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14.06.2000

18:18 Uhr

Aussöhnung und Zusammenarbeit

Nord- und Südkorea schließen Abkommen

Nach mehr als einem halben Jahrhundert Krieg und Kaltem Krieg haben Nord- und Südkorea die Weichen für eine mögliche Wiedervereinigung gestellt.

dpa SEOUL/PJÖNGJANG. Beide Staaten schlossen am Mittwoch in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang ein Abkommen über Aussöhnung und Zusammenarbeit. Der Vertragstext wurde am Abend nach südkoreanischen Medienberichten aus Pjöngjang vom südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il nach einer zweiten Gesprächsrunde unterzeichnet.

Beide Staatsmänner einigten sich bei ihrem historischen Treffen nach Angaben eines südkoreanischen Regierungssprechers auf vier wesentliche Fragen. Dazu gehörten Schritte zur möglichen Wiedererlangung der nationalen Einheit, Entspannung auf der Halbinsel und die Zusammenführung von Familien, die durch die Teilung der Halbinsel 1945 und den Bürgerkrieg getrennt wurden. Auch wurde Übereinstimmung bei der Zusammenarbeit im wirtschaftlichen und sozialen Bereich erzielt.

Seit dem Ende des Korea-Krieges (1950-53) befinden sich beide Koreas technisch gesehen immer noch im Kriegszustand. Die Unterzeichnung eines Grundlagenvertrages über Aussöhnung und Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten im Dezember 1991 galt bereits als Durchbruch. Doch wurde dessen Umsetzung durch die fortgesetzten Spannungen auf der Halinsel stets behindert.

Der südkoreanische Präsident nannte den Gipfel, der an diesem Donnerstag endet, einen Erfolg und lud Kim Jong Il zu einem Gegenbesuch in Seoul ein. "Ich zolle den tiefsten Respekt für Kim Jong Il und die nordkoreanische Bevölkerung zum erfolgreichen Abschluss", sagte Kim bei einem Abendessen. Das knapp drei Stunden dauernde Gespräch der beiden Staatschefs zuvor wurde vor laufender Kamera in sichtbar entspannter Atmosphäre eingeleitet. Kim Jong Il hatte vor sechs Jahren die Nachfolge seines Vaters und langjährigen Diktators Kim Il Sung angetreten.

Präsident Kim Dae Jung war am Dienstag als erster Staatschef seines Landes in das kommunistische Nachbarland geflogen. Bei seiner Ankunft auf dem Flughafen wurde er überraschend von Kim Jong Il mit Handschlag empfangen. Auf der anschließenden gemeinsamen Fahrt in die Innenstadt von Pjöngjang säumten Hunderttausende jubelnder Nordkoreaner den Straßenrand. Das erste Gipfeltreffen zwischen beiden Koreas hatte bereits am Montag beginnen sollen, wurde jedoch auf Nordkoreas Wunsch hin aus "technischen Gründen" um einen Tag verschoben.

Als Gegenleistung für umfassende Wirtschaftshilfen hatte Seoul vor dem Gipfeltreffen von Nordkorea den Verzicht auf den Bau von Langstreckenraketen und die Einhaltung gegebener Versprechen zum Stopp seines umstrittenten Atomprogramms gefordert. Das wirtschaftlich angeschlagene Nordkorea ist seit Jahren nach einer Reihe von Naturkatastrophen auf Nahrungshilfe von außen angewiesen.

Am Mittwoch hielten die südkoreanischen Minister für Finanzen, Kultur und Wiedervereinigung, die Präsident Kim begleiten, separate Gespräche mit nordkoreanischen Vertretern. Am Donnerstag wollte die Delegation, der auch 50 südkoreanische Journalisten angehören, über den Landweg nach Seoul zurückfahren.

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