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18.01.2002

10:58 Uhr

Aussicht auf Dialog nach US-Vermittlungsmission

Entspannung zwischen Indien und Pakistan

Nach der Vermittlungsmission von US-Außenminister Colin Powell wollen Indien und Pakistan mit friedlichen Mitteln an einer Lösung des Kaschmir-Konflikts arbeiten. Powell sagte am Freitag nach einem Treffen mit dem indischen Ministerpräsidenten Atal Bihari Vajpayee in Neu-Delhi, beide Seiten seien auf dem Weg zur Wiederaufnahme eines Dialogs.

ap NEU-DELHI. Der pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf äußerte sich in Islamabad ebenfalls zuversichtlich, dass ein Krieg vermieden werden könne.

Powell sagte, die Regierungen in Indien und Pakistan hätten ihm versichert, dass ein Dialog möglich sei. Er sei sehr optimistisch, dass eine Lösung für die beunruhigende Lage gefunden werde. Der indische Verteidigungsminister George Fernandes äußerte ebenfalls Zuversicht. Angesichts der jüngsten Entwicklung sei er von einer Lösung der Krise überzeugt, sagte er am Donnerstag in Washington nach einem Treffen mit US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.

Erstmals seit Beginn der Krise vor fünf Wochen äußerte sich auch Musharraf zuversichtlich. Auf einer Versammlung religiöser Führer sagte er, er glaube nicht, dass es Krieg gebe. Gleichzeitig betonte er aber, im Falle eines indischen Angriffs werde Pakistan entschieden reagieren. Vor den Geistlichen warb der General um Unterstützung für die Bekämpfung des Extremismus.

Indien macht Pakistan für den Überfall auf das indische Parlament verantwortlich, bei dem Mitte Dezember 14 Menschen getötet wurden. Neu-Delhi verlangt von Islamabad die Auslieferung von 20 Personen, die für den Anschlag verantwortlich sein sollen. Musharraf lehnt dies im Fall der sechs pakistanischen Staatsbürger ab, hat aber eine Überstellung der 14 Inder nicht ausgeschlossen. Powell sagte am Freitag, Indien habe Pakistan und der US-Regierung weitere Indizien für die Beteiligung der 20 Personen vorgelegt. Er hoffe, dass Musharraf darauf angemessen reagieren werde.

Musharraf hat vor einer Woche fünf militante islamische Organisationen verboten. Seitdem wurden in Pakistan fast 2.000 mutmaßliche Extremisten festgenommen. Der indische Außenminister Jaswant Singh begrüßte diese Entwicklung am Freitag, betonte aber, vor einem Truppenrückzug wolle Indien weitere Taten sehen. Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit 1947 drei Kriege gegeneinander geführt. Derzeit sind entlang der Grenze hunderttausende Soldaten in höchster Alarmbereitschaft. Im Zentrum des Konflikts steht die geteilte Himalaya-Region Kaschmir. Neu-Delhi wirft Islamabad vor, die Rebellen in der vorwiegend von Moslems bewohnten Region zu unterstützen.

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