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16.06.2012

15:17 Uhr

24 Stunden von Le Mans

David gegen Goliath

VonSebastian Schaal

Die 24 Stunden von Le Mans sind angebrochen - eines der prestigereichsten Rennen der Welt. Dieses Jahr ist es noch brisanter: Zwei der größten Autokonzerne der Welt treten gegeneinander an - ein ungleiches Technik-Duell.

Toyota tritt mit dem TS030 Hybrid nach zwölf Jahren wieder in Le Mans an. Toyota

Toyota tritt mit dem TS030 Hybrid nach zwölf Jahren wieder in Le Mans an.

Düsseldorf/KölnSeit um 15 Uhr die 57 Fahrzeuge um den Sieg kämpfen, ist in der Historie des legendären 24-Stunden-Rennens ein neues Kapitel angebrochen. Nicht nur deshalb, weil gleich mehrere Autos mit revolutionärer Hybrid-Technologie unter der Haube das Rennen für sich entscheiden könnten. Nein, dieses Jahr treten die zwei größten Autobauer der Welt gegeneinander an: Volkswagen und Toyota.

Le Mans war oft die Bühne für erbitterte Wettstreite der Autoindustrie - Ford gegen Ferrari, Audi gegen Peugeot. Doch dieses Mal gleicht der Wettkampf einem Kampf David gegen Goliath. Toyota bei den Absatzzahlen von Straßenfahrzeugen ein Riese ist, schrumpfen die Japaner in Le Mans nämlich auf Zwergenformat. Toyota kehrt nach 12 Jahren Le-Mans-Abstinenz auf die 13,629 Kilometer lange Strecke zurück. 

Anders bei der deutschen Konkurrenz: Zehn der letzten elf Rennen hat eine Marke des VW-Konzerns gewonnen, neun davon Audi, 2003 einmalig Bentley. Aber auch nur, weil Audi da auf einen werksseitigen Start verzichtet und sein Team an die Schwester-Marke Bentley „ausgeliehen“ hatte.

Nachdem Audi 2006 den Diesel im Langstrecken-Rennsport salonfähig gemacht hat und sich in den vergangenen Jahren ein enges Duell mit den Diesel-Rennwagen von Peugeot geliefert hat, soll es dieses Jahr der erste Sieg mit einem Hybridauto für Audi geben.

24 Stunden von Le Mans - Geschichte eines Rennklassikers

Historie

Die 24 Stunden von Le Mans werden seit 1923 gefahren. Autohersteller aus aller Welt nutzen das Rennen als Belastungsprobe für neu entwickelte Fahrzeuge und Automobiltechnik. Defekte am Wagen während des Wettbewerbs durften in den ersten Jahren ausschließlich von den Fahrern selbst behoben werden. Später gab es dann, wie auch aus der Formel 1 bekannt, Boxen, in denen sich Mechaniker um technische Probleme kümmern. Seit 2012 ist das Rennen Teil der Langstrecken-Weltmeisterschaft der FIA, dem internationalen Dachverband des Automobils.

Ziel des Rennens

Wer in Le Mans gewinnen möchte, muss binnen 24 Stunden die meisten Runden gedreht haben - und am Ende auch ins Ziel kommen. Traditionell beginnt das Rennen um 16:00 Uhr. Die letzten beiden Jahre war das Siegerfahrzeug ein Audi.

Fahrer-Teams

Beim diesjährigen Rennen gehen 55 Teams in vier Rennklassen an den Start. Seit 1985 besteht jedes Team aus drei Fahrern. Davor wechselten sich jeweils zwei Piloten während der 24 Stunden am Steuer ab.

Streckenprofil

Der Rundkurs in Le Mans ist 13,880 Kilometer lang und hat 21 Kurven. Die Strecke führt größtenteils über öffentliche Landstraßen, die nicht immer im allerbesten Zustand sind. Legendär ist die Le Mans vor allem wegen seiner Geraden. Auf der Ligne Droite des Hunaudières erreichten die Fahrer teilweise Geschwindigkeiten von über 400 km/h. Seit dem Einbau zweier Schikanen 1990 bringen es die Boliden auf dem Teilstück „nur“ noch auf rund 350 km/h in der Spitze.  

