Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.02.2014

10:21 Uhr

40 Jahre Ford Capri II & III

Mit dem Mustang aus Köln-Niehl durch die Ölkrise

VonWolfram Nickel
Quelle:Spotpress

Unendlich lang und maskulin war seine Motorhaube. Der Ford Capri war die europäische Interpretation des Mustang. Ein sensationell erfolgreiches Sportcoupé, das vor 40 Jahren seinen zweiten Frühling feierte.

Der Ford Capri war die europäische Interpretation des Mustang Ford

Der Ford Capri war die europäische Interpretation des Mustang

Es war ein Katastrophenjahr für die Automobilindustrie. Die Ölkrise hatte im Winter 1973/74 die Absatzzahlen ins Bodenlose stürzen lassen und den Kölner Ford-Werken wie fast allen Konzernen rote Zahlen beschert. Wie den Menschen wieder Lust aufs Auto machen? Mit emotionalen Formen, sagte sich Ford, und schickte das Sportcoupé Capri in einen zweiten Frühling. Hatte doch fünf Jahre zuvor die erste Generation des Capri bereits einen Überraschungscoup gelandet und Mode gemacht ganz nach dem Muster des amerikanischen Mustang.

Waren europäische Großseriencoupés bis dahin meist nicht mehr als zweitürige Limousinen mit kleinerem und kürzerem Dachaufbau, präsentierte Ford mit dem Capri den ersten Familiensportler im Stil amerikanischer Muscle Cars.

Unendlich lange Motorhaube für potentiell viele Pferdestärken, dazu ein kurzes, schnelles Heck und das Ganze zu erschwinglichen Kosten. Eine Konzept, das den Capri für Ford zur Goldgrube machte und für die Branche zum Vorbild aller viersitzigen Familiencoupés.

Über eine Million Capri konnte Ford bis 1974 verkaufen – ein Ergebnis, das sogar die optimistischsten Prognosen übertroffen hatte und Konkurrenten wie den Opel Manta oder den VW Scirocco nachwachsen ließ. Gutes noch besser machen musste also vor 40 Jahren der Capri II. Eine große Aufgabe, für die das kleine Ponycar dank praktischer Heckklappe aber genügend neue Capri-Cowboys gewann. Mehr noch: In 13-jähriger Produktionszeit errang das Coupé einen bis heute nicht verblassten Kultstatus.

Kritiker nannten ihn gerne Kölns größte Schnauze. Schließlich wurde der Capri II nach Auslauf der englischen Fertigung ab 1975 ausschließlich in Köln gebaut, vor allem aber arbeiteten unter der langen Schnauze des Bestsellers nicht nur kräftige 3,0-Liter-V6, sondern als Basis zunächst sogar schwachbrüstige 1,3-Liter-Vierzylinder mit gerade einmal 40 kW/54 PS. Nur scheinbar die passende Motorisierung für die Monate der Ölkrise mit staatlich verordneter Autobahn-Vmax von 100 km/h.

Denn das mit 1.010 Kilogramm vergleichsweise schwergewichtige und immerhin 4,29 Meter messende Coupé (nur 15 Zentimeter weniger als der Mustang II) musste bereits beim Sprint jeden Kleinwagen davon ziehen lassen. Ein Blender war der neue Beau de Cologne jedoch nur in dieser Basis, für die anfangs alles extra bezahlt werden musste.

Sogar Selbstverständlichkeiten wie Stahlgürtelreifen, Bremskraftverstärker und heizbare Heckscheibe – einmal mehr ganz dem Vorbild des Ford Mustang folgend. Ein Trick, der die Capri-Preisliste unter die 10.000-Mark-Marke drückte.

