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25.07.2013

17:04 Uhr

110 Jahre Motorrad-Kultmarke

„Harley-Fahrer sind totale Weicheier“

VonTobias Döring, Frank G. Heide

Harley-Davidson wird 110 Jahre alt – und verkauft sich prächtig. Typische Fahrer sind aber längst nicht mehr tätowierte Rocker, sondern gealterte Zahnärzte. Warum die Marke noch blüht, aber dem Tod geweiht ist.

Hat die Marke ein Nachwuchs-Problem? Harley-Davidson-Interessierte bei einem Motorradhändler in Maryland, USA. Reuters

Hat die Marke ein Nachwuchs-Problem? Harley-Davidson-Interessierte bei einem Motorradhändler in Maryland, USA.

DüsseldorfEigentlich hat Harley-Davidson 2013 ja einen guten Grund, um kräftig zu feiern: Die Marke aus Milwaukee wird 110 Jahre alt, die vom Hersteller aktiv geförderte Community der Harley-Besitzer H.O.G. feiert ihr 30-Jähriges. Doch die aktuellen Zahlen des börsennotierten Motorradherstellers zeigen ein gemischtes Bild. So brachen im ersten Quartal auf dem wichtigsten Markt, den USA, die Verkäufe um 13 Prozent ein. Eine der Ursachen war, typisch für das saisonal geprägte Geschäft mit den schweren Bikes, das Wetter: Die Kälte in Europa und USA war zu Jahresbeginn heftig und langanhaltend, Kaufinteressenten verschoben ihre Anschaffungen. Die Harley-Händler hatten sich allerdings in der Hoffnung auf ein gutes Geschäft reichlich mit Motorrädern eingedeckt, was Umsatz und Ertrag der Kultmarke in die Höhe trieb.

Besser lief es im zweiten Quartal, weltweit wurden 90.193 Motorräder verkauft, wie Harley am Donnerstag meldete. 144.447 waren es im ersten Halbjahr (+8.2%). Dabei gaben die Verkäufe aber in den USA und Europa leicht nach, echtes Wachstum kam aus den Regionen Asien (+11,9%) und Lateinamerika (+22,8%).

Kurze Harley-Fahrer-Typologie

Viel mehr als nur Bad Boys

In seinem Aufsatz "Magie einer Marke" greift der Hamburger Soziologe Kai-Uwe Hellmann eine eingängige Typisierung verschiedener Gruppen von Harley-Davidson-Fahrern auf, von der leider nicht belegt ist, aus welcher Quelle sie stammt. Unterhaltsam und zutreffend ist ist allemal, auch wenn es einigen Harley-Fahrern nicht gefallen wird ...

MOPS

MOPS steht für „mom-and-pops-bikers“: Paare, die ihre Harley als normales Transportmittel benutzen.

RUBS

RUBS sind „Rich Urban Bikers“: vorwiegend Männer, die sich mit Blick auf ihr fortgeschrittenes Alter und vor dem Hintergrund ihres beruflichen Erfolgs (Anwälte, Broker, Ärzte etc.) eine Harley (problemlos) leisten
(können), um das Lebensgefühl der Teenager und Outlaws nochmals in sich aufleben zu lassen.

SEWERS

SEWERS steht für „Suburban Weekend Riders“: Vorstadtbewohner, die unter der Woche ein ganz normales Leben führen, in den weitverzweigten „suburbs“ mit den vielen gleich aussehenden Einfamilienhäusern wohnen und zum Wochenende ihre Harley aus der Garage holen, um eine kleine Spritztour zum nächsten Harley-Treffpunkt zu machen.

RIOTS

„Retired Idiots On Tour”: zumeist ältere Personen, die ihren verdienten Ruhestand dazu nutzen, ihre Freizeit und ihre finanzielle Abgesichertheit zu genießen, indem sie sich eine Harley kaufen und längere Überlandfahrten machen.

