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06.02.2003

14:45 Uhr

Aussage eines neuen Gutachters

Haffa-Brüder wieder unter Druck

Ein neues Gutachten hat die angeklagten EM.TV - Gründer Thomas und Florian Haffa im Betrugsprozess vor dem Münchner Landgericht unter Druck gebracht.

HB/dpa MÜNCHEN. Nach Ansicht des Bilanz-Experten Wolfgang Ballwieser haben die beiden im August 2000 gegen die Regeln der Rechnungslegung verstoßen und überhöhte Umsatzzahlen veröffentlicht. "Nach den mir vorliegenden Daten waren die in der Ad- Hoc-Meldung veröffentlichten Zahlen falsch", sagte Ballwieser am Donnerstag. Die Haffa-Brüder verfolgten die gut einstündige Aussage des Gutachters sichtlich angespannt.

Durch den Fehler hatte EM.TV den Umsatz für das erste Halbjahr 2000 nach Ansicht des Betriebswirtschaftsprofessors um rund 16 Millionen Euro zu hoch angegeben. Mit dieser Aussage stützte Ballwieser die Anklage der Staatsanwaltschaft. "Ich halte das ganze Zahlenwerk nach diesen Ausführungen für hinfällig", sagte Staatsanwalt Peter Noll. Da sich die 16 Millionen Euro auf lediglich geplante Produktionen bei der Tochter Jim Henson Company bezogen haben, hätten aus seiner Sicht weder der Umsatz noch ein entsprechender Ergebnisbeitrag hinzugerechnet werden dürfen. EM.TV hatte die Angaben schließlich im Oktober öffentlich korrigiert und damit einen Kurseinbruch der Aktie um rund 30 Prozent ausgelöst.

Die Verteidiger kündigten eine ausführliche Prüfung des Gutachtens an. "Das war heute ein vermeintliches Zwischenergebnis, das vielleicht dem Staatsanwalt gefallen hat", sagte Haffa-Anwalt Rainer Hamm. Durch die Prüfung könnte sich der Prozess länger hinziehen als geplant. Ursprünglich wollte das Gericht das Verfahren noch in diesem Monat abschließen.

Im entscheidenden Anklagepunkt des Kursbetruges beantragte der Staatsanwalt am Donnerstag ein neues Gutachten. "Ich halte das bisher vorliegende Gutachten von der Methodik her für angreifbar und vom Ergebnis her für falsch", sagte Staatsanwalt Peter Noll. Der Wirtschaftsprofessor Bernd Rudolph war in seiner Expertise zu dem Ergebnis gekommen, dass kein direkter Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung einer Pflichtmitteilung von EM.TV im August 2000 und der Reaktion des Aktienkurses nachweisbar sei.

Die Haffa-Brüder müssen sich seit Anfang November wegen des Verdachts auf Kursbetrug vor Gericht verantworten. Auf dem Höhepunkt der Börsenbegeisterung im Jahr 2000 gehörten Thomas und Florian Haffa zu den schillerndsten Unternehmern am Neuen Markt. Der Prozess wird am 13. Februar fortgesetzt.

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