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29.02.2012

23:33 Uhr

GM beteiligt sich an PSA

Der Peugopel kommt

Opel-Modelle können künftig auf der gleichen Plattform wie Peugeots gebaut werden. Die Opel-Mutter General Motors schmiedet eine Allianz mit dem angeschlagenen französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën.

Das Peugeot-Logo und das der Opel-Mutter General Motors. AFP

Das Peugeot-Logo und das der Opel-Mutter General Motors.

ParisDie strauchelnden Autokonzerne General Motors und der französische Rivale PSA (Peugeot) suchen Halt in einer engen Allianz. Dazu steigt die amerikanische Opel-Mutter GM im Zuge einer Kapitalerhöhung mit sieben Prozent bei dem französischen Autobauer ein. Das teilten die beiden Unternehmen am Mittwochabend mit. Im Zusammenhang mit der Allianz werde PSA Peugeot Citroën über eine Kapitalerhöhung rund eine Milliarde Euro erlösen. Dabei erhielten die Aktionäre von PSA Peugeot Citroën bevorrechtigte Bezugsrechte.

Für GM bedeutet der Einstieg bei PSA eine strategische Kehrtwende. Denn der PSA-Konzern ist in Europa mit Marken wie Peugeot und Citroën stark präsent. Doch dort setzte das US-Unternehmen bislang auf die 100-prozentige Tochter Opel und deren Schwestermarke Vauxhall.

An der Wall Street reagierte der Handel auf die neue Allianz. Nach anfänglichen Gewinnen standen die Anteilsscheine von General Motors auf den Verkaufslisten der Börsianer. Die GM-Aktie ließ am Mittwoch 0,5 Prozent Federn.

Kommentar: Eine fragwürdige Idee von GM und PSA

Kommentar

Eine fragwürdige Idee von GM und PSA

Der Einstieg des weltgrößten Autobauers GM beim französischen Konkurrenten Peugeot löst nicht das grundlegende Problem beider Konzerne: Sie bauen zu viele Autos in Europa.

„Diese Partnerschaft bedeutet enorme Möglichkeiten für beide Unternehmen“, sagte GM-Vorstandschef Dan Akerson. Die zu erwartenden Synergien aus der Kooperation würden langfristig das Europa-Geschäft des Unternehmens auf einen Pfad zu Profitabilität bringen. Nach fünf Jahren soll sich die jährliche Einsparung für die beteiligten Unternehmen auf zwei Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) belaufen.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Die Kooperation sehe vor, dass beide Konzerne weltweit auf gemeinsame Fahrzeugplattformen zugreifen können, hieß es in der Mitteilung. Dadurch sollten höhere Stückzahlen in der Produktion erreicht werden, wohl etwa durch den Einsatz gleicher Teile in Modellen beider Konzerne. Zu Beginn soll sich die Zusammenarbeit vor allem auf kleinere Fahrzeuge beschränken. Im Jahr 2016 soll das erste Auto auf einer gemeinsamen Plattform produziert werden.

Auch der Einkauf wird gebündelt werden, was die zweite Säule der Kooperation bildet. Nach eigenen Angaben kaufen beide Konzerne zusammen jährlich für 125 Milliarden Dollar (94 Milliarden Euro) Rohstoffe, Teile und Dienstleistungen ein.

Allianz von GM und PSA: Opels Zukunft ist ungewiss - schon wieder

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Opels Zukunft ist ungewiss - schon wieder

Was die neue Kooperation des eigenen Mutterkonzerns GM und Peugeot für Opel bedeutet, ist noch unsicher. Immer wieder stand der kriselnde Autobauer aus Rüsselsheim in den letzten Jahren vor dem Aus.

„Diese Allianz ersetzt nicht unsere anhaltenden Bemühungen, unser Europageschäft profitabel zu machen“, sagte Akerson in einer Telefonkonferenz. GM-Strategiechef Stephen Girsky ergänzte, die Allianz sei ein „weiteres Werkzeug im Werkzeugkasten“. Das europäische Arbeitnehmerforum von GM sieht „Chancen und Risiken“ für Opel und Vauxhall. Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug erklärte, entscheidend sei, „welche Freiheitsgrade“ die beiden GM-Töchter bei der Ausgestaltung der weiteren Verträge mit PSA hätten.

Zu möglichen Werksschließungen oder einem Stellenabbau äußerten sich beide Firmen am Mittwoch nicht. Frankreichs Industrieminister Eric Besson erklärte aber, PSA habe zugesagt, das Vorhaben sei mit Blick auf Arbeitsplätze positiv. Die Allianz berühre nicht die Produktionsaktivitäten von GM und PSA.

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