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14.01.2003

09:20 Uhr

Ausschuss von Handel und Industrie trifft weit reichende Entscheidung

Tomra-System soll bundesweit Einwegpfand regeln

VonChristoph Schlautmann

Seit Montag ist klar, welcher der vier konkurrierenden Anbieter bei der Rücknahme von Einweg-Getränkeverpackungen in Deutschland das Rennen macht: Nach zähem Ringen einigten sich Handel und Industrie auf das Sicherheitssystem des norwegischen Weltmarktführers Tomra.

DÜSSELDORF. Das Rücknahmesystem der norwegischen Automatenfirma Tomra Systems ASA soll nach dem Willen von Handel und Industrie das Pflichtpfand auf Dosen und Einwegflaschen einheitlich regeln. Gestern einigten sich die Großen aus Handel und Industrie nach Angaben aus Verhandlungskreisen darauf, das bereits in Skandinavien und einigen US-Bundesstaaten praktizierte Rücknahmesystem der Norweger auch in Deutschland einzusetzen. Das Geschäft hat einen Wert von jährlich 500 Mill. Euro.

Zuvor hatten Vertreter von Rewe, Coca-Cola, Metro, Edeka und weiteren im Getränkegeschäft aktiven Konzernen im technischen Ausschuss der Berliner Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt (AGVU) um das Sicherheitssystem gerungen. Es soll ab Oktober bundesweit die Pfandauszahlung auf Dosen und Einwegflaschen garantieren. Offiziell soll das Ergebnis der Sitzung aber erst am 24. Januar vom AGVU-Exekutivausschuss verkündet werden.

"Am Ende war für uns die Verfügbarkeit der Rücknahmetechnik entscheidend", hieß es gestern in Verhandlungskreisen. Ohne den Zeitdruck, die bundesweite Rücknahme schon bis zum Herbst zu organisieren, hätte wahrscheinlich eher das konkurrierende System der Deutschen Pfand AG das Rennen gemacht. Die 100-prozentige Tochter der RWE Umwelt AG hatte die Dosen und Einwegflaschen mit fortlaufenden Ziffern beschriften wollen, die beim Einwurf der Getränkebehälter in den Müllcontainer automatisch mit einer Computer-Datenbank abgeglichen werden sollten.

Das Pfandguthaben hätte der Betreiber dem Kunden auf die EC- oder Kreditkarte gebucht. Doch dazu wird es nicht kommen. "Es wäre ein zu unsicheres Experiment gewesen", berichten Insider. Stattdessen setzen Handel und Industrie nun beim Leergut auf einen Mix von Sicherheitschecks: Automatisch geprüft wird künftig die Verpackungsform, das Gewicht, der Strichcode und eine nur unter UV-Licht sichtbare Farbmarkierung. Exakt nach dieser Methode verfahren die Rücknahmegeräte von Tomra. Allein eine Prägung am Dosendeckel kommt für Tomra als zusätzliches Sicherheitsmerkmal hinzu.

Ein Hersteller-Monopol soll es dennoch nicht geben. Auch andere Automatenhersteller seien in der Lage, solche Geräte zu liefern, sagte ein Verhandlungsteilnehmer. Und auch die mit Millionenaufwand entwickelten Sicherheitsetiketten von Bundesdruckerei und Giesecke & Devrient, die zunächst nicht zum Einsatz kommen, will man in der Hinterhand behalten. "Falls es trotz der empfohlenen Sicherheitsstandards weiterhin zu Betrugsfällen kommt", so ein AGVU- Insider, "können wir die Label-Lösung, wie sie die Systemanbieter VfW und Trinkpack vorgeschlagen haben, relativ einfach nachschieben." VfW und Trinkpack waren neben der Deutschen Pfand die beiden anderen Tomra-Konkurrenten.

Die Tomra-Aktie legte am Montag um rund 9 % zu.

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