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13.04.2012

11:20 Uhr

1.4-TSI-Motor

VW bestätigt Motorschäden durch Produktionsfehler

VonSebastian Schaal

Volkswagen hat im Zusammenhang mit Motorschäden bei einem der beliebtesten Benzinmotoren einen Produktionsfehler eingeräumt. Eine Rückrufaktion planen die Wolfsburger aber deswegen nicht.

Licht und Schatten: Der VW Touran ist ein beliebtes Modell, bei ihm traten aber auch laut "Auto Bild" die meisten Steuerketten-Probleme auf. Volkswagen

Licht und Schatten: Der VW Touran ist ein beliebtes Modell, bei ihm traten aber auch laut "Auto Bild" die meisten Steuerketten-Probleme auf.

DüsseldorfBei dem Fachmagazin "Auto Bild" sind viele Beschwerden der Leser über Motorschäden an ihren Volkswagen-Modellen eingegangen, besonders betroffen ist der beliebte 1,4-Liter-Benzindirekteinspritzer mit Turboaufladung. Jetzt hat sich VW erstmals dazu geäußert und einen Produktionsfehler eingeräumt.

Das Problem: Bei den Fahrzeugen mit unterschiedlicher Laufleistung war die Steuerkette übergesprungen, ein mehrere tausend Euro teurer Motorschaden die Folge. Die Steuerkette verbindet im Motor die Kurbelwelle mit der Nockenwelle. Springt sie über, werden die Ventile nicht mehr synchron zur Kolbenbewegung geschlossen. Dann können die Ventile im Zylinder mit dem Kolben zusammenstoßen - was zum totalen Motorschaden führen kann. Im Gespräch mit der "Auto Bild" haben die VW-Ingenieure jetzt eine Erklärung für das Überspringen geliefert.

Die Kettenschäden bei dem mehr als zwei Millionen Mal verkauften 1.4 TSI seien auf einen Produktionsfehler bei einem Zulieferer zurückzuführen, schreibt das Magazin. Der Lieferant habe die Stanzwerkzeuge, mit dem die Löcher in den einzelnen Kettengliedern ausgestanzt werden, über die Verschleißgrenze hinaus verwendet. Daher wären bei den betroffenen Bauteilen die Löcher nicht präzise genug ausgestanzt - die überstehenden Grate würden dann in der Folge zu einem "abrasiven Verschleißeintrag" führen. Die Kette leiert aus, kostspielige Motorschäden können die Folge sein.

Tipps für ein langes Auto-Leben

Öl regelmäßig wechseln

Autobauer geben vor, wie oft das Öl des eigenen Fahrzeugs gewechselt werden muss. Auch welche Sorte und Viskosität die richtige ist, findet man in den Hersteller-Informationen. An diese Vorgaben sollten sich Fahrzeugbesitzer dringend halten, denn Motoröl schmiert nicht nur - auch Metallpartikel und Verbrennungsrückstände lagern sich mit der Zeit darin ab.

Inspektionen nach Wartungsplan

Bei Inspektionen sollten die Wartungspläne des Herstellers genau eingehalten werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle möglichen Schwachstellen überprüft und gegebenenfalls auch gefunden werden können. Außerdem wichtig: Der Zahnriemen des Autos sollte regelmäßig ausgetauscht werden.

Langsam "Warmfahren"

Auf den ersten Kilometern sollten Autofahrer den Motor mit relativ niedriger Drehzahl warmfahren. Der Grund: Der Motor besteht aus verschiedenen Materialien, die sich nach dem Kaltstart unterschiedlich schnell erwärmen und demzufolge auch ausdehnen. Zu schnelles Aufs-Gas-Drücken könnte also dazu führen, dass der Kolben nicht mehr in den Zylinder passt und klemmt. Hinzu kommt, dass auch das Öl nach dem Start noch kalt und zähflüssig ist - es braucht also eine gewisse Zeit, um zu den Schmierstellen gepumpt zu werden.

Motor abkühlen lassen

Turbomotoren können sich sehr stark erhitzen. Damit das Öl nicht an der Achse des Turbinenrades verkohlt und die Ölkanäle verstopft, sind Fahrer gut beraten, wenn sie den Motor ein paar Minuten im Leerlauf abkühlen lassen.

Kurzstrecken und Kaltstarts vermeiden

Beim Kaltstart eines Verbrennungsmotors wird das Kühlwasser und Öl nicht vorgewärmt. Auch im Schmierölkreislauf kann vorher kein Druck aufgebaut werden. Die hohen Temperaturunterschiede belasten den Motor. Unnötige Kaltstarts und Kurzstrecken sollten aus diesen Gründen vermieden werden.

