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24.01.2003

06:00 Uhr

Ausschüttungen bleiben häufig aus

Kaum ein Fonds erhält im Test der Experten Bestnoten

Eine Checkliste soll verhindern, dass Windpark-Anleger ihr Geld abschreiben müssen.

rrl DÜSSELDORF. "Am häufigsten beschweren sich Anleger eines Windkraftfonds, weil Ausschüttungen ausbleiben", sagt Jens Wolters, -Peter Vorsitzender des Anlegerbeirates beim Bundesverband Windenergie e.V. (BWE). Der Verband, bei dem Windradhersteller, Fondsanbieter, Planer und Privatpersonen Mitglieder sind, will mit seinem Ratgeber "Mit einer grünen Anlage schwarze Zahlen schreiben" verhindern, dass Anleger eines Windkraftfonds ihr Geld in den Wind schreiben müssen.

Nach einer Checkliste vergibt der Verband Position für Position Noten, die höchste - drei Sterne - dafür, dass ein Fonds die Vorgaben des BWE übertrifft. Mit zwei Sternen wird die Einhaltung der Mindestkriterien belohnt; einen gibt es, wenn die unterschritten sind, ohne dass damit erhöhte Risiken verbunden sind. Auf besondere Risiken wird mit einem Ausrufezeichen aufmerksam gemacht. So gibt es zwei Sterne, wenn zwei Windgutachten vorliegen. Aber, ergänzt Jens Wolters, -Peter "dann sollten Anleger darauf achten, dass die Gutachten auf verschiedenen Messmethoden basieren und der Fondsanbieter aus Vorsichtsgründen der Prognoserechnung das Gutachten mit dem niedrigsten Ertrag zu Grunde legt."

Weitere Mindestanforderungen lauten: Der Hersteller muss garantieren, dass die Anlage mindestens über fünf Jahre zu 96 bis 98 Prozent verfügbar ist, was eine geringe Reparaturanfälligkeit voraussetzt. Der Sicherheitsabschlag vom ermittelten Windertrag sollte mindestens sieben bis zehn Prozent betragen. "Wenn der Ertrag nach einem Simulationsverfahren per Computer ermittelt wurde, ist - je nach Gelände - von einer typischen Unsicherheit zwischen zehn und 25 Prozent auszugehen", sagt Wolters.

Die Investitionskosten je Kilowattstunde Jahresertrag sollen sich zwischen 64 und 71 Cent bewegen, und zwar einschließlich der vom Anleger zu bezahlenden Nebenkosten wie ein Agio. Nur so haben Anleger eine Chance, Fondsanbietern auf die Schliche zu kommen, die vor allem in die eigenen Taschen wirtschaften wollen. Wie in der Praxis getrickst wird, beschreibt Alexander Krueger, dessen Firma Antana Beteiligungen im Bereich neue Energien hält: "Anbieter von Windkraftanlagen kaufen Windräder zu Großhandelspreisen. Dann wird am Beteiligungsmarkt ausgelotet, zu welchen Preisen man noch wettbewerbsfähig ist und entsprechend wird auf den Listenpreis aufgeschlagen. Aufschläge von zehn Prozent sind dabei durchaus üblich."

Wenigstens 13 Prozent vom Umsatz will der BWE für Wartung, Instandhaltung und Reparaturen zurückgestellt sehen. Drei Sterne vergeben die Tester, wenn es über 17 Prozent sind; ebenso viele wenn Ausschüttungen von mehr als 280 Prozent der Einlage über 20 Jahre zu erwarten sind. Weniger als 250 Prozent werden mit einem Stern bestraft. Wichtig ist dem BWE auch ein Anlegerbeirat. Er sollte in seinen Kontrollmöglichkeiten einem Aufsichtsrat vergleichbar sein, sagt Wolters. "Ein Beirat ist kein Gremium für Selbstdarsteller. Die Mitglieder sollten Erfahrungen mit Windenergie mitbringen."

Dass die BWE-Kriterien keineswegs leicht zu erfüllen sind, zeigen die ersten in der Verbandszeitschrift "Neue Energie" veröffentlichten Tests: Kein Fonds erreichte in allen Kriterien zwei Sterne.

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