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14.01.2015

16:27 Uhr

Ölpreis fällt

Ein Liter Diesel wieder unter 1 Euro

0,999 Euro pro Liter Diesel: Erstmals seit Jahren ist der Treibstoffpreis unter die Grenze von einem Euro gerutscht. Zwei Tankstellen in Elmshorn machen den Anfang – im Mittel ist der Sprit jedoch teurer.

Von der Meldestelle bestätigt: Der Liter Diesel unter einem Euro. screenshot

Von der Meldestelle bestätigt: Der Liter Diesel unter einem Euro.

Düsseldorf, MünchenTanken mit einer Null vor dem Komma – für Autofahrer in Deutschland ist das nach Jahren wieder möglich. Seit März 2009 gab es Diesel nicht mehr für unter einen Euro. Am Mittwochnachmittag setzten zwei Tankstellen im norddeutschen Elmshorn den Abwärtstrend konsequent fort, die Anzeigen fielen im Hamburger Vorort laut offiziellen MTS-K-Zahlen auf „Clever-Tanken.de“ bei HEM und Jet auf 0,999 Euro.
Leserberichte, dass der Dieselpreis bereits am Vortag für Stunden unter einen Euro gefallen sei, konnte der HEM-Betreiber Deutsche Tamoil auf Anfrage des Handelsblatts nicht bestätigen.

Allerdings ist im bundesweiten Durchschnitt die Grenze noch ein ganzes Stück entfernt: Nach Berechnungen des ADAC kostet der Liter Diesel derzeit im Schnitt 1,128 Euro, 3,3 Cent weniger als noch vor einer Woche. Doch bis der Dieselpreis auch im überregionalen Mittel unter 1 Euro falle, müsse „der Ölpreis noch weiter deutlich nachgeben“, sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel am Mittwoch in München.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Denn auch wenn Diesel derzeit an einigen Tankstellen kaum mehr als 1 Euro kostet, wird an anderen Orten noch deutlich mehr fällig. Wie beim Benzin schwanken die Preise je nach Wochentag, Tageszeit und Region ganz erheblich. Auch deswegen lassen sich Trends vor allem am Durchschnittspreis ablesen. Der weist auch für Benzin nach unten. Derzeit werden laut ADAC für den Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt 1,262 Euro fällig. Vor einer Wochen waren es noch 1,275 Euro.

Dank des Preisverfalls beim Erdöl in der zweiten Hälfte 2014 hatten die Autofahrer bereits im vorigen Jahr durchschnittlich so günstig getankt wie seit vier Jahren nicht mehr - für 1,493 Euro je Liter E10 und für 1,350 je Liter Diesel. Rekordwerte wie 2012, als der Benzinpreis zeitweise auf 1,70 Euro stieg, liegen in weiter Ferne.

Allerdings muss man auch für einen Dieselpreis von einem Euro recht weit zurückschauen. Den Daten des ADAC zufolge rutschte der Kraftstoff zuletzt am 23. März 2009 im bundesweiten Schnitt unter die 1-Euro-Grenze.

Auch damals kam den Autofahrern der niedrige Ölpreis zugute. Im Monatsdurchschnitt kostet Diesel jedoch bereits seit ziemlich genau zehn Jahren mehr als 1 Euro je Liter. Vor 20 Jahren kostete der Liter umgerechnet noch 57 Cent.

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