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17.06.2012

15:56 Uhr

24 Stunden von Le Mans

Audi erobert das komplette Podium

Audi sahnt in Le Mans mächtig ab: Der erneute Sieg für das Trio um den Deutschen André Lotterer. Dazu noch die Plätze zwei und drei. Nick Heidfeld durfte sich über Rang vier freuen. Ein schwerer Unfall bremste Toyota.

Die Audi-Mechaniker feiern den souveränen Sieg des Teams. Reuters

Die Audi-Mechaniker feiern den souveränen Sieg des Teams.

Le MansAuf der Strecke formierte sich die Audi-Flotte zur Triumphfahrt, das Podium der 24 Stunden von Le Mans nahmen André Lotterer & Co. komplett in Beschlag. Der Ingolstädter Autobauer feierte am Sonntag bei der 80. Auflage des legendären Langstreckenrennens einen souveränen Dreifacherfolg.

Wie vor einem Jahr steuerte der Duisburger André Lotterer nach dem Ende um 15 Uhr am Sonntag das Gewinnerauto durch die jubelnden Audi-Mechaniker in die Boxengasse. „Das war ein großartiges Rennen“, sagte Lotterer: „Le Mans ist etwas Besonderes.“

Lotterer machte nach 378 Runden vor Le-Mans-Rekordsieger Tom Kristensen im zweiten neuen Dieselhybrid-Wagen den elften Sieg für Audi bei dem legendären Rennen perfekt. Auf Rang drei fuhr der vor einem Jahr noch schwer verunglückte Mike Rockenfeller im herkömmlich angetriebenen Audi. „Das war ein großer Sieg. Das war ein Rennen, wie man es wohl nur in Le Mans erleben kann“, meinte Audis Motorsportchef Wolfgang Ullrich.

Trotz acht Runden Rückstands auf Rang drei durfte sich aber auch Nick Heidfeld mit dem Privatteam Rebellion über eine starke Leistung bei dem Langstrecken-Klassiker in Frankreich freuen. Der ehemalige Formel-1-Pilot aus Mönchengladbach und seine Mitstreiter Neel Jani aus der Schweiz und Nicolas Prost aus Frankreich profitierten in ihrem Lola allerdings als Vierte von den Problemen des Le-Mans-Rückkehrers Toyota.

24 Stunden von Le Mans - Geschichte eines Rennklassikers

Historie

Die 24 Stunden von Le Mans werden seit 1923 gefahren. Autohersteller aus aller Welt nutzen das Rennen als Belastungsprobe für neu entwickelte Fahrzeuge und Automobiltechnik. Defekte am Wagen während des Wettbewerbs durften in den ersten Jahren ausschließlich von den Fahrern selbst behoben werden. Später gab es dann, wie auch aus der Formel 1 bekannt, Boxen, in denen sich Mechaniker um technische Probleme kümmern. Seit 2012 ist das Rennen Teil der Langstrecken-Weltmeisterschaft der FIA, dem internationalen Dachverband des Automobils.

Ziel des Rennens

Wer in Le Mans gewinnen möchte, muss binnen 24 Stunden die meisten Runden gedreht haben - und am Ende auch ins Ziel kommen. Traditionell beginnt das Rennen um 16:00 Uhr. Die letzten beiden Jahre war das Siegerfahrzeug ein Audi.

Fahrer-Teams

Beim diesjährigen Rennen gehen 55 Teams in vier Rennklassen an den Start. Seit 1985 besteht jedes Team aus drei Fahrern. Davor wechselten sich jeweils zwei Piloten während der 24 Stunden am Steuer ab.

