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20.03.2003

15:59 Uhr

Auswirkungen auf Ölpreis und Euro

EZB betont Handlungsbereitschaft nach Kriegsbeginn

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit Blick auf den begonnenen Irak-Krieg und dessen ungewisse Auswirkungen auf die Wirtschaft ihre grundsätzliche Handlungsbereitschaft unterstrichen.

Reuters FRANKFURT. Die EZB habe die wirtschaftliche Lage vor dem Hintergrund der angespannten geopolitischen Situation neu erörtert und sei bereit, erforderlichenfalls Maßnahmen zu ergreifen, teilte die Notenbank am Donnerstag nach der Sitzung des EZB-Rates mit. Der Einfluss des Irak-Konflikts auf die Weltwirtschaft könne sehr unterschiedlich ausfallen. "Deshalb ist es gegenwärtig nicht möglich, die kurz- bis mittelfristigen Auswirkungen auf das Euro-Währungsgebiet endgültig zu beurteilen." Analysten rechnen mit weiteren Zinssenkungen der EZB im April oder Mai. Nur wenn es zu einer Krisensituation für Banken und Finanzmärkte käme, seien spontane konzertierte Aktionen der Notenbanken denkbar.

Die USA hatten am frühen Morgen mit offenbar gezielt gegen Präsident Saddam Hussein gerichteten Luftangriffen einen neuen Irak-Krieg begonnen. Die Folgen des Krieges für die Konjunktur hängen maßgeblich von seiner Dauer und der Situation in Nahost nach einem Ende des Militärkonflikts ab. Bei einer langwierigen Auseinandersetzung erwarten Volkswirte hohe Ölpreise und eine weitere Aufwertung des Euro. Beides würde die derzeit schwache Konjunktur der Euro-Zone von einer Erholung abhalten. Die EZB wird nach Einschätzung vieler Volkswirte die Leitzinsen nochmals senken, wenn die Konjunktur stagnieren und die Inflation noch weiter zurückgehen sollte. Erst vor zwei Wochen hatte die Notenbank den Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf 2,50 % reduziert. Angesichts der schwachen Konjunktur gebe es Spielraum für eine weitere Lockerung um mindestens 25 Basispunkte, sagte Volkswirtin Elga Bartsch von Morgan Stanley. "Wir erwarten nach der letzten Pressekonferenz und dieser Erklärung bis zu 75 Basispunkte."

"Die EZB ist genauso wie die Fed in Wartestellung", sagte Thomas Mayer, Volkswirt von der Deutschen Bank. Selbst wenn der Krieg nach ein, zwei Monaten beendet sei, seien noch nicht alle Hindernisse für die Konjunkturerholung aus dem Weg geräumt. Mayer erwartet deshalb eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte - aber erst im Mai, wenn es ein klareres Bild gebe. Die EZB werde abwarten, ob sich an den Frühindikatoren ein noch schlimmerer Stimmungseinbruch in der Wirtschaft ablesen lasse, vermutete Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Schon mit der Zinssenkung im März habe die EZB abgewartet, bis sie sicher war, dass Wachstum und Inflation 2003 niedriger ausfallen würden als angenommen, stimmte Michael Schubert von der Commerzbank zu.

Eine spontane Zinssenkung oder ein koordiniertes Vorgehen mit der US-Notenbank können sich die Volkswirte nur vorstellen, wenn es im Verlauf des Krieges zu extremen Krisensituationen käme, die mit dem 11. September vergleichbar wären. Alle Notenbanken hätten ihre Alarmbereitschaft verdeutlicht, sagte Schubert. "Bei einer extremen Vertrauenskrise kann es auch eine konzertierte Aktion geben."

In einem solchen Fall müssten die Banken in kürzester Zeit mit Geld versorgt werden. Die EZB versicherte: "Die Finanzmärkte können davon ausgehen, dass auch unter außergewöhnlichen Umständen ausreichend Liquidität bereitgestellt wird, wie dies in der Vergangenheit der Fall war." Die Notenbank hatte nach den Anschlägen vom 11. September den Banken zusätzlich Geld und Devisen bereitgestellt, als nach dem Einsturz des World Trade Center in New York viele Handelssysteme ausgefallen waren.

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