MUGWUMPS

MUGWUMPS („My Ugly Goldwing Was Upsetting My Peers”): ehemalige Fahrer einer Honda Goldwing, deren Behäbigkeit und betuliches Image im Bekanntenkreis auf wenig Gegenliebe gestoßen ist, weshalb sie sich zu einem Markenwechsel genötigt sahen.

AHABS

„Aspiring Hardass Bikers”: Vermutlich handelt es sich hierbei um Harley-Fahrer, die vorgeben, besonders lange Fahrten übers Land zu unternehmen, mit den entsprechenden Folgen fürs eigene Gesäß.

BASTARDS

„Bought A Sportser, Therefore a Radical Dude”: Diese Bezeichnung betrifft das prätentiöse Gehabe mancher Harley-Fahrer, die sich durch den Besitz einer solchen Maschine im antibürgerlichen Image der Harley-Kultur sonnen.

IGLOOS

„I got the look, Own one Soon”: Personen, die zwar gerne eine Harley hätten, sich aber keine leisten können und sich statt dessen durch entsprechende Kleidungsstücke und die zugehörigen Accessoires schmücken, um den Anschein von Harley-Besitz und H.O.G.-Zugehörigkeit zu erwecken; siehe auch HOOTS ...

HOOTS

„Have one Ordered, True Story”: HOOTS sind den IGLOOS sehr ähnlich, nur begnügen diese sich mit der nur vorgetäuschten Tatsache, dass sie demnächst eine Harley besitzen werden, deren Bestellung schon erfolgt
ist.

Harley-Davidson hatte in der Wirtschaftskrise vor vier Jahren noch ums Überleben kämpfen müssen, weil die Verkäufe der teuren Maschinen eingebrochen waren. Firmenchef Wandell gab in der Not die Marken MV Agusta und Buell auf, strich tausende Jobs und stellte die Produktion um. Heute profitiert der Hersteller von seiner Neuaufstellung durch geringere Kosten.

Zwei Drittel aller neuen Harleys werden in den USA gekauft, doch die Fangemeinde in Lateinamerika und Asien wächst angeblich rasant. In Europa hatte die Schuldenkrise die Verkäufe zuletzt gedämpft. Das Unternehmen bleibt aber zuversichtlich und will im gesamten Jahr wie geplant bis zu 264.000 Motorräder ausliefern, ein Zuwachs von sieben Prozent gegenüber 2012. Das Plus soll nicht zuletzt von Neukunden stammen, die der Faszination der Kultmarke erliegen.

2012 hatten in den USA vier von zehn Kunden erstmals eine Harley gekauft, außerhalb des US-Marktes waren sogar zwei Drittel der Kunden neu bei der Marke gelandet, deren Bikes oft als technisch antiquiert, aber dennoch besonders teuer kritisiert werden.

Was die typische Harley-Welt ausmacht, und welchen besonderen Risiken die Community-geprägte Marke unterliegt hat Handelsblatt Online mit Kai-Uwe Hellmann besprochen. Der Soziologe und Konsumforscher hat sich intensiv mit der Harley-Markenwelt beschäftigt, und kommt zu ganz eigenen Ein- und Ansichten.  

Kommentare (53)

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Furio71

25.07.2013, 17:25 Uhr

Selten einen so schlecht recherchierten Artikel gelesen. Hier werden Klischees bedient. Die Käufer der Marke haben sich verändert. Das haben die Medien noch nicht gecheckt. Ich bin weder Zahnarzt, noch tätowiert. Aber ich fahre Motorrad. Aus Leidenschaft. Und morgen, ja morgen hol ich mir meine erste neue Harley ab.

JozefHirzenkozzer

25.07.2013, 17:42 Uhr

wann steigt ein Biker auf ene Harley um?

wenn er mit 75 Jahren an Parkinson Desease erkrankt ist....

Margit

25.07.2013, 17:54 Uhr

Oh - viel Freude damit!! Was für ein Modell?

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