Capri-Chronik

1969

Ende Januar feiert der Ford Capri in erster Generation seine Markteinführung

1974

Vorstellung und Marktstart des Capri II als Evolution des Capri I, jetzt jedoch als Kombi-Coupé mit Heckklappe

1975

Modellpflegemaßnahmen, dabei Stahlgürtelreifen, Bremskraftverstärker und heizbare Heckscheibe für Capri L, Kopfstützen ab Capri XL und Capri GT mit Automatik-Sicherheitsgurten. Im Dezember Produktionseinstellung im englischen Werk Halewood. Fortan kommen alle für Großbritannien bestimmten Capri aus deutscher Produktion

1976

Ab März war die Verbundglasfrontscheibe Serie, schon einen Monat zuvor Automatiksicherheitsgurte. Im Mai kleines Facelift und neue Version Capri S. Optisch zu erkennen u.a. an schwarzen Schwellern und Seitendekorelementen. Für Capri S außerdem Frontspoiler und straffere Fahrwerksabstimmung. Neu im Programm ist der 2,0-Liter-V6

1977

Ende des Jahres wird der Capri nach 513.500 dort verkauften Exemplaren vom US-amerikanischen Markt genommen

1978

Im März debütiert auf dem Genfer Salon ein gründlich modifizierter Capri, u.a. mit neuer Frontgestaltung, überarbeitetem Heck und einem Motorenprogramm, das erst beim 1,6-Liter-Benziner beginnt. Am Vortag des Formel-1-Grand Prix von Deutschland feiert der Capri Turbo als Renntourenwagen seine Rückkehr. Der Vierzylinder-Turbo mit 1,4-Liter-Hubraum leistete 380 PS gewann ein Jahr später zehn von elf Läufen der Deutschen Rennsport Meisterschaft.

1979

Überarbeitetes Motorenprogramm mit zusätzlichem 2,0-Liter-Vierzylinder (Auftakt im November im Sondermodell Capri GT 4) sowie geänderten 2,0- und 2,3-Liter-Sechszylindern und 1,6-Liter

1980

Entfall Capri 1,6 mit 68 PS. Auf den Rennstrecken tritt Klaus Ludwig mit einem 580 PS leistenden Capri Turbo gegen den etwa 200 PS stärkeren Porsche 935 an. Trotz zahlreicher Erfolge erringt Ludwig nicht den Titel, denn der Heckflügel des Capri wurde als nicht regelkonform eingeschätzt

1981

Ab Februar ersetzt der Capri 2.8 Injection den 3,0-Liter-Capri. Im Juli wird der 2,0-Liter-V6 eingestellt. Im gleichen Monat wird der Capri Turbo 2,8-Liter-Vergasersechszylinder und 188 PS Leistung neues Spitzenmodell. Klaus Ludwig gewinnt mit einem 510 PS leistenden Turbo-Capri den Titel der Deutschen Rennsport Meisterschaft

1983

Ab April alle Capri mit 5-Gang-Getriebe sowie weitere kleine Modellpflegedetails. Im August neu geordnetes Programm aus Capri GT (101 PS), Capri S (114 PS) und Capri 2.8i (160 PS)

1984

Ab April nur noch Capri Super GT (101 PS) und Capri Super Injection (160 PS) mit erweiterter Serienausstattung

1985

Im April wird der Capri vom deutschen Markt genommen. Weiter gebaut wird der Capri als Rechtslenker

1987

Auch in Großbritannien wird der Capri aus dem Programm genommen. Insgesamt wurden von allen Capri-Generationen 1.886.647 Einheiten gebaut

Damit unterbot der im Stile eines trendigen Kombi-Coupés gezeichnete Capri auch den ebenfalls neuen VW Scirocco und den 1970 eingeführten Opel Manta. Europäische Mittelklasse-Coupés wie Fiat 124 und Alfa Bertone kosteten dagegen mindestens 50 Prozent mehr, waren dafür allerdings bereits in der Basis gut motorisiert und ausgestattet. Nicht einmal die ersten Samurai-Kämpfer wie Mazda 616 Coupé und Toyota Celica konnten den Capri in der Preiskonkurrenz schlagen.

Dieser verfügte außerdem am oberen Ende seiner Palette über eine weitere Alleinstellungsposition. Mit 2,3-Liter und 3,0-Liter-Sechszylinder-Maschinen und nobler Ghia-Vollausstattung klopfte der Ford bereits an der Tür der exklusiven Coupé-Liga von BMW oder Mercedes. Punkten konnte der Capri gegen diese Premiumkonkurrenten zwar nicht, aber er gewann so genügend Prestige für einen fast unerreichten Kultstatus in der Mittelklasse.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×