, haben Fusionspläne bestätigt. Doch ausländische Anteilseigner sind unzufrieden. Sie hoffen auf bessere Angebote von anderen Banken. Auch die Wettbewerbshüter haben Bedenken: Der Marktanteil des fusionierten Instituts wäre riesig.

STOCKHOLM. Die angekündigte Fusion der beiden größten norwegischen Banken, DnB und Gjensidige NOR, ist bei ausländischen Investoren auf Kritik gestoßen. Sie sind mit dem von DnB Ende vergangener Woche vorgelegten Angebot nicht zufrieden und hoffen auf konkurrierende Offerten anderer Banken. Ein Sprecher der in Boston beheimateten K Capital Partners, die mit rund fünf Prozent an Gjensidige NOR beteiligt sind, erklärte am Wochenende der norwegischen Zeitung "Aftenposten", dass man das bisher vorliegende Angebot nicht akzeptieren und mit anderen größeren Investoren nach Alternativen suchen werde.

Norwegens größte Bank, DnB, hatte Ende vergangener Woche den Gjensidige NOR-Aktionären 6,2 DnB-Aktien und 23 Kronen (2,96 Euro) in bar für jeweils eine Gjensidige NOR-Aktie geboten. Damit hat das Angebot ein Volumen von umgerechnet knapp 2,2 Mrd. Euro.

Mit der Fusion der beiden norwegischen Banken würde ein Finanzkonzern mit 14 800 Mitarbeitern entstehen. DnB hat derzeit ein Verwaltungskapital von 680 Mrd. Kronen (87,4 Mrd. Euro), Gjensidige NOR von 317 Mrd. Kronen (40,7 Mrd. Euro). Beide Institute kommen auf einen Marktanteil bei Pensionsversicherungen in Norwegen von 55 Prozent, bei der Verwaltung von privaten Bankkonten auf 44 Prozent. Die norwegische Wettbewerbsbehörde hat sich deshalb bereits skeptisch zu den Fusionsplänen geäußert und eine strenge Prüfung des Deals angekündigt. Das fusionierte wäre in Nordeuropa die Nummer vier.

Die ausländischen Investoren, die skeptisch einer DnB NOR-Fusion-Gjensidige gegenüberstehen, halten nach Schätzung von Bankexperten in Oslo mindestens 15 Prozent der Gjensidige-Aktien. Das würde für eine Ablehnung jedoch nicht reichen, da für eine Übernahme nur Zweidrittel der Gjensidige-Aktionäre zustimmen müssen.

Die ausländischen Investoren beziffern das DnB-Angebot auf rund 200 Kronen je Gjensidige NOR-Aktie. Damit läge die Prämie bei unter vier Prozent. Normal sind bei Übernahmen oder Fusionen Prämien auf den aktuellen Börsenkurs von bis zu 50 Prozent. Endgültig soll über die norwegische Banken-Ehe erst auf der Gjensidige NOR-Hauptversammlung im Juni diesen Jahres entschieden werden. Der Gjensidige NOR-Aktienkurs stieg nach Bekanntwerden der Fusionspläne an der Börse in Oslo um 7,2 Prozent, die DnB-Aktie zog um 2,5 Prozent an.

"Es ist unglaublich. Die Konzernleitung von Gjensidige NOR maximiert nicht den Shareholder Value, wenn sie nur mit einem Bieter verhandelt", sagte ein K-Capital-Partners- Sprecher der Zeitung "Aftenposten". Er deutete an, dass neben DnB auch die schwedische Handelsbanken, die Swedbank aus Schweden sowie die dänische Danske Bank an einer Übernahme von Gjensidige interessiert sein könnten. Diese Institute wollten ein Interesse jedoch nicht bestätigen.

Norwegische Politiker begrüßten die Fusionspläne. Sie bevorzugen seit langem eine nationale Lösung bei der Konsolidierungswelle auf dem nordeuropäischen Finanzsektor und haben bereits mehrere Übernahmeversuche ausländischer Banken torpediert. Seit der großen Bankenkrise in Norwegen Anfang der 90-er Jahre hält der Staat an vielen Instituten große Anteile.

An der DnB ist der Staat bisher mit 47 Prozent beteiligt. Um eine Ausdünnung dieses Anteils bei einem Aktientausch mit Gjensidige NOR zu verhindern, hat der norwegische Handels- und Industrieminister Ansgar Gabrielsen bereits eine weitere finanzielle Beteiligung angekündigt, damit der staatliche Anteil nicht unter 34 Prozent sinkt. Nach norwegischem Recht hat ein Aktionär mit einem Anteil von mindestens 34 Prozent eine Kontrollmehrheit. Gabrielsen deutete an, dass der Staat bereit sei, "einige Milliarden Kronen" in das neue Unternehmen zu investieren.

Nach Angaben eines DnB-Sprechers müssten immer noch Einzelheiten der Fusion geklärt werden. Analysten rechneten am Wochenende jedoch mit einem konkreten Fusionsabkommen in den nächsten Tagen. Die meisten Experten begrüßten die Fusionspläne und sprachen von großen Synergien, die durch die Schaffung eines dominierenden Finanzkonzerns entstehen könnten.

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