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26.01.2003

13:04 Uhr

Australian Open

Schüttler geht im Finale unter

Der deutsche Tennis-Profi hatte gegen Agassi keine Chance und verlor deutlich. Navratilova und Serena Williams schreiben hingegen Geschichte.

dpa MELBOURNE. Rainer Schüttler ging ausgerechnet am größten Tag seiner Karriere mit einem Negativ-Rekord in die Tennis-Annalen. Martina Navratilova und Serena Williams feierten bei den Australian Open in Melbourne dagegen geschichtsträchtige Triumphe. Altmeister Andre Agassi zerstörte am Sonntag gegen Schüttler in nur 76 Minuten beim 6:2, 6:2, 6:1 die zarten Hoffnungen auf den ersten deutschen Grand-Slam-Triumph seit Boris Beckers zweitem Erfolg 1996. Der 32- jährige Amerikaner feierte bei seinem 50. Grand-Slam-Auftritt seinen vierten Titel in Australien nach 1995, 2000 und 2001 sowie seinen achten insgesamt.

"Er war einfach zu gut für mich. Das Finale habe ich mir mit Sicherheit anders vorgestellt", sagte Schüttler nach seinem ersten Grand-Slam-Endspiel. "Aber ich habe nicht gegen irgend jemanden verloren. Er ist im Moment der beste Spieler der Welt. Wenn ich in ein paar Wochen zurück blicke, werde ich auf keinen Fall enttäuscht sein." Der 26-jährige Bad Homburger ist nun Teilhaber einer ebenso traurigen wie alten Bestmarke: 1923 und 1926 gewannen die Final- Verlierer in "down under" ebenfalls nur fünf Spiele.

"Andre war in diesem Turnier in unglaublicher körperlicher Verfassung. So gut habe ich ihn selten spielen sehen", sagte Steffi Graf der dpa. Weniger begeistert ist die 33-Jährige aber nach wie vor von der Idee ihres Mannes, wegen einer Wette mit ihr bei den French Open ein Comeback im Mixed zu wagen.

"Das wird hoffentlich der größte Ärger sein, den wir in den nächsten 50 Jahren haben", erklärte Agassi. Vier Monate nach seiner Final-Niederlage gegen Landsmann Pete Sampras bei den US Open genoss er seinen Triumph. "Man weiß nie, wann der letzte kommt", sagte der Glatzkopf. Agassi erhielt nach seinem 14. Grand-Slam-Finale einen Scheck über umgerechnet 620 000 ?. Schüttler darf sich mit der Hälfte und dem erstmaligen Aufstieg in die Top 20 der Welt trösten. Er reist zunächst in seine Schweizer Wahlheimat zurück und stößt erst Mitte der Woche zum Trainingslager des Daviscup-Teams in Florida. Vom 7. bis 9. Februar folgt dann das schwere Erstrundenmatch in Argentinien, wo Thomas Haas und Nicolas Kiefer verletzt fehlen.

Tennis-Legende Martina Navratilova brach einen weiteren Rekord und stellte sogar den "Serena Slam" in den Schatten. Mit ihrem Erfolg im Mixed ist die gebürtige Pragerin im Alter von 46 Jahren, drei Monaten und acht Tagen der älteste Champion in der 126-jährigen Grand-Slam- Historie. "Ich bin überwältigt. Das übertrifft meine wildesten Träume", sagte die Amerikanerin nach dem 6:4, 7:5-Sieg an der Seite ihres indischen Partners Leander Paes gegen das australisch- griechische Duo Tood Woodbridge und Eleni Daniilidou.

Durch ihren insgesamt 57. Grand-Slam-Erfolg hat Martina Navratilova nun alle Wettbewerbe bei den vier wichtigsten Turnieren gewonnen. Der achte Mixed-Titel - neben 18 im Einzel und 31 im Doppel - war ihr erster in dieser Konkurrenz in Melbourne und der letzte bei einem Grand-Slam-Turnier, der in ihrer Sammlung noch fehlte. "Gegen Martina und Leander hätten wir keine Chance", sagte Graf-Gatte Agassi mit Blick auf seine Wette.

Serena Williams gelang es am Samstag durch das 7:6 (7:4), 3:6, 6:4 über ihre Schwester Venus als erster Spielerin seit Steffi Graf (1993/94), alle vier Grand-Slam-Turniere nacheinander zu gewinnen. "Das haben nur eine Hand voll Leute geschafft. Es ist ein superaußergewöhnliches Gefühl, mit ihnen gemeinsam erwähnt zu werden", sagte die Nummer eins der Welt. Das Dach der Rod-Laver-Arena blieb bei 44 Grad Celsius im Schatten am heißesten Tag in Melbourne seit 1939 geschlossen. Drinnen zitterte die 21-jährige Amerikanerin beim vierten Grand-Slam-Finale hintereinander gegen ihre Schwester lange um den Sieg. Das elfte Familien-Duell war das bisher beste.

Serena Williams ist die fünfte Spielerin, die alle vier großen Titel gleichzeitig hält. Der "echte" Grand Slam binnen eines Kalenderjahres gelang der Amerikanerin Maureen Connolly (1953), der Australierin Margaret Court (1970) und Steffi Graf (1988), die zusätzlich Olympiasiegerin wurde und damit als einzige den so genannten "Golden Slam" schaffte. Über die Jahreswende gelang dies außer Steffi Graf bisher nur Martina Navratilova (1983/84).

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