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04.04.2003

14:30 Uhr

Auswirkungen des Irak-Krieges

DFS rechnet mit Einbruch des Flugverkehrs

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) rechnet wegen des Irak-Krieges im laufenden Jahr mit einem Einbruch des Flugverkehrs in Deutschland von elf Prozent.

Reuters FRANKFURT. "Unser schlimmstes Szenario war ein langer Krieg, und dies scheint einzutreffen", sagte DFS-Sprecherin Ute Otterbein am Freitag. Die DFS gehe nach entsprechenden Aussagen der US-Streitkräfte mittlerweile von einer Kriegsdauer zwischen drei Monaten und einem Jahr aus, die einen "nachhaltigen Rückgang" des Flugverkehrs und möglicherweise auch Anschläge mit sich bringen werde. Zahlen zur Flug-Entwicklung seit Kriegsbeginn lägen allerdings noch nicht vor. Die DFS überwacht den Luftraum über Deutschland und einigen angrenzenden Gebieten.

Die DFS rechne derzeit mit einen Umsatz-Rückgang von 100 Mill. ? wegen des Irak-Krieges und bereite sich auf die Einführung von Kurzarbeit vor, kündigte das Unternehmen in Langen bei Frankfurt an. Die Summe entspreche zehn Prozent des Unternehmensbudgets und müsse in voller Höhe eingespart werden. Die 2003 geplanten Investitionen seien bereits drastisch zusammengestrichen worden. Außerdem habe die DFS einen Einstellungsstopp verhängt und Mitarbeiter-Zulagen gekürzt. Über weitere Kürzungen werde mit der Arbeitnehmervertretung verhandelt, um betriebsbedingte Kündigungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Fluglotsen indes seien von den Sparmaßnahmen praktisch ausgenommen, weil nicht an der Sicherheit gespart werden solle.

Die DFS habe bereits im Winter unterschiedliche Szenarien für die Auswirkungen einen Irak-Krieges auf den Flugverkehr entwickelt, sagte Otterbein. Danach komme es bei einem Krieg zwischen vier und sechs Wochen zu einer "vorübergehenden Verunsicherung" und bei einem Krieg von bis zu zwölf Wochen zu einer "hohen Verunsicherung" im Flugverkehr. Im schlimmsten Falle sei mit einer Kriegsdauer von bis zu einem Jahr zu rechnen, die einen massiven Einbruch der Flugzahlen auslösen dürfte. Der Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak-Krieg, General Tommy Franks, hatte Ende März nicht ausgeschlossen, dass sich der Krieg bis zum Sommer hinziehen könnte.

Die DFS finanziert sich über Flugsicherungsgebühren, die die Fluggesellschaften nach Zahl der Flüge und Gewicht der Flugzeuge bezahlen. Als "Non-Profit-Unternehmen" darf die DFS allerdings in guten Jahren keine Rücklagen bilden, sondern muss Überschüsse über niedrigere Gebühren im Folgejahr zurückzahlen. Das Unternehmen hat dies immer wieder bemängelt, weil in schlechten Zeiten die gleich bleibenden Kosten für die DFS auf weniger Flüge umgelegt werden müssen und dadurch automatisch die Gebühren steigen. Die ehemalige Behörde ist seit rund zehn Jahren privatrechtlich organisiert, gehört aber weiter dem Bund. Bei der DFS arbeiten 5500 Menschen, darunter etwa 1700 Lotsen.

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