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23.06.2000

16:56 Uhr

Außenminister Fischer äußert sich in Kiew zuversichtlich, daß die zusätzlichen Mittel aufgebracht werden können

Ukraine erwartet mehr Geld für Stilllegung Tschernobyls

reuters KIEW. Bundesaußenminister Joschka Fischer hat sich bei seinem Besuch in der Ukraine optimistisch geäußert, dass der Westen zusätzliche Gelder zur Sicherung des zerstörten Reaktors im Atomkraftwerk Tschernobyl aufbringt. Die Entscheidung der Ukraine, das Kraftwerk am 15. Dezember endgültig stillzulegen, habe die Chancen für weitere Finanzhilfen verbessert, sagte Fischer am Freitag in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Er hoffe, dass die internationale Geberkonferenz für dieses Projekt am 5. Juli in Berlin zu einem Erfolg werden.

An der Konferenz werden nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin Vertreter von 40 bis 50 Staaten teilnehmen. Die Ukraine wird durch Ministerpräsident Viktor Juschtschenko vertreten. Von der deutschen Regierung nehmen Fischer und Bundesumweltminister Jürgen Trittin teil. Der Betonmantel um den 1986 explodierten Reaktor soll den Austritt radioaktiven Materials verhindern. Der geschmolzene Reaktorkern wurde kurz nach dem Unglück in diesen Sarkophag eingeschlossen, der inzwischen aber nicht mehr als sicher gilt.

Der ukrainische Außenminister Boris Tarasjuk bezifferte die Kosten für die Erneuerung des brüchigen Betonmantels um den explodierten Reaktor auf 768 Mill. $ (rund 1,6 Mrd. DM). Davon stünde die Hälfte schon zur Verfügung. Die Geberkonferenz müsse noch den Rest aufbringen.

Die Finanzierung der Sicherung des Betonmantels ist jedoch nur ein Bruchteil der gesamten anfallenden Kosten für die Stilllegung des Kraftwerks. Hinzu kommt der Abbau des Kraftwerks, die Schaffung sicherer Lagermöglichkeiten, der Bau alternativer Reaktoren zur Gewährleistung der Energieversorgung des Landes sowie Abfindungen für die Tschernobyl-Mitarbeiter. Dies würde sich nach Expertenschätzungen auf umgerechnet insgesamt vier Mrd. DM summieren.

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