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05.05.2003

11:10 Uhr

Ausschreitungen in Ostchina

SARS erreicht Russland

Die Zahl der SARS-Fälle in China steigt ungebremst: Das Gesundheitsministerium in Peking meldete am Montag 160 neue Erkrankungen mit der lebensgefährlichen Lungenkrankheit und neun neue Todesfälle. In der Provinz Zhejiang in Ostchina kam es wegen einer geplanten SARS-Quarantänestation zu Ausschreitungen. Zugleich sind im Fernen Osten Russlands an der Grenze zu China die ersten konkreten Verdachtsfälle der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS aufgetreten.

Der Mundschutz gehört in China mittlerweile zur normalen Garderobe. Foto: dpa

Der Mundschutz gehört in China mittlerweile zur normalen Garderobe. Foto: dpa

HB/dpa PEKING/MOSKAU. Allein in der schwer betroffenen chinesischen Hauptstadt kamen innerhalb eines Tages 98 neue Fälle des Schweren Akuten Atemwegssyndroms hinzu, drei Patienten starben. Damit verzeichnet China inzwischen 4280 SARS-Fälle und 206 Tote.

In Russland wurden derweil in der Stadt Blagoweschtschensk am Grenzfluss Amur vier Menschen mit Symptomen der atypischen Lungenentzündung auf eine Isolierstation gebracht, teilten die regionalen Behörden am Montag mit. Alle vier hatten in einem Hotel gewohnt, in dem auch Wanderarbeiter aus China leben. Das Hotel wurde unter Quarantäne gestellt, meldete die Agentur Interfax.

Die Grenze zu China wurde am Montag geschlossen. Blutproben des ersten Erkrankten, eines 25-jährigen Russen, wurden zur Untersuchung auf den SARS-Erreger in das 6 000 Kilometer entfernte Moskau geflogen. Der Epidemie-Amtsarzt des Amur-Gebiets, Wladimir Smirnow, sagte, er erwarte keine Bestätigung des SARS-Verdachts. Wahrscheinlich habe der Patient "eine normale Lungenentzündung mit Komplikationen".

Ausschreitungen in Ostchina

Unter den Menschen in der Region macht sioch indes immer öfter Panik breit. Mehr als hundert aufgebrachte Dorfbewohner griffen am Wochenende wegen einer geplanten SARS-Quarantänestation ein Verwaltungsgebäude in der Provinz Zhejiang in Ostchina an und verprügelten drei Funktionäre. Die Zeitung "Jianghuai Chenbao" berichtete am Montag, der Protest habe sich an dem Vorhaben entzündet, sechs Reisende aus einem SARS-Gebiet in einem Funktionärswohnheim in Xiandie unterzubringen.

Ein lokaler Funktionär bestätigte den Vorfall vom Samstagabend, "an dem aber nur ein paar Betrunkene teilgenommen haben". Es sei nur ein Testzentrum für SARS-Fälle geplant gewesen. Auch die Zeitung berichtete von ein paar Trunkenbolden, die mitgemischt hätten. Drei Amtsräume seien verwüstet worden. Nach dem Protest seien zwei Anführer festgenommen worden.

Erst vergangene Woche hatten wütende Anwohner nahe der Stadt Tianjin etwa eine Stunde außerhalb Pekings ein leer stehendes Schulgebäude verwüstet und in Brand gesteckt, das als Quarantänelager für Verdachtsfälle mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) umfunktioniert werden sollte.

SARS-Erreger kann tagelang in Ausscheidungen fortbestehen

Der Erreger der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS kann der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge mehrere Tage in Ausscheidungen fortbestehen. Wie die WHO am Sonntag auf ihrer Website bekannt gab, kann der Virus mindestens ein bis zwei Tage im Urin und Stuhl von Patienten überdauern. Die genaue Dauer hänge offenbar vom Säuregehalt des Stuhls ab. Der Virus werde durch handelsübliche Desinfektionsmittel innerhalb von fünf Minuten unschädlich gemacht, berichtete die WHO weiter. Wissenschaftler aus Hongkong hatten zuvor die Vermutung geäußert, dass eine Übertragung durch infizierte Abwässer möglich sei.

Das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS) wurde zuerst im November in Südchina beschrieben und hat sich inzwischen auf etwa 30 Staaten ausgebreitet. Weltweit wurde am Sonntag von mindestens 6700 Fällen und 450 Toten berichtet mit einem Schwerpunkt in Ostasien. Die Krankheit ist in Rund sechs bis zehn Prozent der Fälle tödlich, ein Heilmittel ist nicht bekannt.

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