Drehzahlen im Auge behalten

Wird ein kaltes Triebwerk zu hoch gedreht, führt das zu Verschleißerscheinungen. Wer permanent mit voller Leistung fährt, wird auch trotz behutsamen "Warmfahrens" und regelmäßigem Ölwechsel mit mehr Abnutzungserscheinungen rechnen müssen. Aus diesem Grund sind Drehzahlen im mittleren Bereich zu empfehlen.

Durchlüftung

Auch wenn das Merkmal "Garagenwagen" bei Gebrauchtwagenkäufern gern gesehen ist, trocknen nasse Fahrzeuge aufgrund der mangelnden Belüftung in Garagen meist langsamer - vor allem in den Zwischenräumen. Besser aufgehoben sind Autos in einem Carport.

Reinigung

Die Schmutz- und Rostnester eines Autos liegen meist im Verborgenem. Deswegen sollte bei einer Reinigung wirklich gründlich vorgegangen werden. Dabei sollten vor allem die Tür- und Haubenkanten, die Radläufe und der Unterboden nicht vergessen werden.

Hohlraumkonservierung

Wer seinem Fahrzeug ein langes Leben bescheren möchte, sollte Hohlräume und den Unterboden vor Rost schützen. Am besten geht das mit Wachs oder Fett.

"Reifenschonend" fahren

Wer ständig über Bordsteine und durch Schlaglöcher brettert, setzt nicht nur den Reifen seines Autos ordentlich zu, sondern auch eine Achse wird das auf Dauer kaum unbeschadet aushalten können. Deswegen ist bei solchen Hindernissen Vorsicht gefragt.

Eine Rückrufaktion plant Volkswagen nach Informationen von Handelsblatt Online derzeit nicht. "Dabei handelt es sich um einzelne Fälle", sagt Harthmuth Hoffmann, VW-Sprecher für Technologiethemen. "Bei mehr als 1,9 Millionen TSI-Motoren, die wir im Markt haben, bewegen sich diese Schadensfälle nur im Promillebereich." Es könne von keinem Serienfehler die Rede sein, es handle sich um "wenige hundert Fälle".

Das Problem war auch bereits vor den Artikeln der "Auto Bild" in Wolfsburg bekannt. "Wir haben in unserer eigenen Feldbeobachtung von diesen Einzelfällen erfahren", so der VW-Sprecher. "Aber wir lassen den Kunden nicht allein."

Die Lösung für betroffene VW-Kunden: Die Wolfsburger überlegen, die Kulanzregelung zu überarbeiten. Aktuell werden bei bis zu drei Jahren alten Fahrzeugen - oder bis 100.000 Kilometer Laufleistung - die vollen Kosten erstattet, bis sechs Jahre oder 200.000 Kilometer ist die Kulanz anteilig. Bei einer Laufleistung von 200.000 Kilometern übernehme Volkswagen laut Technologiesprecher Hoffmann noch die Hälfte der Kosten eines Steuerkettentauschs, da bei diesem Alter andere Belastungen nicht ausgeschlossen werden könnten.

Kommentare (49)

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Account gelöscht!

13.04.2012, 12:23 Uhr

"Der Lieferant habe die Stanzwerkzeuge, mit dem die Löcher in den einzelnen Kettengliedern ausgestanzt werden, über die Verschleißgrenze hinaus verwendet."
Das soll die Mängelrüge erklären bei Motoren mit unterschiedlicher Laufleistung und Fahrzeugen mit unterschiedlicher Lebensdauer? ""Dabei handelt es sich um einzelne Fälle", sagt .." Und dann auch noch diese Beruhigung. Wenn ein Stanz-WZ über die "Verschleißgrenze" hinaus eingesetzt und nicht einer regelmäßigen Wartung und Überarbeitung unterliegt, dann sind die Stempel des WZ nun einmal geschädigt und der Fehler wiederholt sich mit jedem Stanzvorgang. "Die überstehenden Grate" verstärken sich.
Die Begründung seitens VW klingt für mich sehr eigenartig. Da sollte sich der Konzern mit dem ehemaligen Leiter der QS in Ingolstadt an der Spitze schon etwas einfallen lassen, was weniger fragwürdig erscheint.

rsepsilon

13.04.2012, 12:44 Uhr

Kunden anderer Hersteller würden sich über soviel Kulanz freuen. Bei Fahrzeugen von Renault mit Automatikgetriebe gibt beispielsweise das Schaltschiebergehäuse wegen konstruktiver Schwächen oft schon bei deutlich weniger als 100.000 km den Geist auf. Den dann für die Getriebereparatur fällig werdenden Betrag im vierstelligen Bereich hat der Kunde zu 100% selbst zu tragen.

KamilJan

13.04.2012, 12:46 Uhr

lol... Fachmagazin "Auto Bild" ...

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