Streckenprofil

Der Rundkurs in Le Mans ist 13,880 Kilometer lang und hat 21 Kurven. Die Strecke führt größtenteils über öffentliche Landstraßen, die nicht immer im allerbesten Zustand sind. Legendär ist die Le Mans vor allem wegen seiner Geraden. Auf der Ligne Droite des Hunaudières erreichten die Fahrer teilweise Geschwindigkeiten von über 400 km/h. Seit dem Einbau zweier Schikanen 1990 bringen es die Boliden auf dem Teilstück „nur“ noch auf rund 350 km/h in der Spitze.  

Rekorde I

Längste zurückgelegte Distanz
2010 legte das Fahrer-Trio Timo Bernhard, Romain Dumas und Mike Rockefeller in einem Audi R15 TDI Plus binnen 24 Stunden eine Strecke von 5410,71 Kilometer zurück.

Höchste Durchschnittsgeschwindigkeit in einer Runde
1985 fuhr der deutsche Rennfahrer Hans Joachim Stuck die schnellste Qualifikationsrunde. Über den 13,6 Kilometer langen Parcours raste der Bayer mit durchschnittlich 251,815 km/h.

Rekorde II

Höchste Maximalgeschwindigkeit
1988 hatte der Fahrer Roger Dorchy auf der Ligne Droite des Hunaudières zeitweise 405 km/h auf dem Tacho, die höchste, jemals auf dieser Strecke gemessene Geschwindigkeit. Das wird wohl auch so bleiben. Seit 1990 verhindern zwei Schikanen eine ähnlich hohe Tempofahrt.

Höchste Zuschauerzahl
2008 säumten über 250.000 Autorennfans die Strecke in Le Mans.

Erfolgreichster Fahrer

Der erfolgreichste Fahrer seit Beginn des Langestreckenrennens ist Tom Kristensen. Der Däne sah zwischen 1997 und 2008 insgesamt acht Mal nach 24 Stunden als erster die schwarz-weiß karierte Zielflagge.

Erste und letzte Gewinner

Die Premiere des 24-Stunden-Rennens gewannen zwei Franzosen. 1923 fuhren André Lagache und René Léonard mit ihrem Chenard & Walcker Sport als erster über die Ziellinie. Zuletzt sicherte sich 2011 ein Trio um den Deutschen Andre Lotterer im Audi R18 den Titel.

Größte Tragödie

1955 war ein schwarzer Tag für Fahrer, Fans und Veranstalter. Auf der Zielgeraden raste der Franzose Pierre Levegh auf das Heck des vor ihm fahrenden Briten Lance Mackli. Leveghs Mercedes hob ab und überschlug sich. Dabei wurden unter anderem die Motorhaube und die Frontachse in die Zuschauertribüne geschleudert. 84 Menschen kamen ums Leben, darunter auch der Franzose selbst.

Hollywood-Star unter den Fahrern

1979 ging der 2008 verstorbene Hollywood-Schauspieler Paul Newman in Le Mans an den Start. Nach 24 Stunden überquerte der Oskar-Preisträger in einem Porsche 935 als zweiter die Ziellinie. Allerdings wurde der Großteil des Rennens von seinem Partner Rolf Stommeln gefahren.

Le Mans im Film

Apropos Hollywood: Le Mans war bereits zweimal Thema von Kinofilmen. 1970 drehte Steve Mc Queen einen Streifen rund um das legendäre Langstreckenrennen. 2002 war es Luc Besson, der die Kulisse für seine Verfilmung der Comic-Serie Michel Vaillant nutzte. Einige Szenen wurden live während des Rennens gedreht. Besson setzte hierfür professionelle Fahrer ein – eine Sicherheits-Auflage des Veranstalters.

„Bei Toyota hatte man schon vermutet, dass sie nicht durchkommen“, meinte der 35 Jahre alte Heidfeld. Nach über einem Jahrzehnt Abstinenz schickten die Japaner zwei Prototypen auf den 13,629 Kilometer langen Kurs. Beide Autos erreichten aber nicht das Ziel, stattdessen landete der britische Pilot Anthony Davidson mit einer schweren Verletzung im Krankenhaus.

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