Rekorde I

Längste zurückgelegte Distanz
2010 legte das Fahrer-Trio Timo Bernhard, Romain Dumas und Mike Rockefeller in einem Audi R15 TDI Plus binnen 24 Stunden eine Strecke von 5410,71 Kilometer zurück.

Höchste Durchschnittsgeschwindigkeit in einer Runde
1985 fuhr der deutsche Rennfahrer Hans Joachim Stuck die schnellste Qualifikationsrunde. Über den 13,6 Kilometer langen Parcours raste der Bayer mit durchschnittlich 251,815 km/h.

Rekorde II

Höchste Maximalgeschwindigkeit
1988 hatte der Fahrer Roger Dorchy auf der Ligne Droite des Hunaudières zeitweise 405 km/h auf dem Tacho, die höchste, jemals auf dieser Strecke gemessene Geschwindigkeit. Das wird wohl auch so bleiben. Seit 1990 verhindern zwei Schikanen eine ähnlich hohe Tempofahrt.

Höchste Zuschauerzahl
2008 säumten über 250.000 Autorennfans die Strecke in Le Mans.

Erfolgreichster Fahrer

Der erfolgreichste Fahrer seit Beginn des Langestreckenrennens ist Tom Kristensen. Der Däne sah zwischen 1997 und 2008 insgesamt acht Mal nach 24 Stunden als erster die schwarz-weiß karierte Zielflagge.

Erste und letzte Gewinner

Die Premiere des 24-Stunden-Rennens gewannen zwei Franzosen. 1923 fuhren André Lagache und René Léonard mit ihrem Chenard & Walcker Sport als erster über die Ziellinie. Zuletzt sicherte sich 2011 ein Trio um den Deutschen Andre Lotterer im Audi R18 den Titel.

Größte Tragödie

1955 war ein schwarzer Tag für Fahrer, Fans und Veranstalter. Auf der Zielgeraden raste der Franzose Pierre Levegh auf das Heck des vor ihm fahrenden Briten Lance Mackli. Leveghs Mercedes hob ab und überschlug sich. Dabei wurden unter anderem die Motorhaube und die Frontachse in die Zuschauertribüne geschleudert. 84 Menschen kamen ums Leben, darunter auch der Franzose selbst.

Hollywood-Star unter den Fahrern

1979 ging der 2008 verstorbene Hollywood-Schauspieler Paul Newman in Le Mans an den Start. Nach 24 Stunden überquerte der Oskar-Preisträger in einem Porsche 935 als zweiter die Ziellinie. Allerdings wurde der Großteil des Rennens von seinem Partner Rolf Stommeln gefahren.

Le Mans im Film

Apropos Hollywood: Le Mans war bereits zweimal Thema von Kinofilmen. 1970 drehte Steve Mc Queen einen Streifen rund um das legendäre Langstreckenrennen. 2002 war es Luc Besson, der die Kulisse für seine Verfilmung der Comic-Serie Michel Vaillant nutzte. Einige Szenen wurden live während des Rennens gedreht. Besson setzte hierfür professionelle Fahrer ein – eine Sicherheits-Auflage des Veranstalters.

Diesen öffentlichkeitswirksamen Premieren-Erfolg will nun Toyota den Ingolstädtern streitig machen. Und auch wenn die Japaner nicht auf so viel Erfahrung in Le Mans wie Audi zurückblicken können: Beim Auto für die Straße gilt Toyota mit zigtausend verkauften Fahrzeugen als der Hybrid-Vorreiter schlechthin. „Toyota möchte sein Hybrid-Konzept, das wir bereits im Straßenfahrzeugen einsetzen, in Le Mans gewinnen sehen“, sagt Rob Leupen, Director Business Operations bei Toyota Motorsport im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Wir waren schon zweimal Zweiter, das möchten wir jetzt ändern. Das ist die Triebfeder, diese Technik dort einzusetzen.“

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